- 10.08.2009, 17:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Polen - Diesmal ist die Hoffnung erlaubt - von Michael Laczynski
Aller Skepsis zum Trotz: Die Aussichten für das Land sind gut
Wien (OTS) - Die Polen sind bekanntlich ein schwer geprüftes Volk.
Jahrhunderte der Fremdherrschaft, heroisch-sinnlose Aufstände ohne
jegliche Aussicht auf Erfolg, Kriege und eine Tradition der (inneren
wie äußeren) Emigration haben den Menschen eine gehörige Dosis
Skepsis eingeimpft. Während hierzulande mit dem Wörtchen Hoffnung
zunächst einmal Sentenzen wie "Die Hoffnung stirbt zuletzt"
assoziiert werden, heißt es im Polnischen gleich einmal "Nadzieja
matka glupich" - Hoffnung ist die Mutter aller Dummköpfe.
Diese hart erarbeitete Skepsis wird nun auf eine schwere Probe
gestellt, denn ökonomische Untergangspropheten wie Nouriel Roubini
überschlagen sich seit einiger Zeit geradezu, wenn es um Polen geht -
oder genauer gesagt um die Aussichten für die polnische Konjunktur.
Die sind nämlich im Vergleich zum restlichen Europa richtig rosig:
Ein BIP-Plus von 0,8 Prozent im ersten Quartal - nur Zypern konnte
eine bessere Performance vermelden. Die Zahlen für das abgelaufene
Quartal, die demnächst veröffentlicht werden, dürften ähnlich
ausfallen. Die polnische Regierung, die selbst am Höhepunkt der Krise
stur an ihrer positiven Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2009
festhielt, wird aller Voraussicht nach Recht behalten.
Der gelernte Pole würde wohl an dieser Stelle eine Reihe von
Gegenargumenten vorbringen, vom schleppenden Ausbau der Infrastruktur
angefangen über bürokratische Spießrutenläufe bis hin zu der
mangelnden Zahlungsbereitschaft der Geschäftspartner, die in
Krisenzeiten salonfähiger wird und sich nur mit langwierigen
juristischen Orgien- und Mysterienspielen beenden lässt. Die Einwände
haben zweifellos ihre Berechtigung - und doch tendieren viele
Skeptiker dazu, in ihrer Schwarzmalerei gleich die ganze polnische
Erfolgsstory anzuzweifeln.
Was macht die Widerstandskraft Polens aus? Zunächst einmal der große
Binnenmarkt, der die Folgen der globalen Exportkrise abzufedern
hilft; dann ein (zum Glück!) noch unterentwickelter Finanzsektor, der
kaum involviert war in den Subprime- und Fremdwährungskredit-Wahn;
als Drittes hervorzuheben wären die soliden Staatsfinanzen; als
Viertes der flexible Zloty, der gegenüber Euro und Dollar stark
abwerten konnte, ohne Unternehmen und Haushalte an den Rand des Ruins
zu bringen - er sorgt dafür, dass die Leistungsbilanz im Lot bleibt;
und zu guter Letzt die Zähigkeit der Bevölkerung, die bis dato noch
mit jeder Notsituation fertig geworden ist.
Alles in allem keine schlechten Voraussetzungen für das laufende
Krisenjahr.
Rückfragehinweis:
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