- 04.09.2009, 09:59:48
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Die Deserteure waren die eigentlichen humanistischen "Pflichterfüller"
IKG befremdet über Vergleich mit demokratischen Rechtsordnungen
Wien (OTS) - Nicht die Soldaten, sondern die Deserteure haben mit
ihrer Weigerung für ein verbrecherisches Regime in den Krieg zu
ziehen, eine humanistische Pflicht erfüllt. Ihnen gebührt Hochachtung
in jeder Beziehung.
Es ist der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), im Zusammenhang mit
der derzeitigen Diskussion über die Aufhebung von NS-Urteilen wegen
Desertion vollkommen unverständlich, wie Desertion von der Wehrmacht
eines Unrechtsregimes, mit solch einem Tatbestand in demokratischen
Rechtsordnungen in Beziehung gesetzt werden kann.
Die verunglückte Diskussion auf politischer Ebene zeigt vielmehr,
dass in der österreichischen Gesellschaft es nach wie vor vermieden
wird, klar Stellung zu beziehen, auf welcher Seite im 2. Weltkrieg
Unrecht und Recht waren. Wobei das demokratische Österreich heute
jedenfalls auf der Seite des Rechts stehen sollte.
Aus dem Österreich als "Erstem Opfer" - wobei auf die wirklichen
Opfer der ersten Stunde - die Juden - lange vergessen wurde,
entstand das Österreich der "Opfer und Täter".
War Österreich das erste Opfer, wäre Desertion aus einer Armee der
Besetzer eigentlich patriotische Pflichterfüllung gewesen. Doch nein,
bald wurden die Kameradschaftsbünde der Wehrmachtveteranen, die
lediglich ihre "Pflicht" getan hatten, zu den "Opfervertretern". Die
Feststellung, dass das demokratische Österreich jedenfalls aber nur
von den Kriegsdienstverweigerern, den Deserteuren, den
Widerstandskämpfern und Partisanen sowie den Österreichern in den
Alliierten Armeen verteidigt und repräsentiert wurde, ist überfällig
und einzig richtige Konsequenz.
Auch der Soldaten und ihrer Toten soll gedacht werden, von ihren
Familien, jedoch nicht von der Republik, denn sie waren nicht auf der
Seite des demokratischen Österreich. Sie kämpften, teils mit, teils
ohne persönliche Schuld für ein Unrechtsregime, für das Regime der
Täter. Das sollte zumindest im Nachhinein erkannt werden.
Rückfragehinweis:
Israelitische Kultusgemeinde
Tel.: (01) 53 104-105
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