• 05.08.2009, 18:30:10
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Was wir brauchen sind Jobs, Jobs, Jobs - von Esther Mitterstieler

Kann es Sünde sein, außergewöhnliche Mittel anzuwenden?

Wien (OTS) - Arbeit wird in Österreich immer teurer. Während die
Arbeitskosten in der Eurozone im ersten Quartal 2009 im Vergleich zum
Vorjahresquartal nominell um 3,7 Prozent in die Höhe kletterten,
liegt Österreich mit 6,2 Prozent über dem Schnitt. Deutschland
erreicht mit 6,6 Prozent zwar einen noch höheren Wert und Bulgarien
sowie Rumänien sind mit Zuwächsen von je 18,6 Prozent unschlagbar
weit vorne. Doch das kann uns nicht davor bewahren, uns endlich
konkret Gedanken darüber zu machen, wie wir die Arbeitskosten so
senken können, dass wir auch wieder Jobs schaffen. Richtige Jobs,
nicht nur Billigjobs.

Gehen wir also von den Hauptgründen der derzeit hohen Arbeitskosten
aus: Zum einen haben die relativ hohen Lohnabschlüsse die
Lohnnebenkosten getrieben, zum anderen verteuert die Kurzarbeit den
Faktor Arbeit. Dass Unternehmen immer weniger gewillt sind, auf das
Instrument der Kurzarbeit zurückzugreifen, kann nicht verwundern. Zu
starr und teuer ist das an sich gut gemeinte Instrument. Es bewegt
Unternehmen zum Teil sogar dazu, Mitarbeiter gleich zu kündigen, weil
das billiger ist. Das ist pervers und sollte uns dazu veranlassen,
flexiblere Mechanismen im Arbeitsmarkt zu finden. Um die Kurzarbeit
zu umgehen, versuchen Unternehmen also über Urlaubsabbau,
Betriebsferien oder Abbau von Zeitguthaben Terrain gut zu machen.

Kann es denn wirklich Sünde sein, in außergewöhnlichen Zeiten auf
ebensolche Mittel auszuweichen? Wie wäre es denn damit, auch Teilzeit
zu ermöglichen, ohne dass gleich der Arbeitsvertrag geändert werden
bzw. gleich eine Änderungsvertrag her muss? Es muss uns einfach klar
sein, dass die Arbeitslosigkeit auch aufgrund unserer festgefahrenen
Denkmuster zum Jahrhundertproblem werden kann - von den sozialen
Auswirkungen ganz zu schweigen. Die EU rechnet damit, dass die
Wirtschaftskrise 3,5 Millionen Jobs kosten wird - bei derzeit 21,5
Millionen Arbeitslosen in der EU. Und was wäre, wenn wir nicht bloß
auf das Unausweichliche warten und die Ärmel hochkrempeln?

In Österreich könnte man die Lohnnebenkosten senken. Statt nur die
Mindestsicherung zu diskutieren wäre es gut, die Lohnnebenkosten bei
schlecht bezahlten Jobs - und nicht nur dort - kräftig zu senken.
Denn eines sollte uns nicht passieren: Dass Menschen es vorziehen,
Mindestsicherung zu beanspruchen, weil es sich nicht bezahlt macht,
einer Arbeit nachzugehen (siehe auch rechts). Erraten? Schublade weg,
ein wenig Bewegung im Denken her, schon könnten Firmen sich leisten,
mehr Menschen Arbeit zu verschaffen.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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