- 30.09.2009, 10:03:04
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Industrie: Wiederaufschwung nur über Leitbetriebe möglich!
Neue Studie: Internationale Leitbetriebe von der Wirtschaftskrise stärker betroffen als angenommen - Maßnahmenpaket für Leitbetriebe hat oberste Priorität
Wien (OTS/PdI) - "Internationale Leitbetriebe waren und sind die
Kernsubstanz der österreichischen Volkswirtschaft - auch in Zeiten
der Krise!", erklärte der Generalsekretär der
Industriellenvereinigung (IV) Mag. Markus Beyrer heute, Mittwoch, bei
einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Dr. Wolfgang Eder,
Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG, dem Vorstandsvorsitzenden
der Rosenbauer International AG, KommR Julian Wagner, sowie DI
Gerhard Wölfel, CEO der BMW Motoren GmbH, und Dr. Herwig Schneider,
Geschäftsführer des Industriewissenschaftlichen Institutes (IWI) in
Wien.
Wie wichtig diese Unternehmen für den Industrie- und
Arbeitsstandort Österreich sind, konnten die Industriellenvereinigung
(IV) und das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) in den
vergangenen Jahren eindrucksvoll belegen. Diese Expertise liegt nun
auch zusammengefasst als Buch vor, welches IV-Generalsekretär Beyrer
bei der Pressekonferenz der Öffentlichkeit präsentierte. "Ein
Kernergebnis unserer zahlreichen Studien ist die Tatsache, dass
Leitbetriebe enorme Multiplikatoreffekte in verbundenen Klein- und
Mittelbetrieben (KMU) auslösen. So werden durch Leitbetriebe
durchschnittlich 2- bis 3-mal mehr an Produktion, Wertschöpfung und
Arbeitsplätzen in Österreich geschaffen und gesichert, als direkt in
den Leitbetrieben selbst entstehen", so Beyrer.
Gerade diese so wichtigen Leitbetriebe seien von den Auswirkungen
der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise aber ganz besonders
stark betroffen, so Beyrer. "Ich möchte daher ausdrücklich davor
warnen, die Krise 'klein zu reden' und sie schon jetzt 'abzusagen'.
Auch wenn die dramatische Abwärtsbewegung der letzten Monate nun
gestoppt scheint, dürfen wir nicht vergessen, dass damit nur eine
Stabilisierung der Industriekonjunktur auf niedrigstem Niveau
erreicht worden ist. Es wird viele Jahre dauern, um - wenn überhaupt
- auf den Stand von vor der Krise zurückzukehren!", sagte der
IV-Generalsekretär.
Leitbetriebe von der Krise besonders stark betroffen
Wie sehr internationale Leitbetriebe unter den Auswirkungen der
Krise leiden, zeigen nun erstmals die Ergebnisse einer aktuellen
Studie des IWI im Auftrag der IV im Detail auf. "97 Prozent unserer
Leitbetriebe sind mit teils stark negativen Auswirkungen auf ihre
Unternehmen konfrontiert. Sie sind dabei in einem noch
stärkeren Ausmaß betroffen, als bisherige Schätzungen befürchten
ließen: 42 Prozent der Leitbetriebe geben die Umsatzrückgänge im Jahr
2009 mit mehr als 20 Prozent an", so Beyrer.
Es gebe allerdings auch positive Nachrichten. Drei Viertel der
Großunternehmen halten auch in der Krise ihre F&E-Investitionen und
zwei Drittel die Zahl der KMU-Zulieferer konstant. Darüber hinaus
bestehe hohe Bereitschaft, insbesondere das F&E-Personal und die
Gruppe der Lehrlinge weiter im gleichen Ausmaß zu beschäftigen wie
bisher. Dennoch bleibe das Gesamtbild kritisch. "Wenn wir nicht alles
unternehmen, um unsere Leitbetriebe bei ihrem Kampf um jeden
Arbeitsplatz zu unterstützen, ist unsere gesamte Volkswirtschaft und
Gesellschaft davon betroffen. Allein durch die Probleme von 150
Leitbetrieben könnte ein volkswirtschaftlicher Schaden von fast 9
Mrd. Euro pro Jahr an direkter und indirekter Wertschöpfung
entstehen", erklärte der IV-Generalsekretär. Von raschem Aufschwung
sei nach den Einschätzungen der Leitbetriebe jedenfalls keine Spur,
so Beyrer. Die Unternehmen würden mit einem deutlichen Einbruch von
mehreren Jahren rechnen.
Der IV-Masterplan für Leitbetriebe
Wie wichtig die Unterstützung für Leitbetriebe gerade jetzt sei,
unterstrich Dr. Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine
AG. "Die enorme Bedeutung der internationalen Leitbetriebe für die
österreichische Volkswirtschaft ist unbestritten. So liegt allein die
Wertschöpfung der voestalpine in Österreich bei rund 4 Mrd. Euro -
und unter Berücksichtigung des Multiplikatoreneffektes beträgt die
Wertschöpfung ein Vielfaches davon. Die Politik hat bereits
unterstützende Maßnahmen gesetzt, welche von den Unternehmen
ausdrücklich begrüßt werden. Dennoch dürfen wir aufgrund der Dramatik
der gegenwärtigen Entwicklungen bei der Unterstützung von
Leitbetrieben keinesfalls nachlassen", so Eder, unter dessen Vorsitz
ein "Masterplan für Leitbetriebe" der IV-High-Level Group
Leitbetriebe entwickelt wurde. Dieser solle als Richtschnur für die
künftige Leitbetriebe-Politik in Österreich fungieren.
"Wir brauchen gerade jetzt ein international sichtbares
Maßnahmenpaket für Leitbetriebe, da viele internationale Unternehmen
ihre Standortentscheidungen im Lichte der Krise neu überdenken",
betonte Eder. In der Krise prioritär sei die Einrichtung einer
hochrangigen "Task Force Leitbetriebe" im Auftrag der
Bundesregierung. Jede standortpolitische Maßnahme müsse darauf
geprüft werden, wie sie sich auf Leitbetrieben auswirke
("LCU-Check"). Weitere Arbeitszeitflexibilisierung und eine
umfassende Bildungsreform müssten durch weitere Investitionen in
Forschung und Innovation ergänzt werden. "Auch wenn natürlich jetzt
kurzfristige Maßnahmen zur Konjunkturbelebung im Vordergrund stehen
und stehen müssen, dürfen wir gerade in der Krise auf
Zukunftsinvestitionen nicht vergessen", betonte Eder. Der Standort
brauche umgehend klare Signale zur Stärkung des Innovationsbereiches.
Die Anhebung der Forschungsprämie auf 12 Prozent müsse dabei so rasch
wie möglich erfolgen.
"Beste Köpfe und Hände" für innovative Unternehmen
Top-Priorität
KommR Julian Wagner, Vorstandsvorsitzende der Rosenbauer
International AG, erklärte, Rosenbauer sei als erfolgreicher
Technologie-Nischenplayer bisher weniger als andere Unternehmen von
der Wirtschaftskrise betroffen gewesen. "Dafür ist natürlich nicht
nur die hohe Innovationsorientierung des Unternehmens allein
verantwortlich. Wir sind zum überwiegenden Teil von Aufträgen des
öffentlichen Sektors abhängig und dem zufolge 'Spät-Zykliker'",
erklärte Wagner. Die bisherige Entwicklung gebe jedoch "keinen
Anlass, sich entspannt zurückzulehnen, im Gegenteil. Der Wettbewerb
wird international härter - und noch weiter verstärkt durch die
Krise." Um die internationale Konkurrenzfähigkeit des Standortes zu
erhalten, habe die Sicherstellung der "besten Köpfe und Hände" für
innovative Unternehmen wie Rosenbauer "Top-Priorität. Das
Bildungssystem insgesamt steht ebenso wie die qualifizierte
Zuwanderung vor dem Hintergrund heute mehr denn je auf dem Prüfstand.
Es eröffnet bei entsprechendem Engagement aber auch die größten
Chancen für wirtschaftlichen Erfolg und damit nachhaltigen Wohlstand
in Österreich", schloss Wagner.
Laut IWI-Studie sind Leitbetriebe der Bereiche Maschinen &
Metallwaren sowie des automotiven Sektors besonders stark von der
Krise betroffen, betonte auch DI Gerhard Wölfel, CEO der BMW Motoren
GmbH, die mit rund 120 Mio. Euro im Vorjahr fast ein Viertel der
F&E-Ausgaben aller 43 Leading Competence Units in Oberösterreich
tätigte. Gerade als Standort eines multinationalen Konzerns mit
übergreifenden, zentralen Funktionen sei man vermehrt am
"Radarschirm" der Konzernzentrale - "Wir befinden uns permanent auf
dem Prüfstand", so Wölfel. "Die BMW Group setzt auf den
Wirtschaftsstandort Österreich mit zwei wichtigen Kompetenzzentren in
Steyr, dem größten Motorenwerk des BMW-Konzerns - und das seit
nunmehr 30 Jahren." Dennoch müsse gerade jetzt die weitere
Flexibilisierung insgesamt energisch vorangetrieben werden, "um
Beschäftigung auch zukünftig abzusichern - nicht nur in den
Leitbetrieben selbst, sondern auch in den unzähligen
KMU-Zulieferbetrieben", betonte Wölfel. So habe man bei BMW gemeinsam
mit dem Betriebsrat immer wieder innovative Arbeitszeit-Modelle
gestaltet und damit eine Vorreiterrolle eingenommen. "Und warum
sollte uns das in Zukunft nicht auch weiterhin gelingen?"
Dr. Herwig Schneider, Leiter des Industriewissenschaftlichen
Instituts (IWI), erläuterte den Blickwinkel der Wirtschaftsforschung
auf internationale Leitbetriebe. "Wir meinen damit jene Unternehmen,
die als Headquarters oder als standortmobile Entscheidungszentralen
größerer, multinationaler Unternehmen in Österreich entscheidende
Rollen als Arbeitgeber, Kooperationspartner und Auftraggeber für KMU,
aber auch als Forschungs- und Entwicklungszentralen inne haben", so
Schneider. Im Hinblick auf ihre enge wirtschaftliche Vernetzung mit
KMU, könne man "durchaus von einer Schicksalsgemeinschaft zwischen
großen und kleinen Unternehmen sprechen, die in einer Art Symbiose
leben und gemeinsam wirtschaften", erklärte Schneider. Gerade aus der
Sicht der vielen KMU-Zulieferbetriebe werde die Zusammenarbeit mit
Leitbetrieben besonders geschätzt. Laut IWI-Studie wisse man, dass
die Zusammenarbeit mit Großunternehmen häufig die Umsätze und Gewinne
von KMU erhöhe, vielfach den Fortbestand der Unternehmenen sichere
und die kleineren Unternehmen konkurrenzfähiger mache. "Das Leitmotiv
des Standortes lautet demnach: Groß braucht Klein und Klein braucht
Groß. Eine integrale Standortpolitik zur Unterstützung von
Unternehmensnetzwerken wird daher gerade in der Krise immer
wichtiger!", erklärte Schneider abschließend.
"Von den Leitbetrieben hängt das Schicksal ganzer Regionen - mit
ihren KMU, ihren Beschäftigten und ihrer Kaufkraft ab", erklärte
Beyrer. Erfolgreiches Krisenmanagement, ein Ende des Abschwungs und -
in späterer Folge - ein Wiederaufschwung könne somit nur über die und
mit den heimischen Leitbetrieben stattfinden. "Dies rechtfertigt auch
spezielle Überlegungen für unsere Leitbetriebe - das wirkt sich
indirekt und positiv auch auf die verbundenen KMU aus, jedoch um bis
zu zweimal stärker!", so der IV-Generalsekretär.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Leitbetrieben in
Österreich (2008)
150 internationale Leitbetriebe stehen für:
- eine gesamtwirtschaftliche Produktion von 114 Mrd. Euro
(23 Prozent der Produktion Österreichs)
- eine gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung von 45 Mrd. Euro
(18 Prozent der Wertschöpfung Österreichs),
- 2,8 Mrd. Euro an F&E-Investitionen (37 Prozent der
F&E-Investitionen Österreichs)
- 10,6 Mrd. Euro an Investitionen (18 Prozent der Bruttoinvestitionen
Österreichs)
- 17 Mrd. Euro an Arbeitnehmerentgelten
(13 Prozent der gesamten Arbeitnehmerentgelte Österreichs)
- 8,8 Mrd. Euro an Arbeitnehmer-induzierten Abagen (Lohnsteuer,
FLAF/AFFB, Sozialbeiträge etc.)
Insgesamt 122.000 KMU-Zulieferfirmen leben und agieren in einer
Schicksalsgemeinschaft mit 150 Leitbetrieben. Diese Leitbetriebe
stehen damit für die Schaffung und Sicherung von insgesamt 540.000
Beschäftigungsverhältnissen in Österreich.
Rückfragehinweis:
IV-Newsroom
Tel.: (+43-1) 711 35-2306
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