• 10.08.2009, 17:00:00
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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Kaninchen aus dem Zylinder"

Ausgabe vom 11. August 2009

Wien (OTS) - Wirtschaftsminister und Wirtschaftsforscher klopften
sich dieser Tage fest auf die Schultern: Alleine heuer hätten die
Konjunkturpakete 23.800 Arbeitsplätze und 1,9 Prozent Wachstum
ausgelöst - natürlich ohne dass dem staunenden Laien verraten würde,
wie die Forscher das denn gar so genau berechnen können.

Seien wir aber einmal naiv und glauben der engen Allianz von
Politik und Auftragsforschern ihre so wunderbar klingenden Zahlen.
Dann liegt doch die Frage auf der Hand: Wenn das alles so super
funktioniert, warum machen wir dann nicht einfach noch ein paar große
Konjunkturpakete und hätten dann keine schrumpfende, sondern eine
wachsende Wirtschaft? So wie ein Zauberer eigentlich alle
Ernährungsprobleme der Welt lösen könnte, wenn er ständig noch ein
Kaninchen aus dem Zylinder zu ziehen vermag.

Und wenn wir schon beim Stellen blöder Fragen sind: Haben solche
Pakete nicht vielleicht auch massiv negative Effekte auf Wachstum und
Arbeitsmarkt - nämlich dann, wenn sie einmal zurückgezahlt werden
müssen? Was die wackere "Experten"-Allianz gerne verschweigt. Und:
Wie viel besser wäre es uns in der Krise gegangen, würden wir nicht
unter den erdrückenden Schulden der vergangenen Jahrzehnte leiden, in
denen man auch schon ständig Arbeitsplätze durch Schuldenmacherei zu
erkaufen suchte?

Vielleicht schauen die Experten einmal nach China, wo man eben
keine Schulden, sondern gigantische Überschüsse angehäuft hatte. Dort
sank das Wachstum am Höhepunkt der Krise nie unter
6 - in Worten: sechs - Prozent. Und China konnte sofort Gas geben,
als es merkte, dass die Nachfrage aus dem Ausland nachließ.

*

Amüsant ist auch der Blick nach Deutschland: Dort werden ebenfalls
gerade sinnlos Milliarden ausgegeben - nämlich um möglichst viele
Opel-Arbeitsplätze zu erhalten. Und die deutschen Politiker (mit
Ausnahme ihres Wirtschaftsministers) glauben wirklich, dass sie
dadurch wieder dauerhafte Jobs garantieren können. Mein Gott, wie
naiv. In Wahrheit weiß jeder, dass Opel in fünf bis zehn Jahren tot
sein wird, dass Bestandgarantien ausländischer Konzerne nichts wert
sind. Siehe Bank Austria (und ihre internationale Eigenständigkeit),
siehe Nokia (und ihre deutschen Fabriken).

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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