- 23.09.2009, 13:56:58
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Denkstatt: Klimaschutz ohne Atomkraft braucht Ökostromausbau
CO2-Bepreisung ohne Ökostromförderung führt zur Atomrenaissance
New York/Wien (OTS) - Denkstatt Energieexperte Erwin Mayer
verweist auf Analysen, die zeigen, dass es angesichts des sich
beschleunigenden Klimawandels erforderlich ist, dem Ausstoß von
Treibhausgasen, allen voran CO2, einen Preis zu geben. "Das ist der
effizienteste und marktwirtschaftliche Weg, unsere Volkswirtschaften
klimaverträglicher zu machen" betont der Klimaökonom. Wenn man
allerdings ausschließlich auf CO2-Steuern und Emissionshandel setzt,
dann droht der massive Ausbau der vordergründig CO2-freien
Atomenergie, befürchtet Mayer. Dies wurde von der österreichischen
Regierung bereits im Zuge der 20-20-20 Ziele erkannt. Es braucht
daher zusätzlich globale und verbindliche Ausbauziele für Erneuerbare
Energien und Energieeffizienz sowie geeignete Fördermechanismen um
die Atomrenaissance als Klimaschutzmaßnahme zu vermeiden. Speziell
das atomkritische Österreich mit über 10% Atomstromanteil hätte heute
im Parlament die Chance dem seit 2007 ins Stocken geratenen
Ökostromausbau mit einem neuen, ambitionierteren Ökostromgesetz neuen
Schwung zu verleihen.
Im internationalen Vergleich haben sich speziell die Fördersysteme
mit garantierten Einspeisetarifen, wie im deutschen EEG (Erneuerbaren
Energie Gesetz) durchgesetzt. Selbst die einstigen Vorreiter von
Quotensystemen, wie Großbritannien, wollen inzwischen fixe
Einspeisetarife in ihr Fördersystem übernehmen.
Einspeisetarifsysteme erwiesen sich als effizienter und
effektiver als Quotensysteme und Förderregime, die auf
Investitionsförderung basieren. Das haben auch Untersuchungen der
EU-Kommission, an denen die TU Wien (Prof. Haas) mitgearbeitet hat,
ergeben. In knapp 50 Staaten weltweit und in der Mehrheit der
europäischen Staaten (Deutschland, Spanien, Frankreich, Tschechien)
haben sich EEG-ähnliche Ökostromgesetze bewährt. In vielen dieser
Staaten gibt es auch weiterhin eine stromintensive Wirtschaft, weil
für diese Wirtschaftsbereiche Entlastungen bei der Finanzierung der
Ökostromförderung vorgesehen wurden. Zahlreiche Klagen von
Stromproduzenten in Deutschland und anschließende Überprüfungen durch
die europäische Gerichtsbarkeit und die Wettbewerbskommission haben
ergeben, dass das EEG auch mit den Wettbewerbs- und Subventionsregeln
übereinstimmt. EU-rechtliche Probleme wie mit der österreichischen
Regelung für die stromintensive Industrie, die über ein Jahr bei der
EU-Kommission anhängig war, gibt es mit dem deutschen EEG nicht.
"Es muss überlegt werden, wie der stromintensiven Wirtschaft beim
Umstieg auf erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz auch
finanziell geholfen werden kann anstatt sie nur von höheren
Strompreisen zu befreien und damit den Anreiz zur Energieeffizienz zu
reduzieren" regt Mayer eine Neuorientierung im Ökostromgesetz an.
Insgesamt liegt die durchschnittliche Belastung für die Stromkunden
im deutschen EEG bei ca. 3% des Strompreises oder 0,7 cent/kWh. "Ein
angesichts des Klimawandels und der Gefahr der Atomrenaissance
wahrscheinlich vertretbarer Preis, den die Mehrheit der
österreichischen Stromkunden wahrscheinlich auch zu akzeptieren
bereit wäre" schließt Mayer. Bisher zahlt der durchschnittliche
Haushalt 15 Euro Zählpunktpauschale oder umgerechnet 0,25% von 600
Euro bei einem jährlichen Stromverbrauch von 3500 kWh.
Rückfragehinweis:
Mag. Erwin Mayer, Denkstatt GmbH,
Hietzinger Hauptstr. 28, 1130 Wien,
Handy: 0664/270 04 41
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