- 24.09.2009, 16:32:12
- /
- OTS0286 OTW0286
Neue Publikationsreihe: FIW Policy Briefs
Wien (OTS) - Das Kompetenzzentrum "Forschungsschwerpunkt
Internationale Wirtschaft" (FIW), das im Auftrag des
Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ) im
Rahmen der Internationalisierungsoffensive von drei Instituten (WIFO,
wiiw, WSR) betrieben wird und Zugang zu internationalen
Außenwirtschafts-Datenbanken, eine Forschungsplattform und
Informationen zu außenwirtschaftsrelevanten Themen bietet, startet
mit den "Policy Briefs" eine neue Publikationsreihe. In den Policy
Briefs werden nunmehr Experten und Expertinnen regelmäßig zu
aktuellen außenwirtschaftlichen Themen mit Politikrelevanz Stellung
nehmen. Dabei wird insbesondere auf die spezifische Situation
Österreichs eingegangen.
Der FIW Policy Brief Nr. 1 ist soeben unter folgendem Titel
erschienen:
Verstärkt die "Große Rezession" das Auseinanderdriften der
Wettbewerbsfähigkeit in der EU?
Gerade zum 10-Jahresjubiläum hatte die Wirtschafts- und
Währungsunion (WWU) angesichts der "Großen Rezession" 2009 ihre
Feuertaufe zu bestehen. Im Großen und Ganzen ist ihr das auch gut
gelungen. Die Einführung des Euro hat aber die latenten
Wettbewerbsschwächen einiger Mitgliedstaaten des Euro-Raumes - der
bisher größtenteils aus alten EU-Mitgliedstaaten besteht - offen
gelegt. Kurz nach den EU-Erweiterungen 2004 und 2007 haben Malta, die
Slowakei, Slowenien und Zypern den Euro eingeführt. Von den 27
Mitgliedstaaten der EU sind bereits 16 im Euro-Raum. In naher Zukunft
ist mit einer Vergrößerung des Euro-Raumes zu rechnen. Das anhaltende
Auseinanderdriften der Wettbewerbsfähigkeit zwischen den neuen und
den alten EU-Mitgliedstaaten könnte sich zu einem erheblichen Problem
für die Gestaltung einer einheitlichen Geldpolitik im erweiterten
Euro-Raum entwickeln.
Hier wird speziell die Problematik der unterschiedlichen
Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der erweiterten Union, gemessen an den
relativen Arbeitskosten beleuchtet und Schlussfolgerungen angesichts
der gegenwärtigen "Großen Rezession" gezogen.
Die Einführung des Euro entzog Ländern, die zuvor gerne ihre
Wettbewerbsschwäche durch rasche Abwertungen ihrer Währungen
kompensierten, diese Option. Diese Unsitte hat das ganze
Binnenmarktprojekt gefährdet und führte zur Schaffung der
Wirtschafts- und Währungsunion mit der Einführung des Euro. Die zuvor
als "Hartwährungsländer" apostrophierten Länder um den DM-Block
spielen seit 1999 tatsächlich ihre Wettbewerbsfähigkeit voll aus. Das
gilt insbesondere für Deutschland und Österreich, deren
Lohnstückkosten relativ zur Entwicklung in den Partnerländern des
Euro-Raumes-16 (dieser Indikator wird als realer effektiver
Wechselkurs bezeichnet) in den letzten 10 Jahren kumuliert um fast
16% bzw. um fast 7% sanken.
Dagegen sind die Lohnstückkosten in den letzten 10 Jahren in den
früher als "Weichwährungsländern" bezeichneten Ländern in der Regel
gestiegen und haben somit deren Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt.
Dies gilt insbesondere für Italien, Portugal und Spanien, deren
realer effektiver Wechselkurs (die relativen Lohnstückkosten)
kumuliert um 12%, 11% bzw. 12% gestiegen sind. Überraschend ist der
Anstieg in den Niederlanden um 9%, weniger überraschend die
Wettbewerbsverschlechterung in Irland um fast 17%.
Belgien Luxemburg, Finnland sowie Frankreich konnten ihre
Wettbewerbsfähigkeit seit 1999 in etwa stabilisieren. Von den vier
neuen Mitgliedern des Euro-Raumes seit der EU-Erweiterung 2004 haben
sich Malta und Slowenien mit einem kumulierten Anstieg der
Lohnstückkosten in der letzten Dekade von jeweils rund 4% gut
gehalten. Zypern wertete real um rund 10% ab, die Slowakei hat ihre
Wettbewerbsfähigkeit seit 1999 um kumuliert über 60% verschlechtert.
Die Länder, die noch nicht dem Euro-Raum angehören, entwickelten sich
sehr unterschiedlich. Von den drei Euro-outs der alten EU haben
Großbritannien ( 9%) und Schweden ( 7%) seit 1999 ihre
Wettbewerbsposition eindeutig verbessert, Dänemark seine aber stark
verschlechtert (+10%).
Die große Problematik des Auseinanderdriftens der
Wettbewerbsfähigkeit spielt sich in den neuen EU-Mitgliedstaaten ab,
die noch nicht Mitglieder des Euro-Raumes sind. Alle diese Staaten
haben seit 1999 massiv real aufgewertet und haben damit ihre
Wettbewerbsfähigkeit dramatisch verschlechtert.
Am geringsten war der kumulierte Aufwertungseffekt seit 1999 in
Polen (rund +11%). Extrem stark haben real aufgewertet: Rumänien
(+82%), Lettland (+79%), Tschechien (+71%), Estland (+68%), etwas
weniger Litauen (+55) und Ungarn (+51%). Bulgarien (+25%) wertete bis
2005 real ab und seit 2006 stark auf.
Am Ende ihres 10-jährigen Bestehens hat die Wirtschafts- und
Währungsunion (WWU) ihre Feuertaufe bestanden. Trotz der
komplizierten, asymmetrischen wirtschaftspolitischen Archi-tektur der
WWU haben die Institutionen während der internationalen Finanzkrise
gut und rasch zusammengearbeitet und versucht, durch ein möglichst
koordiniertes Vorgehen den Schaden für den Finanzsektor und die
Konjunktur abzufedern. Insbesondere die zentral von der EZB
gestaltete Geldpolitik hat vorbildlich gehandelt, die Zinsen rasch
gesenkt und dem Bankensektor in Europa genügend Liquidität zur
Verfügung gestellt.
Für manche Länder außerhalb des Euro-Raums hat die gemeinsame
Währung in der Krise an Attraktivität gewonnen. Island stellte nicht
zuletzt wegen der offensichtlichen Schutzschild-funktion des Euros im
Juli 2009 einen Antrag auf Mitgliedschaft in der EU.
Das anhaltende Auseinanderdriften der Wettbewerbsfähigkeit
zwischen den neuen und den alten EU-Mitgliedstaaten könnte sich zu
einem erheblichen Problem für den Zusammenhalt und die Adäquanz einer
einheitlichen Geldpolitik im erweiterten Euro-Raum entwickeln.
Die Analyse dieser Problematik zeigt, dass der Hauptgrund für das
Auseinanderklaffen der kostenmäßigen Wettbewerbsfähigkeit (gemessen
an den relativen Arbeitskosten) die Heterogenität der erweiterten
Union mit 27 Mitgliedstaaten ist. Solange die neuen Mitgliedstaaten
ihren Einkommensrückstand zu den alten nicht annähernd aufgeholt
haben und das kann noch lange dauern wird der Intra-EU-Handel
auch im einheitlichen Binnenmarkt noch maßgeblich durch die
Unterschiede in den Produktionskosten bestimmt werden. Die
gegenwärtige "Große Rezession", die sich ihrem Ende zuneigt, wird
diese Problematik eher noch verschärfen, weil sie den notwendigen
Aufholprozess der neuen EU-Mitgliedstaaten weiter verzögert.
Weitere Informationen sowie der gesamte FIW Policy Brief Nr. 1,
September 2009 können kostenlos von der FIW-Homepage heruntergeladen
werden: http://www.fiw.ac.at/index.php?id=462
Rückfragehinweis:
Univ.-Prof. Dr. Fritz Breuss, Tel. (01) 31336/4138, [email protected].
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO






