- 27.09.2009, 19:12:49
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Prag: Papst gedenkt des Reformators Jan Hus
Christen sind zur Ökumene verpflichtet, um "Europa seine Wurzeln in Erinnerung zu rufen"
Prag, 27.09.2009 (KAP) Die Historikergespräche über den böhmischen
Reformator Jan Hus (um 1370-1415) waren nach Aussage von Papst
Benedikt XVI. vorbildhaft für die Heilung vergangener
Kirchenspaltungen. "Ich bete dafür, dass solche ökumenischen
Initiativen Frucht tragen, nicht nur im Bemühen um die Einheit der
Christen, sondern auch um das Wohl aller Europäer", sagte der Papst
bei einem Treffen mit Vertretern der anderen christlichen Kirchen am
Sonntag in Prag.
Benedikt XVI. verwies auf das internationale Hus-Symposion, das der
Vatikan 1999 veranstaltet hatte. Bei diesem Anlass hatte Johannes
Paul II. zum Auftakt des Heiligen Jahres 2000 um Vergebung für die
Leiden des Reformators und seiner Anhänger gebeten. Wörtlich sagte
Johannes Paul II. damals: "Heute, an der Schwelle zum Großen
Jubeljahr, fühle ich mich verpflichtet, mein tiefes Bedauern
auszusprechen für den grausamen Tod von Jan Hus und für die daraus
folgende Wunde". Jan Hus war 1415 während des Konstanzer Konzils
verurteilt und verbrannt worden.
Am Samstag hatten Demonstranten am Rande des Papstbesuchs in Prag
eine Rehabilitierung von Hus verlangt. Als Benedikt XVI. am Samstag
die Kirche Sancta Maria de Victoria verließ, war an der Fassade des
benachbarten Erziehungsministeriums ein Transparent mit der
tschechischen und lateinischen Forderung "Benedikt XVI.,
rehabilitiere Jan Hus" zu sehen. Die Kirche Sancta Maria de Victoria
erinnert an den Sieg der katholischen Liga über die protestantischen
böhmischen Stände in der Schlacht am Weißen Berg im Jahr 1620.
Gerechtigkeit, Freiheit, soziale Verantwortung
Die Christen sind nach Worten von Papst Benedikt XVI. zur Ökumene
verpflichtet, um "Europa seine Wurzeln in Erinnerung zu rufen". Ein
europäisches Verständnis von Gerechtigkeit, Freiheit und sozialer
Verantwortung sei vom christlichen Erbe geprägt, sagte der Papst am
Sonntag bei Begegnung mit den Repräsentanten der anderen
christlichen Kirchen in der Prager Burg. Nachdrücklich wandte sich
Benedikt XVI. gegen eine Verbannung des Christentums aus dem
öffentlichen Leben.
Er bete darum, dass ökumenische Initiativen Frucht bringen, auch mit
Blick auf das Wohl aller Europäer, sagte Benedikt XVI.: "Wenn Europa
die Geschichte des Christentums vernimmt, hört es seine eigene
Geschichte". Eine Rückbesinnung auf die christliche Vergangenheit
des Kontinents belebe auch dessen Erwartungen für die Zukunft. Nach
wie vor bildeten die christlichen Wurzeln die geistige und
moralische Grundlage für einen Dialog mit anderen Kulturen und
Religionen.
Besonders hob der Papst den Beitrag von Christen in sozialen und
ethischen Fragen hervor. Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen
Regime in Mittel- und Osteuropa seien es nicht zuletzt Christen
gewesen, die zum Aufbau eines gerechten politischen Gefüges
beigetragen hätten. "Sie stehen weiterhin im Dialog miteinander, um
neue Wege für gegenseitiges Verständnis, Mitwirkung am Frieden und
Förderung des Gemeinwohls zu bahnen", betonte der Papst.
Entschieden kritisierte Benedikt XVI. Versuche, den Einfluss des
Christentums im öffentlichen Leben zurückzudrängen. Dazu zählte er
eine "künstliche Trennung des Evangeliums vom intellektuellen und
öffentlichen Leben". Den Vorwurf einer schädlichen Wirkung der
christlichen Lehre auf die Gesellschaft wies er zurück. Das
Evangelium sei "keine Ideologie" und verfechte keine starren
sozialen oder politischen Modelle.
Christen müssten der Gesellschaft offen begegnen und das anerkennen,
was gut in ihr sei, so der Papst. Zugleich müssten sie aber auch den
Mut haben, die Menschen zu einer radikalen Umkehr einzuladen, die
sich aus einer Begegnung mit Christus ergebe. Das Evangelium nannte
Benedikt XVI. eine "unvergängliche Wahrheit", die den sozialen und
kulturellen Fortschritt des Kontinents geprägt habe und auch weiter
prägen werde.
(ende)
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