- 21.09.2009, 09:15:48
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"Struwwelpeter"-Ausstellung in der Wiener Universitätsbibliothek
Bis 30. Oktober - Seltene Übersetzungen des mstrittenen "Klassikers" von Heinrich Hoffmann
Wien (OTS) - Über 600 Auflagen, um die 2000 Mal uminterpretiert
und weiter geschrieben ("Struwwelpetriaden"): Heinrich Hoffmanns
(1809 - 1894) für seinen dreijährigen Sohn verfasstes Bilderbuch
zählt bis heute zu den umstrittenen Bestsellern der
(Kinder)Literatur. Die übersichtlich gestaltete Ausstellung "Die
Kunstfiguren des Struwwelpeter" in der Universitätsbibliothek Wien
(Laufzeit: 30. Oktober) - Anlass ist der 200. Geburtstag von Hoffmann
- schildert den weitverzweigten Werdegang eines Buches, welches
seinen Autor stets überstrahlte. Eine ägyptische Version von 1895
lässt sich in den Stand- und Wandvitrinen ebenso finden, wie eine
englische Ausgabe, in der Hitler als Struwwelpeter auftritt. Die
erste Übersetzung passierte zwei Jahre nach der deutschen Erstausgabe
im Jahr 1847 ins dänische. Mark Twain lieferte eine frühe englische
Übersetzung. Das aus zehn Geschichten bestehende Buch -
"Hans-Guck-in-die-Luft", der "Zappelphilipp" oder "Der fliegende
Robert" sind ebenso sofort zitierbar wie der "Suppenkaspar" -
inspirierte ob seiner Drastik zu vielen Folgegeschichten, etwa in der
Figur der "Struwwelliese". Interessantes Detail: Die namensgebende
Figur, der Struwwelpeter, verfügt über keine eigene Geschichte. Von
den einen zur einschüchternden Mahnung in der Erziehung eingesetzt,
von anderen in den 1960er Jahren als "schwarze Pädagogik"
abgestempelt ("Der Anti-Struwelpeter") und in den Giftschrank
überkommener Erziehungsvorbilder gestellt, hat das Buch
nichtsdestoweniger bis heute überlebt.
Hoffmann selbst, bekannter Arzt in Frankfurt/M. mit anfänglicher
Sympathie für die demokratische Revolution von 1848, schrieb zwar
noch weitere Stücke, etwa "König Nussknacker und der arme Reinhold"
(1851) oder "Prinz Gründewald und Perlenfein mit ihrem lieben
Eselein" (1871), seine selbst erfundene Geschichte für seinen ersten
Sohn Carl Philipp im Jahr 1844 blieb Hoffmanns bedeutsamstes Werk.
Die gezeigten Bücher stammen einerseits aus den Beständen der
Universitätsbibliothek, zum anderen aus der Privatsammlung Ahrenhof.
Die Schau im Vorraum der Bibliothek verdankt sich einer
Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und
Jugendliteraturforschung., die im Präsens Verlag (www.praesens.at)
seit vielen Jahren eine entsprechende Zeitschrift namens "libri
liberorum" herausgibt. Leiter der Gesellschaft ist Ernst Seibert, der
selbst an der Universität lehrt und bereits oftmals zum Thema
Kinderliteratur publiziert hat ("Kinderbuchsammlungen. Das verborgene
Kulturerbe" zusammen mit Susanne Blumesberger: "Felix Salten. Der
unbekannte Bekannte" bzw. "Kinderliteratur als kulturelles
Gedächtnis"). Zur Ausstellung ist von Seibert auch ein Sonderheft zum
Thema mit umfangreichen Detailaufsätzen herausgegeben worden.
Neben der Schau, die während der Öffnungszeiten der Bibliothek
kostenlos zu besuchen ist, lädt eine Vortragsschiene zwischen 20. und
23. Oktober, noch zur inhaltlichen Vertiefung ein. Der Bogen spannt
sich von Hans Werner Sokop ("Der Weana Struwwelpeter - Übersetzen ein
Kinderspiel?"; 20.10., Beginn: 18.30 Uhr) bis zu Sylvia Zwettler-Otte
("Struwwelpeter auf der Couch"; Beginn: 18.30 Uhr) Ort ist der
Seminarraum der Bibliothek.
Infos dazu unter: www.biblio.at/oegkjlf (Schluss) hch
Rückfragehinweis:
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