OTS0094 / 21.07.2009 / 12:17 / Channel: Politik / Aussender: Falter Zeitschriften GmbH
Stichworte: Exekutive / Kasachstan / Medien / Vorausmeldung / Zeitungen


Falter enthüllt Geheimakte Kasachstan

Utl.: Polizisten, SPÖ-Politiker und Ex-Agent des Heeresabwehramtes sollen kasachischen Entführern geholfen haben. Ermittlungen über Atomschmuggel in den Iran verraten. =


   Wien (OTS) - Die Wiener Wochenzeitung Falter veröffentlicht in
ihrer neuen Ausgabe exklusiv die Verschlussakte des
Verfassungsschutzes im Fall Kasachstan. Die Dokumente illustrieren
eine der hässlichsten österreichischen Korruptionsaffären. Involviert
sind Spitzenpolizisten, ein Ex-Heeres-Agent und ein Politiker der
Wiener SPÖ.
   Unter dem Decknamen "Asta" ermittelt der Verfassungsschutz seit
Monaten gegen ein Netzwerk, das in die versuchte Entführung von drei
kasachischen Diplomaten involviert sein soll. In einer Anzeige hält
das Innenministerium fest, es gebe "keinen Zweifel mehr daran, dass
es sich in allen Fällen um missglückte Entführungen gehandelt hat,
die durch den kasachischen Geheimdienst in Auftrag gegeben wurden".
Es geht jedoch nicht nur um Entführungen, Geheimnisverrat und
Bestechung, sondern auch um Atomschmuggel in den Iran. 
   Im Visier der Behörden, so enthüllt der Falter, steht vor allem
das Wiener Netzwerk des kasachischen Geheimdienstlers Ildar A., einem
Agenten dem im September in Wien wegen Verschleppung, Spionage und
Anstiftung zum Amtsmissbrauch der Prozess gemacht wird. Er soll nicht
nur Polizisten bestochen, sondern auch seine "Freundschaft" zum
Favoritner SPÖ-Chef Anton Gaal genützt haben, um die Entführung von
Ex-Botschafter Rakhat Alijew und seinen Getreuen vorzubereiten.
   Gaal, ehemaliger Wehrsprecher der SPÖ, wird in Zeugenaussagen vor
der Polizei schwer belastet. Gaal soll Ildar A. mit seinem Freund,
dem Ex- Heeresagenten und Privatdetektiv Jimmy H. bekannt gemacht
haben. Jimmy H. sollte den Aufenthalt des unter Polizeischutz
stehenden Ex-Botschafters Alijew ausfindig machen. Jimmy H. laut
Zeugenprotokoll, das dem Falter vorliegt: "Toni hat mich angerufen
und bat mich um ein Treffen im zehnten Bezirk. Zu dem Treffen kam er
mit einem mir damals unbekannten Mann, den er mir als Ildar
vorstellte. Durch meine frühere Tätigkeit im Heeresabwehramt weiß
Toni, dass ich über ein breites Wissen im Ermittlungsbereich verfüge.
Weil Toni mein Freund ist und Ildar ein Bekannter von Toni war,
dachte ich mir nicht viel dabei." Jimmy H. gibt zu, dass er jene
Wiener Adressen ausforschte, an denen später missglückte Entführungen
von Kasachen stattfanden. Jimmy H. wurde dafür laut eigenen Angaben
ein Anteil an einem milliardenschweren Ölgeschäft versprochen, "von
dem ich mir ein schönes Haus bauen könnte."  Anton Gaal bestreitet
die Vorwürfe. Ildar A. sei nur ein "Nachbar" gewesen, dem er ein Haus
abkaufen wollte. Von Entführungsabsichten habe er nichts gewusst. 
   Das Innenministerium ermittelt auch gegen zwei Polizisten,
darunter ein einst der BIA zugeteilter Beamter. Er reiste mit einem
Kollegen "privat" nach Kasachstan und übergab Polizeidaten über
Ex-Botschafter Alijew an kasachische Geheimdienstler. In einem dem
Falter vorliegenden Mail des Beamten an einen kasachischen Agenten
heißt es: "Servus! Anbei alle Daten, die bei uns polizeilich im
Computer aufscheinen". In einem anderen Mail plaudert der Polizist
über hochsensible Ermittlungen, die das Innenministerium mit dem
deutschen Bundesnachrichtendienst führt. "Servus!", heißt es in dem
Mail , "Geschmuggelt werden Waffen aller Art, sowie auch strahlendes
Material. Es hat den Anschein, dass man von und über Kasachstan
Lieferungen in den Iran organisiert." Das Innenministerium fürchtete
aufgrund der Indiskretion um das Leben von V-Männern. Für alle
Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Rückfragehinweis:
   Dr. Florian Klenk
   Stv. Chefredakteur Falter
   Marc Aurelstraße 9, 
   A-1011 Wien, 
   Tel: +43-1- 53660-924
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