• 17.09.2009, 18:06:04
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DER STANDARD-Kommentar "Zum Umverteilen verurteilt"

von Günther Oswald

Wien (OTS) - In Zeiten steigender Arbeitslosigkeit ist man über
jede positive Nachricht froh. Die Umverteilung zwischen Hoch- und
Niedrigverdienern funktioniert in Österreich einigermaßen, zeigt eine
aktuelle Wifo-Studie. Das ist erfreulich. Bei den Ärmsten machen die
staatlichen Hilfsleistungen sogar mehr als 80 Prozent des
Gesamteinkommens aus. Beeindruckend eigentlich.
Man könnte die Medaille aber auch von der anderen Seite betrachten.
Viele Menschen verdienen so wenig, dass sie ohne den Staat gar nicht
überleben können. Jetzt, in Zeiten der Krise, üppige Lohnabschlüsse
zu fordern, ist illusorisch. Aber es zeigt sich, dass die
Arbeitnehmer in den guten Zeiten zu wenig vom Kuchen abbekommen
haben. Seit Jahren wird beispielsweise über eine Forcierung von
Modellen zur Mitarbeiterbeteiligung diskutiert. Passiert ist bisher
nichts. Auch im aktuellen Regierungsprogramm findet sich das
Vorhaben. Bleibt abzuwarten, ob dieses Mal etwas geschieht.
Und noch etwas zeigt sich: Zum Teil gehen die Einkommenseinbußen auf
die steigende Zahl von atypisch Beschäftigten zurück (also Teilzeit,
geringfügig Beschäftigte, neue Selbstständige etc.). Keine Frage: Bei
der sozialrechtlichen Absicherung dieser Mitarbeiter ist viel
passiert - Stichwort Arbeitslosenversicherung. Es bleibt aber noch
einiges zu tun: Viele Teilzeitbeschäftigte wollen gar nicht Teilzeit
arbeiten. Berufseinsteiger müssen oft jahrelang warten, bis sie
angestellt werden, oder werden mit Praktika abgespeist. Gelingt es,
die Bedürfnisse der Arbeitnehmer an die Arbeitsrealität anzupassen,
bräuchten viele den Sozialstaat gar nicht.

Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445

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