- 08.10.2009, 11:40:13
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Klarstellung der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) zum Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)
Wien (OTS) - Die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) sieht
sich aufgrund mehrfacher Meldungen in österreichischen Medien
veranlasst, hinsichtlich der Verhandlungen und zukünftigen
Kooperation der IKG mit dem Wiener Wiesenthal Institut für
Holocaust-Studien (VWI) die nachfolgende Klarstellung abzugeben:
1) Die IKG verweigert zu keiner Zeit den Zugang zu ihrem Archiv, da
nach wie vor jede/r Wissenschaftler/in, Diplomand/in, Dissertant/in
oder Interessierte nach Terminvereinbarung im Archiv der IKG Wien bis
dato erschlossene Bestände und Mikrofilme einsehen kann. Seit Beginn
des Jahres 2009 wurden sogar vermehrt Anfragen bezüglich Recherchen
und Forschungen verzeichnet. Auch nach einer Verleihung an das VWI
sollte dieser freie Zugang immer gewährleistet sein. Die IKG besteht
aber auf bestimmten Benutzerregeln, die vor allem dem Schutz der
Archive dienen.
2) Im VWI gibt es Personen, die fälschlicherweise davon ausgegangen
sind, dass die IKG dem VWI das gesamte IKG-Archiv in Bausch und Bogen
übergeben würde. Dass dies eine falsche Annahme war, hat zu einer
äußerst aggressiven und negativen Haltung Einzelner im VWI geführt.
Hiezu muss generell festgehalten werden, dass Archive von
Religionsgemeinschaften, wie z.B. auch der Katholischen Kirche,
Privatarchive sind, und Originalarchivalien üblicherweise nicht an
andere Institutionen weitergegeben werden.
Die IKG besteht seit dem Jahre 1849 und besitzt dementsprechend
umfangreiche Archivalien. Das VWI, welches statutarisch als
Forschungs-, Dokumentations- und Vermittlungsstätte gegen den
Antisemitismus, Rassismus bzw. für die Erforschung des Holocausts
eingerichtet wurde, beschäftigt sich nur mit diesem Teilbereich der
Geschichte der Jüdischen Gemeinde. Die IKG ist grundsätzlich bereit,
dem VWI die Originale der hinsichtlich Antisemitismus, Rassismus und
Holocaust relevanten Archivbestandteile aus dem Zeitraum 1919 bis
1945 bzw. 1970 leihweise zu überlassen.
Diverse Äußerungen des VWI führen leider zu der Erkenntnis, dass der
Verleih dieser für die IKG historisch so wertvollen
Originalarchivalien an das VWI vom VWI nicht entsprechend seiner
Bedeutung und Ausnahme geschätzt wird. Vielmehr versucht das VWI aus
dem weitgehenden Entgegenkommen der IKG ein Zugriffsrecht auf das
gesamte Archiv der IKG abzuleiten, was im Hinblick auf den begrenzten
historischen Forschungszeitraum und -inhalt des VWI unverständlich
ist. Dass sich im Archiv der IKG umfangreiche Archivbestände zu
unterschiedlichsten Belangen, wie Sicherheitsfragen, innerreligiöse
Konflikte, usw. befinden, welche nicht an andere Institutionen
weitergegeben werden, bedarf wohl keiner ausführlichen Begründung.
3) Es war der besondere Wunsch des verstorbenen DI Simon Wiesenthal,
dass sein Archiv in Österreich erhalten und die Bestände hier
zugänglich gemacht werden. Der Präsident der IKG, Dr. Ariel Muzicant,
hatte die Idee, in Wien ein Schoahzentrum zu errichten, um damit eine
neue zeitgemäße Form der Auseinandersetzung mit der Schoah zu
ermöglichen. In den Verhandlungen wurde schließlich daraus ein Simon
Wiesenthal Forschungszentrum (VWI), das die Grundlage für den
Verbleib des Wiesenthal-Archivs in Wien wurde. Im Zusammenhang mit
der Gründung des VWI, bzw. schon vor dieser Gründung hat die IKG in
den letzten Jahren sämtliche personellen (IKG-Angestellte wurden zur
Verfügung gestellt) und finanziellen Vorleistungen erbracht. Derzeit
stellt die IKG dem VWI notwendige Räumlichkeiten kostenlos zur
Verfügung.
4) In der Vergangenheit hat die IKG Teile ihres Archives ohne
adäquaten Vertrag verliehen und aus diesen Fehlern gelernt. Daher
besteht die IKG auf einer klaren Regelung, insbesonders betreffend
das Eigentumsrecht. Die IKG stellt ihre Archivteile
selbstverständlich kostenlos zur Verfügung, besteht aber darauf, dass
auch bei Mikroverfilmung, Digitalisierung oder anderen
Vervielfältigungen das Eigentum bei der IKG bleibt. Dieser Standpunkt
hat bisher zu den größten Irritationen geführt.
Die IKG betont, dass neben den oben angesprochenen Punkten das
gegenseitige Verständnis für die Interessen der jeweiligen
Institution, die Schaffung einer Vertrauensbasis, respektvoller
Umgang sowie transparente Abläufe unumgängliche Faktoren für das
Gelingen eines solchen Projekts und eine kontinuierliche Kooperation
sind. Dass die IKG seit 20. Juli 2009 weder im Vorstand des VWI
vertreten ist, noch vom VWI trotz mehrfachen Ersuchens Protokolle
über die Vorstandssitzungen erhält, ja sogar von diesen
ausgeschlossen wird, ist inakzeptabel. Dass es regelmäßig
Stellungnahmen des VWI bzw. aus dem VWI an die Medien gibt, ist dem
Projekt sicherlich nicht förderlich.
Das Bestehen des VWI sowie dessen zukünftige Forschungen sind der IKG
nach wie vor ein sehr wichtiges Anliegen. Es ist daher das Bestreben
der IKG, alle relevanten Fragen hinsichtlich des mit dem VWI
abzuschließenden Leihvertrages und der zukünftigen Tätigkeiten des
VWI so rasch wie möglich einvernehmlich zu klären. Zwischenzeitig
wurde zwischen der IKG und dem VWI über alle Vertragspunkte des
abzuschließenden Leihvertrages mit Ausnahme eines Teils eines
einzigen Paragraphen Einigkeit erzielt. Die IKG geht davon aus, dass
eine Einigung über diesen letzten offenen Vertragspunkt kurzfristig
erfolgen wird.
Rückfragehinweis:
Israelitische Kultusgemeinde Wien
Erika Jakubovits, Exekutiv Direktorin des Präsidiums der IKG Wien
Tel.: (01) 53 104-102, Email: [email protected]
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