OTS0157 / 05.08.2009 / 18:12 / Channel: Politik / Aussender: Der Standard
Stichworte: Medien / Pressestimmen / Vorausmeldung


"DER STANDARD"-Kommentar zum Tod eines 14-Jährigen: "Schießen und Mauern" von Petra Stuiber

Utl.: Ausgabe vom 6.8.2009 =


   Wien (OTS) - Die Polizei Niederösterreich "bedauert" die
Angehörigen des erschossenen 14-Jährigen und des angeschossenen
16-Jährigen und verspricht, für "volle Aufklärung" des Falles zu
sorgen. Das darf schon mal bezweifelt werden. Denn was das
niederösterreichische Landespolizeikommando am Mittwoch offenbar als
seine vornehmste und primäre Pflicht nach der Supermarkt-Schießerei
in Krems ansah, war: mauern für die Kollegen.
Nicht einmal das Alter der beiden Polizisten, die geschossen hatten,
wurde bekanntgegeben. Die einzige Erklärung: Man habe "in der
Dunkelheit" (hatten die beiden Beamten keine Taschenlampen?) einen
Schraubenzieher und eine Gartenhaue mit Pistolen verwechselt.
Lernt man bei der Polizei nicht, Tatverdächtige mit gezielten
Schüssen außer Gefecht zu setzen, ohne sie dabei zu töten?
Personalvertreter mögen einwenden, dass in Stress und Todesangst
Fehler passieren können. Warum haben dann die beiden Polizisten, wenn
sie sich bedroht fühlten, keine Verstärkung angefordert?
Es ist bemerkenswert, wie oft in Niederösterreich zur Waffe gegriffen
wird. Das hängt wohl kaum damit zusammen, dass in diesem Bundesland
überdurchschnittlich viele Kriminelle ihr Unwesen treiben (zum
Vergleich: Wien ist führend bei Wohnungseinbrüchen). Es hat
vielleicht mit dem Klima in einem Land zu tun, in dem der
Landeshauptmann stolz ist, wenn einer "seiner" Polizisten einen
Flüchtenden erschießt. Dann sitzt die Dienstwaffe wohl besonders
locker.
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051812 Aug 09
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