- 18.09.2009, 09:22:21
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Theodor Kramer: Halbvergessener Dichter der Zwischenkriegszeit (2)
Wien (OTS) - Nationalsozialismus, aber auch bereits der
Ständestaat bereiteten dem blühenden österreichischen
Literaturbetrieb nach 1918 ein abruptes Ende. Unzählige
Schriftstellerinnen und Schriftsteller mussten das Land verlassen
oder wurden mit Publikationsverboten drangsaliert. Unmittelbar nach
1945 gab es bis auf einige wenige beherzte "Rückholversuche", etwa
vom seinerzeitigen Wiener Kulturstadtrat Victor Matejka, kaum
Ambitionen, die in Schweden, England, der Schweiz, Argentinien,
Palästina, Südamerika oder in China lebenden Literaten wieder ins
Land zu bitten. Doderer und die Sprachexperimente rund um Oswald
Wiener prägten maßgeblich die Literatur nach 1945, für die Zeit
"davor" etablierte sich ein Kanon an Spitzen-Schriftstellern mit
Schwerpunkt Fin de Siecle. Im Literaturbetrieb waren die vertriebenen
Autoren, zu denen u.a. Hermynia Zur Mühlen, Berthold Viertel, Albert
Drach, Hans Lebert, Rose Ausländer oder Erich Fried zählten, lange
vergessen. Auch Theodor Kramer, ebenso wie Jura Soyfer, dessen 70.
Todestag dieser Tage gedacht wird, gehörten zu diesem "blühenden
Literaturbetrieb" der Zwischenkriegszeit.
Als Sohn eines Landarztes wurde Theodor Kramer in
Niederhollabrunn im Weinviertel im Jahr 1897 geboren. Diesem
Landstrich blieb er zeit seines dichterischen Schaffens immer
verbunden. Erste Dichtungen entstanden in der Wiener Schulzeit. 1915
wird Kramer in den Kriegsdienst einberufen, wo er 1916 schwer
verwundet wird. Mangelnde Geldmittel verhindern ein Beenden des
Studiums, zwischen 1919 und 1931 arbeitet er als Beamter,
Angestellter und Geschäftsführer und Verlagsvertreter. 1928 erscheint
im Frankfurter Verlag Rütten & Loening sein erster Gedichtband "Die
Gaunerzinke", der sehr positiv aufgenommen wurde. Bis 1933 werden
viele seiner Landschafts-, aber auch sozialkritischen Gedichte in
Zeitungen und Zeitschriften gedruckt. In Wien und anderswo tritt er
in zahlreichen Lesungen auf. 1936, ein Jahr nach dem Tod seines
Vaters, erscheint "Mit der Ziehharmonika". 1938 erleidet er einen
Nervenzusammenbruch. 1939 gelingt ihm nach Intervention von Thomas
Mann die Flucht nach England, während die Nazis seine Werke auf die
"Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums" setzen. In
England wird er als "feindlicher Ausländer" mehrere Monate
interniert. Seine bedrängte Lebenssituation bleibt aufrecht: Er
arbeitet als Diener und war auf Almosen angewiesen. Erst mit 46
Jahren wird Kramer als Bibliothekar angestellt. "Verbannt aus
Österreich. Neue Gedichte" schreibt er 1943, im Exil nimmt er an
diversen P.E.N.-Kongressen teil. Drei Jahre später erscheinen "Wien
1938/Die Grünen Kader" und "Die untere Schenke". 1951 erwirbt Kramer
die britische Staatsbürgerschaft. Erst 1957 gelingt es Freunden von
Kramer mithilfe einer Ehrenpension den Lyriker nach Österreich zu
holen. Diese konnte er aber nur drei Monate in Anspruch nehmen.
Kramer liegt am Zentralfriedhof in Wien begraben.
In Korrespondenz stand er damals eng mit Hilde Spiel, Michael
Guttenbrunner, Harry Zohn und Erwin Chojka, der bis heute den
Nachlass des 1958 gestorbenen Dichters verwaltet und langjährig der
1984 gegründeten Theodor-Kramer-Gesellschaft vorstand. Insgesamt
12.000 Gedichte umfassen Kramers Werk, 2000 davon sind bisher in
mehreren Werken, etwa im Europa Verlag oder im Zsolnay Verlag neu
aufgelegt worden. 1993 publizierte die Literaturkritikerin und
Germanistin Daniela Strigl die grundlegende Biographie über Kramer:
"Wo niemand zuhaus ist, dort bin ich zuhaus." Theodor Kramer -
Heimatdichter und Sozialdemokrat zwischen den Fronten."
o Infos auch unter: www.theodorkramer.at
(Schluss) hch
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Mag. Hans-Christian Heintschel
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