OTS0138 / 03.08.2009 / 18:14 / Channel: Politik / Aussender: Der Standard
Stichworte: Medien / Pressestimmen / Vorausmeldung


DER STANDARD-Kommentar: "Fekter muss reagieren" von Irene Brickner

Utl.: Ausgabe vom 4.8.2009 =


   Wien (OTS) - Dank Ludwig Adamovich und der Kronen Zeitung
entwickelt sich der Fall Kampusch im dritten Jahr nach der Flucht der
jungen Frau aus der Gewalt Wolfgang Priklopils zum sommerlichen
Pausenfüller. Der Ton dabei ist ungustiös: Statt offen zu sagen,
worauf sich der Verdacht stützt, dass es in dem Entführungsfall noch
eine andere, bisher verborgene Wahrheit gibt, übt sich der
renommierte Spitzenjurist in "Spekulationen" und "Hypothesen" über
Kindheit und Gefangenschaft des Verbrechensopfers.  
Warum Adamovich diesen indirekten Weg wählt, ist unklar. Dass die
Kronen Zeitung es publiziert, ohne sich übertrieben um die
Persönlichkeitsrechte der Beteiligten zu kümmern, schon weniger: Sie
und andere Boulevardmedien tun das nicht zum ersten Mal. 
Völlig unverständlich jedoch ist, weshalb sich das Innenministerium
in dieser Interviewaffäre bisher nicht zu Wort gemeldet hat. Denn
dort, bei Ministerin Maria Fekter, liegt die politische Verantwortung
für die Arbeit der Kampusch-Evaluierungskommission: Adamovich wurde
von deren Amtsvorgänger Günther Platter beauftragt, nach
Ermittlungspannen in der Causa zu suchen. Und politische
Verantwortung schließt Zuständigkeit für das Auftreten der Kommission
nach außen mit ein: auch für Adamovichs Öffentlichkeitsarbeit, zu der
Fekter bisher aber nur "kein Kommentar" einfällt. 
Das ist zu wenig. Fekter sollte Stellung beziehen. Sonst droht die
wichtige Arbeit der Evaluierungskommission völlig in Indiskretionen
zu versacken.
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