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"OÖ. Nachrichten"-Leitartikel: "Im Triumph nicht maßlos werden", von Gerald Mandlbauer
Ausgabe vom 28. 09. 2009
Linz (OTS) - Welche Überschrift passt am besten auf eine Wahl, die
alle politischen Koordinaten verschiebt, die seit 20 Jahren in diesem
Bundesland gegolten hatten? Erdrutsch, Marginalisierung der großen
Volkspartei SPÖ, ein Beben, das vom Kanzler nicht als lokales
Phänomen verniedlicht werden kann, ein Spaltpilz für die Große
Koalition? Es gäbe viele Etiketten, die passten. Ein Triumph
jedenfalls ist es für Josef Pühringer geworden, der die
Konservativen, die in Oberösterreich weiter links angesiedelt sind
als in den schwarzen Kernländern Tirol oder Vorarlberg, zu nicht
erwarteten Stimmenzuwächsen geführt hat und der sie wieder dorthin
bringt, wo sie bis 1997 gestanden sind. Von vielen seiner Wähler wird
Pühringer von heute an in eine Reihe mit den Parteiheroen Gleißner
und Ratzenböck gestellt werden. Gerechtfertigt. Er hat einen
Abwärtstrend der Volkspartei gedreht, während die Sozialdemokratie
ins Bodenlose stürzt.
Josef Pühringer teilt sich den gestrigen Erfolg, den er sich
sprichwörtlich in tausenden Arbeitsschritten erlaufen hat, mit
Michael Strugl, jenem Wahlkampfleiter, der die Ausrichtung des
gesamten Wahlkampfes auf die Person des Kandidaten geplant und
exekutiert hat. Letztlich war dies, neben einer Reihe anderer
Faktoren, das gewinnbringende Rezept.
Die Volkspartei darf jubilieren, wenn sie klug ist, tut sie es leise,
ohne darauf zu vergessen, dass gerade ein großer Wahlgewinner die
Hand nach allen Seiten ausstrecken wird müssen, um den Eindruck allzu
schwarzer Allmacht nicht gleich am ersten Tag entstehen zu lassen.
Josef Pühringer braucht keinen Partner zum Regieren. Die Volkspartei
hat eine Phase des innerparteilichen Atemholens vor sich, in der sie
die personelle Erneuerung beginnen kann. Josef Pühringer darf den
Zeitpunkt seines Abganges selbst bestimmen und er wird, wie sein
Vorgänger, seinen Nachfolger benennen, ob der nun Stelzer,
Mitterlehner oder anders heißen wird. Um das Jahr 2013 könnte es so
weit sein. Zugleich wird Pühringer wissen, dass die globalen
Turbulenzen, die das lokale Geschäft erschweren, nie größer gewesen
sind als jetzt. Darum wird er in dieser Stunde der Befriedigung gut
daran tun, das Miteinander zu betonen.
Es wird ihm nicht schwerfallen, denn sein lästiger Widersacher Erich
Haider, der ihn bis zuletzt mit seinen Methoden geärgert und damit
getrieben hat, wird bald politische Geschichte sein. So ist die
gestrige Stunde noch viel mehr die Stunde des Verlierers als jene des
Siegers. Die oberösterreichische Sozialdemokratie steht vor einem
Scherbenhaufen und mit ihr die Bundespartei, die hilflos vor sich hin
rudert und das Wahlergebnis nicht als oberösterreichischen
Betriebsunfall abtun kann. Gipfel der Erniedrigung: Josef Pröll muss
hoffen, dass sich die SPÖ mit Werner Faymann erfängt, sonst kracht
die Koalition in sich zusammen.
Eingestürzt hingegen ist das Kartenhaus der Landes-SP, deren
Vorsitzender gestern noch vom erwarteten Wahlsieg gesprochen hat.
Wenn sie nicht als auf dem Rückzug befindliche, verkrustete
politische Gruppierung, als eine ausschließliche
Pensionisten-Vertretung enden will, muss sie sich an Haupt und
Gliedern erneuern. Doch dabei werden Franz Dobusch und Johann
Kalliauer, die diesen neuen Kader erstellen werden müssen, mit der
Dürre im eigenen Nachwuchs zu kämpfen haben. Die SPÖ hat dieses
Nachwuchsproblem seit Jahren negiert. Dieser Mangel an Alternativen
hat Erich Haider nach oben gebracht, obwohl er keine politische
"Rampensau" für die Massen, kein Star für die Scheinwerfer und das
Fernsehen ist. Sein Wahlsieg 2003 hat ihm innerparteilich Halt
gegeben, aber er war auf einem einzigen Thema (der
"Anti-Schüssel-Politik") begründet.
Haiders deklariert linke und oft auch übertriebene Parolen haben sich
als wirkungslos erwiesen, am Ende des Tages wird er erleichtert sein,
dass er die Bürde seiner Funktion bald los sein wird. Er selbst hat
eine Rolle als harter Angreifer gespielt, die nicht seinem
eigentlichen Charakter entspricht.
Niemand kann der Absturz dieser SPÖ egal sein, da es angesichts der
Zuwächse im rechten Lager eine politische Mitte brauchen wird.
Schließlich ist die Rechte der zweite große Wahlgewinner, Manfred
Haimbuchner hat sein Gesellenstück geleistet, die FPÖ hat vor allem
bei Jungwählern die SPÖ abgeräumt. Und die Grünen? Wie immer!
Rückfragehinweis:
Oberösterreichische Nachrichten
Chef vom Dienst
Tel.: +43-732-7805-401, 434 od. 422
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