• 03.08.2009, 09:32:48
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Vom Warzenbeisser, dem Italoaustriacus und dem Tauernsteinspanner - BILD

Die ätzenden Verdauungssäfte des Warzenbeissers galten in der früheren Medizin als wirksam gegen Warzen.

Matrei in Osttirol (TP/OTS) - Sie möchten wissen, was das ist? Die
Highlights der Neufunde in der Fauna des Dösentals bei Mallnitz. Vom
1. - 2. August fand im Nationalpark Hohe Tauern der dritte Tag der
Artenvielfalt statt. Über 70 Wissenschafter - Experten in 18
Fachdisziplinen - aus Österreich, Deutschland und Slowenien
durchkämmten im Dösental die Höhenstufen von 1.200 bis hinauf auf
3.086 m Seehöhe und wurden vom Artenreichtum überrascht. An einem
einzigen Tag konnten an die 1.800 Arten gefunden werden. Mit den
Erhebungsergebnissen aus Kärnten kann schon jetzt bestätigt werden,
dass im Nationalpark Hohe Tauern das komplette Spektrum der alpinen
Arten nicht nur vertreten ist, sondern es ist vor allem wichtig, dass
es noch gut funktionierende und selbständig überlebende Populationen
gibt.

Dr. Inge Illich vom Haus der Natur in Salzburg ist fasziniert,
wenn sie von ihrem Steckenpferd, den Heuschrecken spricht. "Jede Art
hat ihren eigenen Gesang, wie bei den Vögeln. Heuschrecken zeigen uns
an, wenn in der Natur menschliche als auch klimatische Veränderungen
vorkommen. Sie reagieren äußerst sensibel und werden daher bei
ökologischen Fragestellungen als Indikatoren herangezogen". Dass es
ihr gelungen ist, im Dösental die Anonconotus Italoaustriacus (Nadigs
Alpenschrecke) vorzufinden, ist für sie eine kleine Sensation. Diese
Art wurde bisher ausschließlich im Pustertal (I), Osttirol und nur
sehr vereinzelt in Kärnten nachgewiesen. "Aufgrund der Eiszeit,
konnte diese Art nur in kleinen, nicht vergletscherten Gebirgsteilen
überleben, hat sich perfekt an ein hochalpines Klima angepasst und
konnte sich daher in wärmeren Tallagen nicht wieder ausbreiten."

Auch der Warzenbeisser konnte nachgewiesen werden. Den klingenden
Namen erhielt die Langfühlerschrecke von ihrer einstigen
medizinischen Verwendung. Aufgrund seiner ätzenden Verdauungssäfte
ließ man früher das Tier die Warzen beißen und erhoffte sich dadurch
eine heilende Wirkung. "Als ich zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn
den Warzenbeißer das erste Mal zusammen mit anderen Schrecken in
einem Sammelbehälter fing, hatte ich zuhause im Labor eine böse
Überraschung. Die Schrecke hat die anderen Heuschrecken einfach
aufgefressen. Es waren nur mehr die Überreste der anderen Tiere und
eine ziemlich fetter Warzenbeißer in meinem Behälter vorhanden", so
Illich.

Ebenfalls konnte Dr. Peter Huemer, vom Tiroler Landesmuseum, einen
sensationellen Fund machen. Der Tauernsteinspanner ist ein Endemit,
der ausschließlich in den Hohen Tauern vorkommt. "Erst seit zwei
Monaten ist diese Art überhaupt beschrieben. Dieser Tagfalter ist uns
nun als die am höchsten steigende Schmetterlingsart in Österreich
bekannt. Er kann bis 3.500 m Seehöhe überleben", so Huemer. "In
dieser Höhenlage ist die Entwicklung und der Lebenszyklus ein Extrem.
Vom Ei, zur Raupe, zur Puppe bis hin zum Falter benötigt der
Tauernsteinspanner 2 - 3 Jahre", so Huemer weiter.

Bei besten Witterungsverhältnissen wurden im Rahmen der Erhebungen
im Dösental verschiedenste Fachbereiche abgedeckt: Gefäßpflanzen,
Flechten, Moose, Pilze, Libellen, Steinfliegen, Heuschrecken, Wanzen,
Schmetterlinge, Köcherfliegen, Fliegen, Hautflügler, Käfer,
Spinnentiere, Amphibien und Reptilien, Vögel und Säugetiere. In
diesen Gruppen konnten insgesamt an die 1.800 Arten bestimmt werden.
Die neu gewonnenen Daten werden in den nächsten Tagen noch konkreter
ausgewertet. Es werden sicher noch einige Feinklassifizierungen
nachgereicht. Die Datensätze werden im Biodiversitätsarchiv des
Nationalparks Hohe Tauern gesammelt. "Man darf sich gerade in einem
Nationalpark Antworten darauf erwarten, wie sich die Biodiversität -
gerade in Zeiten globaler Veränderungen des Klimas - entwickelt. Eine
umfangreiche Biodiversitätsdatenbank ist deshalb eine der
wesentlichen Säulen wissenschaftlichen Gebietsmonitorings im
Nationalpark", so Nationalparkdirektor von Kärnten, Mag. Peter
Rupitsch.

Abschließend kann gesagt werden, dass der dritte Tag der
Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern wiederum ein voller Erfolg
war. Gerade in den Hohen Tauern gibt es ein Meer an Artenvielfalt,
wie man sie sonst oftmals nur im Regenwald finden kann. Dieses Jahr
konnte erstmals auch die Bevölkerung Einblick in die Forschung nehmen
und zusammen mit Prof. Dr. Eberhard Stüber, Dir. i. R. Haus der
Natur, und Dr. Gerhard Lieb, Universität Graz, das Dösental botanisch
und geomorphologisch erwandern. Die Teilnehmer waren fasziniert,
Forschung hautnah erleben zu können.

Im Jahr 2010 'dem internationalen Jahr der Biodiversität' wird der
Tag der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern weitergeführt. "Bis
jetzt konnten wir dank der Arbeit der vielen freiwilligen
Wissenschafter - welche nur gegen Kost und Logis - für uns die Daten
sammeln, in drei Tälern im Nationalpark Hohe Tauern die
Artenvielfalt genauer erheben. Es liegt noch viel Arbeit vor uns und
ich danke allen Mitwirkenden für ihren Einsatz und ihr Engagement",
so Rupitsch.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at .

Rückfragehinweis:

Mag. Katharina Aichhorn
   Forschung & Organisation Tag der Artenvielfalt
   Nationalpark Hohe Tauern
   Mobil: +43 (0)664 6202330
   Mag. Helene Mattersberger
   Öffentlichkeitsarbeit
   Mobil: +43 (0)664 2516166

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