- 16.09.2009, 16:06:11
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"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: Manager sind nicht jeden Preis wert"
Für 21 Millionen Arbeitslose in Europa sind Manager-Gagen unverständlich.
Wien (OTS) - Beim heutigen EU-Sondergipfel, der sich auf die
künftige Welt-Finanzmarktkontrolle vorbereitet, wird es auch um die
Begrenzung von Manager-Bezügen gehen. Das löst zwar nicht das
Problem, wie künftige Krisen bewältigt werden können, ein lohnendes
Thema ist es allemal. Die Vorschläge des wiedergewählten
Kommissionspräsidenten Barroso entsprechen dabei nicht dem von ihm
zitierten "solidarischen Europa". Millionen-Abfertigungen und
Bonus-Zahlungen in astronomischen Höhen sind für die vielen
Arbeitslosen in Europa nicht unbedingt vertrauensbildend. Auf der
anderen Seite sind auf erfolgsabhängige Gehaltsbestandteile ein
Instrument, um Manager anzuspornen. Sie einfach abzuschaffen, wäre
Unsinn.
Die Frage lautet aber: Was ist Erfolg? Eine Fabrik zu schließen
und mit dem eingesparten Geld den Unternehmensgewinn zu erhöhen, mag
für Aktionäre ein Erfolg sein, für die Beschäftigten sicher nicht.
Mit spekulativen Geschäften kurzfristig Profit zu machen, mag eine
Bonuszahlung ans Management auslösen, aber ein nachhaltiger Erfolg
ist das nicht.
Dazu kommt, dass das Risiko für Manager bisher recht überschaubar
war: Erfolglose Manager werden mit hohen Abfertigungen aus ihrem
Amt entfernt. Von Rückzahlungen hat man bisher nichts gehört.
Solche Zahlungen an die leitenden Mitarbeiter eines Unternehmens
sind bisher fast ausschließlich den Erfolg für Aktionäre gekoppelt.
Ob dabei die Umwelt geschädigt, sichere Arbeitsplätze vernichtet,
oder die Welt in eine Krise gestürzt wird, interessierte bisher
niemand. Und die jüngste Entwicklung etwa in der Londoner City
zeigen, dass es bereits wieder fröhlich losgeht.
Die Manager-Bezüge in absoluten Zahlen nach oben zu begrenzen, mag
schwierig sein. Aber ist der Chef der Deutschen Bank tatsächlich 14
Millionen Euro jährlich wert? Nein. Also sollte es wohl irgend etwas
geben müssen, um exzessive Gagen zu verhindern.
Eine Möglichkeit wäre also - wie ohnehin diskutiert wird -
Bonuszahlungen auf nachhaltige Erfolge abzustellen. Manager bekommen
in der Regel einen 5-Jahres-Vertrag. Was spricht dagegen, wenn erst
nach fünf Jahren das Tun eines General- oder Vorstandsdirektors unter
die Lupe genommen wird und dann ein Bonus ausgeschüttet wird? Oder
etwa andere Dinge belohnt werden, als relativ einfallslos linear
Kosten zu kürzen? Die Schaffung von Arbeitsplätzen etwa.
Die Gier nach den hohen Prämien hat die Finanzkrise mit ausgelöst:
Manager, Banker, Händler haben versucht, möglichst hohen Profit zu
machen, um selbst möglichst viel zu verdienen. Dieses System krachte
zusammen, und kostet die Steuerzahler weltweit einen vierstelligen
Milliarden-Betrag.
Zum wirtschaftlichen Handeln gehört Risiko, und die richtige
Einschätzung eines Risikos kann auch belohnt werden. Aber derzeit
trägt der Steuerzahler das Risiko, die Manager dagegen tragen
Maßanzüge.
Rückfragehinweis:
KURIER, Ressort Wirtschaft
Tel.: 0043-1/52100-2638
mailto:[email protected]
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