• 04.08.2009, 12:26:33
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Experten: EU-Preisvergleich der Arbeiterkammer erweist sich als "Mogelpackung"

Aussagen nicht repräsentativ - Preisdifferenzen werden überdramatisiert

Wien (OTS/AIZ) - Normalerweise übt die Arbeiterkammer Kritik an
der Entwicklung der Lebensmittelpreise, jetzt muss sie sich selbst
eine Beanstandung ihrer Methodik gefallen lassen: Experten der
Landwirtschaftskammer haben das jüngste AK-Preismonitoring, in dem es
heißt, Österreich sei im Europa-Vergleich teuer, unter die Lupe
genommen. Das Ergebnis: Der Vergleich erweist sich aus mehreren
Gründen als "Mogelpackung". Was als Länder-Vergleich dargestellt
wird, ist in Wahrheit ein Städte-Vergleich, wobei deren Auswahl sehr
selektiv erfolgte. Mehrwertsteuer-Differenzen wurden ebenso wenig
berücksichtigt wie Kaufkraft oder Qualitätsunterschiede. Die
Berechnung erfolgte jeweils auf Basis des Auslands, damit die
Preisdifferenz umso größer ausfällt und Österreich umso schlechter
abschneidet.

Unter dem Titel "Österreich im Europa-Vergleich teuer" hat die AK
Ende Juli ein Preismonitoring veröffentlicht. Kaufe man jeweils das
preiswerteste Produkt seiner Klasse, so liege Österreich bei einem
Europa-Ranking im untersten Mittelfeld. So koste der große
Einkaufskorb in Wien um gut ein Drittel (34,1%) mehr als etwa im
polnischen Stettin. Nur in Holland, Luxemburg und der Schweiz müsse
mehr dafür gezahlt werden. Dies gehe aus einem Testkauf von 39
preisgünstigsten Lebens- und Reinigungsmitteln in neun Ländern
hervor, behauptet die AK.

Vergleichs-Aussagen sind nicht repräsentativ

Die bäuerliche Interessenvertretung hat diesen Test einer näheren
Betrachtung unterzogen und ist dabei auf zahlreiche Ungereimtheiten
gestoßen: Was auf den ersten Blick als Länder-Vergleich wahrgenommen
wird, entpuppt sich als reiner Städte-Testkauf. Die
Monitoring-Aussagen sind also nicht repräsentativ für das jeweilige
Land. In Belgien wurde von der AK etwa Lüttich herangezogen und nicht
die - teurere und größere - Hauptstadt Brüssel. Noch unverständlicher
ist nach Ansicht der Experten, dass wichtige Nachbarländer wie
Italien (ein Hochpreisland für Lebensmittel) ebenso fehlen wie
bedeutende Staaten, beispielsweise Großbritannien. Auf der anderen
Seite sei Luxemburg einbezogen worden, obwohl es nicht wirklich ein
Vergleichsmaßstab sei.

Dafür wurden Polen und Tschechien berücksichtigt, ohne allerdings
zu erwähnen, dass auch die Einkommensverhältnisse in diesen beiden
Ländern deutlich unter dem österreichischen Niveau liegen. Laut
Eurostat (Statistisches Amt der EU) erreichte das BIP pro Kopf
(ausgedrückt in Kaufkraft-Standards) in Polen im Jahr 2008 nur 57%
des EU-Durchschnitts, während Österreich auf 123% kam.

Preisdifferenzen werden überdramatisiert

Als "völlig unlogisch" wird von den Experten der
Landwirtschaftskammer auch die AK-Methodik kritisiert: Als Basis für
die prozentmäßigen Unterschiede werden nämlich die ausländischen
Preise herangezogen. So behauptet die Arbeiterkammer, dass in Polen
dieser Warenkorb mit 39 Produkten EUR 35,94 kostet. In Österreich sei
er damit um 34,1% teurer. Ein österreichischer Konsument stellt sich
jedoch die Frage, wie viel er hierzulande für diesen Warenkorb
ausgeben muss (EUR 48,20) und erst dann, um wie viel billiger er etwa
in Polen wäre. Auf dieser Ausgangsbasis beträgt die Differenz
allerdings nur mehr 25,4%.

Aus der Darstellung der AK geht weiters nicht hervor, ob es sich
um Netto- oder Bruttopreise handelt. Erst im Download-Dokument
erfährt man ganz zum Schluss, dass die unterschiedlichen
Mehrwertsteuersätze nicht berücksichtigt wurden. Bemerkenswert ist,
dass bei dem Preisvergleich frische Vollmilch herausgenommen wurde,
da in Belgien in den Supermärkten nur mehr H-Milch erhältlich war.
Dass bei diesem Monitoring jeweils das günstigste Produkt verglichen
wurde und die Qualitätsunterschiede keine Rolle spielten, wird von
der AK selbst zugegeben.

Laut repräsentativer Eurostat-Studie liegt Österreich im
EU-Mittelfeld

Aus einer von Eurostat Mitte Juli 2009 publizierten Untersuchung,
die im Gegensatz zur AK nicht acht, sondern alle 27
EU-Mitgliedstaaten umfasst, geht hervor, dass die Preisniveaus für
Verbrauchsgüter und Dienstleistungen in der Union extrem
unterschiedlich sind und bis zum Dreifachen variieren. Das höchste
Niveau erreichte im Jahr 2008 Dänemark mit 141% des EU-Schnitts, das
niedrigste wurde in Bulgarien (51%), Rumänien (62%) und Polen (69%)
erhoben. Österreich liegt bei dieser repräsentativen Studie mit 105%
im EU-Mittelfeld.

Astl: Mehr Sorgfalt der AK bei Preisvergleichen notwendig

"Die Arbeiterkammer ist aufgerufen, bei derartigen
Preisvergleichen künftig mehr Sorgfalt und Fairness walten zu lassen.
Die Konsumenten werden nämlich dadurch verunsichert. Außerdem findet
sich in diesem Monitoring kein Hinweis darauf, dass es zahlreiche
Gründe für unterschiedliche Lebensmittelpreise gibt, die in der
Struktur der Länder begründet sind, beispielsweise die gesetzlichen
Rahmenbedingungen oder unterschiedliche Kostenstrukturen in der
Verarbeitung. Speziell in Österreich muss auf die kleinräumigen
bäuerlichen Strukturen, die Erschwernisse der Berglandwirtschaft und
die besonders hohen Umwelt-, Tierschutz- und Qualitätsstandards
verwiesen werden", stellt August Astl, Generalsekretär der
Landwirtschaftskammer Österreich, fest. Dass die AK ausgerechnet
jetzt, wo die Inflation auf den Nullpunkt gesunken sei und die
Arbeitslosigkeit aufgrund der Wirtschaftskrise ständig steige, einer
"Geiz ist geil-Mentalität" das Wort rede und indirekt für
Importlebensmittel eintrete, sei unverständlich, so Astl.
(Schluss) kam

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst, Tel.: 01/533 18 43 , Fax: 01/535 04 38, Web: aiz.info, mailto: [email protected]

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