- 09.09.2009, 12:31:26
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FEEI/FV UBIT: Realisierung von eHealth in Österreich ist in weiter Ferne
Fehlendes Dachmanagement kostet Geld und Arbeitsplätze / Wirtschaft fordert Integration als Gesprächspartner auf Augenhöhe
Wien (OTS) - Nach fast zweijährigem Stillstand soll wieder
Bewegung in den Ausbau von eHealth-Anwendungen in Österreich kommen.
In einem ersten Schritt ist der Aufbau wesentlicher
Infrastrukturelemente geplant. Die eMedikationsdatenbank soll
schließlich als erste sektorenübergreifende eHealth-Anwendung bis
2011 flächendeckend umgesetzt werden. Nach Meinung der betroffenen
Wirtschaftszweige ein unter den derzeitigen Rahmenbedingungen
unrealistisches Vorhaben. "Der Aufbau von eHealth in Österreich
scheitert seit mittlerweile fünf Jahren an einem fehlenden
Dachmanagement mit den notwendigen Kompetenzen und an der
mangelhaften Vernetzung der verschiedenen Stakeholder. Wenn wir an
der Prozessstruktur nichts ändern, werden wir auch in den nächsten
Jahren keine flächendeckenden Realisierungen haben", kritisieren
Manfred Müllner, Geschäftsführer-Stv. des FEEI - Fachverband der
Elektro- und Elektronikindustrie und Wilfried Seyruck, Obmann-Stv.
des Fachverbandes Unternehmensberatung und Informationstechnologie
(UBIT). Darüber hinaus ist es nach Meinung beider Branchenvertreter
inakzeptabel, dass die Wirtschaft als Technologieanbieter nicht als
gleichberechtigter Partner in den eHealth-Prozess einbezogen ist. Die
Unternehmen investierten seit 2005 in die Entwicklung von Anwendungen
und sind daher aufgrund ihres technischen Know-hows und ihrer
Lösungskompetenz unverzichtbare Experten. Trotzdem wird das hier zur
Verfügung stehende Wissen bis dato nicht wirklich - und wenn dann nur
auf der Basis ehrenamtlicher Mitarbeit in Projektgruppen - in Form
von Anwendungen umgesetzt. Seyruck weist in diesem Zusammenhang
darauf hin, dass "beispielsweise seit Jahren Lösungen von privaten
Gesundheitsdiensteanbietern im Bereich der elektronischen
Gesundheitsakte bestehen. Diese funktionierenden Lösungen müssen über
offene Standards in ein Gesamtsystem eingebunden werden. Nur damit
kann sowohl für die Ärzte als Nutzer der Systeme als auch für die
privaten Softwareanbieter Investitionsschutz erreicht werden und die
Umsetzung von eHealth an Geschwindigkeit gewinnen."
Wirtschaft fordert Gesellschaftersitz in neuer ELGA GmbH
"Das Beispiel eMedikation zeigt deutlich, dass noch immer
Anwendungen bis ins kleinste Detail politisch gestaltet werden,
anstatt nur Funktionalitäten zu definieren, anhand derer dann von den
Technologieanbietern eine passende Lösung erarbeitet wird. Dieses
Vorgehen ist extrem ineffizient. Es dauert Jahre, bis Details
festgelegt sind und am Ende werden hausinterne IT-Dienstleister mit
der Umsetzung bevorzugt, die über Trägerorganisationen in den
politischen Prozess integriert sind.", bemängelt Müllner. Daher
bleibt zu befürchten, dass sich der Aufbau einer integrierten
Versorgung weiter verzögert und neben den vielen Millionen, die bis
jetzt von der Wirtschaft in eHealth Entwicklungen investiert wurden,
auch Arbeitsplätze in für Österreich technologisch wichtigen
Bereichen verloren gehen. Denn laut einer aktuellen Roland Berger
Studie hat eHealth ein hohes Wachstumspotential. Unter passenden
Rahmenbedingungen ist ab 2010 eine Marktsteigerung von 11% pro Jahr
möglich (von 24,6 Mrd. Euro 2010 auf 37,6 Mrd. Euro 2014). Konkret
fordern die Branchenvertreter daher einerseits eine Dachorganisation,
die mit ausreichenden Finanzmitteln und Kompetenzen ausgestattet ist
und den Prozess sowie alle Anwender koordinieren soll. Andererseits
geht es vor allem um die aktive und gleichberechtigte Rolle der
Unternehmen im vorwettbewerblichen Umfeld. "Die naheliegendste Lösung
ist für uns die Teilnahme der Wirtschaft an der neuen ELGA GmbH, die
als Nachfolgerin der ARGE ELGA im Herbst 2009 gegründet wird, z.B.
als Gesellschafter", sind sich Müllner und Seyruck einig. Dass ein
Miteinander von Politik und Wirtschaft bei komplexen
Technologieprojekten nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist,
zeigen internationale Beispiele wie das Projektbüro eGesundheit.nrw
in Nordrhein-Westfahlen.
Verzögerung bei eMedikation verhindert Einsparungen von 150 Mio. Euro
pro Jahr
Müllner sieht sich in seiner Kritik unter anderem durch die
aktuellen Entwicklungen rund um das Thema eMedikation bestätigt. Nach
einem erfolgreichen Pilotversuch ("Arzneimittelsicherheitsgurt") in
Salzburg im Jahr 2007 hätte der österreichweite Rollout einer
eMedikationsdatenbank bereits Ende 2008 erfolgen können. Was jedoch
folgte, war ein politisch motivierter Projektstopp bis Mai 2009. Das
Projekt liegt seither in der Verantwortung des Hauptverbandes der
Sozialversicherungsträger. Für die Wirtschaft ist dieses Vorgehen in
keinster Weise nachvollziehbar. "Dank der Eigeninitiative der
Unternehmen während des Projektstopps sind die für eine erfolgreiche
Realisierung erforderlichen Technologien mittlerweile längst
entwickelt und verfügbar. Trotzdem wird das Projekt vom Hauptverband
jetzt neu aufgerollt. Es wurde ein eigener Lenkungsausschuss
eingesetzt, der die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen
klären soll. Wir beginnen also wieder von Null. Alarmierend an diesem
Vorgehen ist, dass kein Vertreter der Wirtschaft in diesem Prozess
vertreten ist, eine Expertise der technischen Lösungsanbieter daher
nicht möglich, vielleicht auch nicht erwünscht ist", kritisiert
Müllner den Hauptverband.
Selbst ein in Wien bereits zwischen der Ärzte- und Apothekekammer
sowie der pharmazeutischen Gehaltskasse vereinbartes Pilotprojekt
liegt derzeit auf Eis, solange bis man sich laut Hauptverband über
alle "standespolitischen Fragen" einig sei. Diese Verzögerungen
kosten laut Seyruck bares Geld. Einerseits liegen die bereits von den
Unternehmen getätigten Investitionen in Millionenhöhe brach.
Anderseits könnten jährlich durch eine flächendeckende eMedikation
150 Mio. Euro im österreichischen Gesundheitswesen eingespart werden
bzw. für andere notwendige zusätzliche Aufgaben verwendet werden.
Darüber hinaus hat eine Hochrechnung nach der erfolgreichen
Durchführung in Salzburg ergeben, dass dank dieser eHealth-Anwendung
die Rettung von mehr als 1.000 Menschenleben pro Jahr möglich wäre.
Vorgehen bei eHealth-Pilotprojekten konterkariert sektorübergreifende
Lösungen
Zweiter aktueller Anlass sind die geplanten Pilotierungen bei den
ersten eHealth Kernanwendungen Entlassungsinformation, Laborbebefund
und Röntgenbefund. In 20-monatiger Arbeit hat die Wirtschaft
gemeinsam mit allen anderen relevanten Stakeholdern an den
Umsetzungsleitfäden für die sogenannte Clinical Document Architecture
(CDA) als kostenlose Vorrausleistung für in Zukunft zu erwartende
Aufträge gearbeitet. Allerdings wurden ausschließlich die
Krankenanstalten von der Bundesgesundheitskommission zur Durchführung
von Pilotprojekten eingeladen. "Dieses Vorgehen hat nichts mit der
Errichtung einer integrierenden eHealth-Architektur zu tun. Vielmehr
werden die individuellen Umsetzungen der einzelnen
Trägerorganisationen forciert. Das bringt weder positive Effizienz-
noch Kosteneffekte. Der Aufbau einer integrierten
Gesundheitsversorgung wird nur gelingen, wenn alle Stakeholder
einbezogen werden. Das gilt für die Unternehmen als
Technologieanbieter ebenso wie für die Gesundheitsdiensteanbieter als
Anwender", fordert Seyruck. Die von der Wirtschaft angebotenen
Anwendungen basieren bereits seit langem auf international
anerkannten Standards und stellen damit den uneingeschränkten
systemübergreifenden Datenaustausch sicher. Wie wichtig das Vermeiden
von Insellösungen ist, hat das Gesundheitsministerium mit seiner
Unterstützung des Vereins IHE-Austria, in dem alle wesentlichen
Anbieter vertreten sind, sehr gut erkannt. Daher appelliert Seyruck
abschließend an die Politik alle Stakeholder in den gesamten Prozess
der Umsetzung von eHealth miteinzubeziehen.
Über den FEEI
Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie vertritt in
Österreich die Interessen von 285 Unternehmen mit mehr als 60.000
Beschäftigten und einem Produktionswert von 11,8 Milliarden Euro
(Stand 2008). Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern - dazu gehören u.
a. die Fachhochschule Technikum Wien, das Forum Mobilkommunikation
(FMK), ICT Austria, das UFH, das Umweltforum Starterbatterien (UFS),
der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) und der Verband
der Bahnindustrie (bahnindustrie.at) - ist es das oberstes Ziel des
FEEI, die Position der österreichischen Elektro- und
Elektronikindustrie im weltweit geführten Standortwettbewerb zu
stärken. Weitere Informationen und Pressemeldungen sowie Bildmaterial
finden Sie unter http://www.feei.at/presse/.
Über UBIT
Mit über 49.000 Mitgliedern ist der Fachverband
Unternehmensberatung IT (UBIT) der zweitgrößte Fachverband der
Wirtschaftskammer Österreich. Er nimmt die Interessen der Unternehmer
und Unternehmerinnen folgender Berufsgruppen wahr:
Unternehmensberatung, Informationstechnologie und
Telekom-Dienstleistung sowie Berufe des Rechnungswesens
(Bilanzbuchhaltung, Selbstständige und Gewerbliche Buchhaltung). Ziel
ist es, berufsrelevante Rahmenbedingungen für die AnbieterInnen
wissensbasierter Dienstleistungen zu optimieren und dem Markt die
Leistungen der Berufsgruppen zu kommunizieren. Informationen finden
Sie unter http://www.ubit.at .
Rückfragehinweis:
FEEI Kommunikation
Mag. (FH) Kathrin Mück-Puelacher
T: 01 588 39 29
M: 0664 619 25 08
E: [email protected]
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