- 18.09.2009, 10:22:13
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Caritas zur Pflege: Österreich noch nicht im dritten Jahrtausend angekommen
Küberl und Landau fordern Pflegegesamtkonzept und mehr Unterstützung für pflegende Angehörige
Wien (OTS) - "Menschen haben auch im Alter ein Recht auf ein
erfülltes, sicheres und aktives Leben. Pflege geht uns alle an",
betont Caritas-Präsident Franz Küberl anlässlich der
Caritas-Pflegekampagne 2009. Mit Informationsveranstaltungen, Tagen
der offenen Tür und einem "Pflegetag" am heutigen 18. September auf
dem Wiener Stephansplatz thematisiert die Caritas im September ein
Altern in Würde. Unterstützt wird die Kampagne von der Wiener
Städtischen Versicherung.
Obwohl die Bundesregierung im Pflegebereich wichtige Schritte gesetzt
hätte, fehle nach wie vor ein zukunftsfähiges Gesamtkonzept,
kritisieren Küberl und Michael Landau, Caritas-Direktor der
Erzdiözese Wien. Küberl: "Insgesamt gesehen sind wir im Pflegebereich
in Österreich noch lange nicht im dritten Jahrtausend angekommen. Was
fehlt, ist ein zukunftsfähiges Gesamtkonzept, eine Finanzierung, die
den Nachhaltigkeitstest besteht und flächendeckende Betreuungs- und
Pflegeangebote." So müsse etwa der im Regierungsprogramm
festgeschrieben Pflegefonds rasch geschaffen und gefüllt werden.
Daneben sei dringend ein Lückenschluss in den österreichweiten
Betreuungs- und Pflegeangeboten vonnöten.
Landau: "Ausbau der Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige
nötig"
Vor allem die pflegenden Angehörigen, immerhin der "größte
Pflegedienst Österreichs", brauche dringend Unterstützung, ist
Landau überzeugt: "Rund 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen
werden von Angehörigen gepflegt. Ein Ausbau vielseitiger, flexibler
und kostengünstiger Beratungs-, Unterstützungs- und
Entlastungsangebote zur Unterstützung der Angehörigen, speziell von
demenzkranken Menschen, ist dringend geboten." Handlungsbedarf ortet
Landau auch beim Pflegegeld: "Neben einer regelmäßigen Valorisierung
und einer zusätzlichen Verbesserung bei der Pflegegeldeinstufung von
demenzkranken Personen ist wichtig, dass künftig spezialisierte
FachärztInnen bzw. diplomierte Pflegepersonen die
Pflegegeldeinstufung vornehmen."
Im Mittelpunkt der Hilfe muss immer der unterstützte Mensch stehen,
ist der Caritas-Direktor überzeugt: "Betreuende und pflegende
Angehörige haben unterschiedliche Bedürfnisse und hier ist klar:
individuelle Bedürfnisse brauchen individuelle Lösungen."
Demenzexperte Wancata: "Zahl der Demenzkranken nimmt deutlich zu"
Besonders das Thema Demenz gewinnt im Bereich Betreuung und Pflege
zunehmend an Bedeutung. "Aufgrund der älter werdenden Bevölkerung
werden in den nächsten Jahren Demenzerkrankungen deutlich zunehmen,
von 90.500 im Jahr 2000 auf 262.300 im Jahr 2050", prognostiziert
Johannes Wancata, Demenzexperte am Wiener Allgemeinen Krankenhaus
(AKH) und nennt alarmierende Zahlen: "Zwei Drittel jener Menschen,
die demenzkranke Angehörigen pflegen, fühlen sich ausgebrannt, mehr
als die Hälfte ist selbst krank und ein Viertel hat mit finanziellen
Belastungen zu kämpfen."
Die Caritas trägt dieser Entwicklung mit maßgeschneiderten Angeboten
der mobilen Dienste aber auch in den Pflegehäusern Rechnung. Im
Pflegehaus St. Bernadette in Breitenfurt der Caritas der Erzdiözese
Wien bietet eine eigene Demenzstation den BewohnerInnen ein
spezielles Betreuungs- und Therapieangebot und einen geschützten
Gartenbereich. Angehörige von demenzkranken Menschen werden von der
Caritas mit Infoabenden, Angehörigenstammtischen und
Entlastungsangeboten wie Kurzzeitpflege unterstützt.
Küberl: "Demenz ist immer noch ein gesellschaftliches Tabu. Und Tabus
machen einsam und doppelt verzweifelt. Auch darum geht es uns in
unserer österreichweiten Kampagne: Das Thema Demenz aus der Tabuzone
zu holen."
Die breite Angebotspalette der Caritas im Bereich der Betreuung und
Pflege alter Menschen reicht von Beratung über Besuchsdienste,
Hauskrankenpflege, Unterstützung pflegender Angehöriger, betreubares
Wohnen bis hin zu Senioren - und Pflegehäusern und Hospizbegleitung.
Insgesamt sind bei der Caritas in diesem Bereich ¬österreichweit rund
4.600 MitarbeiterInnen tätig, über 1.200 davon allein in Wien.
Rückfragehinweis:
Mag. Silke Ruprechtsberger, Caritas Österreich Tel: 01/488 31 417 oder: 0664/82 66 909 Mag.(FH) Klaus Schwertner, Caritas Erzdiözese Wien Tel. 01/87812 221 oder: 0664/848 26 18
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