- 18.09.2009, 09:17:47
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Theodor Kramer-Gesellschaft feiert 25 Jahre mit Symposium (1)
Finanznöte im Jubiläumsjahr - Wichtiger Impulsgeber zur Aufarbeitung der Exil-Literatur - Symposium in der Alten Schmiede
Wien (OTS) - Ein "antifaschistischer Lese- und Arbeitskreis" in
den 70er Jahren steht auf der wissenschaftlich-intellektuellen
Geburtsurkunde der Theodor Kramer-Gesellschaft (TKG), die Mitte
September in der Alten Schmiede mit dem Symposium "Subjekt des
Erinnerns?" ihr 25-Jahr-Bestehen feiert. Anfang der 70er Jahre war
Theodor Kramer (1897-1958) weitestgehend in Vergessenheit geraten.
1977 erinnerte der Schauspieler Otto Tausig an Jura Soyfer und
Kramer, 1979 gab es von der bekannten Polit-Songgruppe
"Schmetterlinge" einen Abend an der Uni Wien, wo erstmals auch
Kramer-Gedichte vertont aufgeführt wurden. Wichtig war das Jahr 1983,
als im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW)
eine Ausstellung für Kramer, anlässlich dessen 25jährigen Todestages
gezeigt wurde. Die Eröffnungsrede hielt der damalige Bundeskanzler
Bruno Kreisky, der bereits in den 50er Jahren mit Victor Matejka und
Hilde Spiel ins Exil gegangene Künstler zurückholen wollte. Mit
bescheidenem Erfolg, da "für viele die Exil-Künstler unerwünscht
waren", erzählt Vorstandsmitglied Herbert Staud von der
TKG-Gesellschaft. Für die Gesellschaft war die Schau hingegen
günstig: Im Jahr darauf, 1984, wurde sie offiziell ins Leben
gerufen.****
"Nomen est omen" gilt bei der Gesellschaft, in der u.a.
Konstantin Kaiser, Herbert Staud, Siglinde Bolbecher und Eva Schobel
maßgeblich die Exilforschung der österreichischen Literatur
vorangetrieben haben, nur bedingt: Nachdem im heute nicht mehr
existierenden Europa-Verlag eine weithin beachtete 3-Bände-Ausgabe
des für die Zwischenkriegszeit maßgeblichen Lyrikers erschienen war,
wandte sich die Gesellschaft der wenig erforschten österreichischen
Exil-Literatur zu. Mittels der vierteljährlich erscheinenden
Literaturzeitschrift "Zwischenwelt" (ehemals: "Mit der
Ziehharmonika") lassen sich bis heute der Fleiß und die Erfolge
dieser "geistigen Zurückholung" nachvollziehen. Eine Arbeit "nicht
nur auf dem Papier", wie Staud betont: Ausstellungen, Symposien,
unzählige Lesungen, Archivaufbau, aber auch Sonderhefte, Jahrbücher,
wissenschaftliche Internet-Projekte, etwa mit der Universität
Salzburg (www.literaturepochen.at/exil), gehörten in der
Vergangenheit zu den Leistungen der Gesellschaft, die heute etwa 450
Mitglieder umfasst. Unterstützung findet die Gesellschaft, in der der
Schriftsteller Vladimir Vertlib den Kassier abgibt - derzeitiger
Präsident ist der Germanistik-Professor Karl Müller von der
Universität Salzburg -, durch die Stadt Wien, das Land
Niederösterreich, Projektförderungen kommen hinzu. Nichtsdestoweniger
mangelt es den Literaturforschern an Budget, da viele Subventionen
nicht valorisiert werden. Mit den dazu gekommenen Institutionen, etwa
Exilforschung in der Nationalbibliothek oder im Wiener Literaturhaus
verbindet die Kramer-Gruppe ein "gutes Patchwork ähnliches
Verhältnis" (Staud). Die Gründung einer auch Musik und Malerei
thematisierenden Dachorganisation, nämlich der Österreichischen
Gesellschaft für Exilforschung (ÖGE) ist erst vor kurzem passiert.
Seit 2001 vergibt die Gesellschaft jährlich auch den
Theodor-Kramer-Preis. Zu den Preisträgern zählen u.a. Michael
Guttenbrunner (2004) und Jakov Lind (2007). Heuer ging der Preis an
Ilana Shmueli und Josef Burg.
Laut Staud, der universitär, aber auch als AHS-Lehrer in Wien
arbeitet, gibt es bei der jungen Generation "genügend Köpfe, die sich
für das Thema interessieren." Diesen neuen Ansätzen, aber auch
denjenigen Interessen, die damals vor 25 Jahren Pate standen, geht
nun das umfangreich besetzte Literatursymposium in der Alten Schmiede
("Subjekt des Erinnerns?") nach. Weiteres Thema der Forscher ist die
Frage nach dem zukünftigen Umgang mit Exil, Flucht und Emigration
während des Faschismus und des Nationalsozialismus angesichts immer
weniger Zeitzeugen. Große Pläne für die Zukunft könne man aktuell
nicht machen. "Dazu fehlt es uns schlichtweg an Geldmitteln",
konstatiert Staud, der schon froh ist, dass das Symposium, an dem
u.a. Hans Haider, Stefan Keller, Friedrich Stadler, Ruth Beckermann
und Gerhard Scheit teilnehmen, stattfinden kann.
Symposium "Subjekt des Erinnerns?", 25. und 26. September, Ort:
Alte Schmiede (1., Schönlaterngasse 9), Freitag: 14.00 bis 18.00 Uhr,
Samstag 10.00 bis 17.00 Uhr, Eintritt ist frei, Infos:
www.theodorkramer.at ; www.alte-schmiede.at ; www.exilforschung.ac.at
(Schluss) hch/
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