- 16.07.2009, 18:08:22
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Gute Nachricht für China und die Welt - von Herbert Geyer
Ein Drittel des Wachstums der Weltwirtschaft kam aus China
Wien (OTS) - In Zeiten wie diesen fürchten wir uns ja vor allem:
Wenn der Rückgang der exorbitanten Treibstoffpreise seit dem Vorjahr
die Inflationsraten sinken lässt, malen wir gleich das
Deflations-Gespenst an die Wand, zeigt sich dann doch wieder ein
wenig Teuerung, das Gespenst der Hyperinflation.
Da kann natürlich das Wachstum von 7,9 Prozent im zweiten Quartal,
das China jetzt gemeldet hat, nicht ohne Sorgen zur Kenntnis genommen
werden: Das Wachstum beruht auf Krediten - und genau diese Art von
Wachstum war es ja, die uns in die aktuelle Krise geführt hat.
Internationale Experten warnen zudem vor einer Überhitzung der
chinesischen Wirtschaft - was angesichts der tiefen Rezession, in der
praktisch der gesamte Rest der Welt steckt, eine beneidenswerte Sorge
ist.
Ja, in China kann einiges schiefgehen. Die größte Gefahr ist aber
zweifellos nicht jene einer Überhitzung, und auch die Megainflation
ist eine eher unwahrscheinliche Variante. Wirklich gefährlich ist der
Anstieg der Arbeitslosigkeit: Nach westlichen Prognosen wird er heuer
nur 0,6 Prozentpunkte betragen - aber jeder Zehntel-Prozentpunkt
bedeutet rund eine Million arbeitsloser Chinesen vor allem in den
städtischen Wirtschaftszentren. Und die könnten sich zur
revolutionären Masse auswachsen, die die politische Stabilität des
Landes gefährdet. Dass China politisch alles andere als stabil ist,
haben die Unruhen in Tibet vor einem Jahr ebenso gezeigt wie jene in
den Uiguren-Provinzen eben jetzt.
Für China und auch für den Rest der Welt ist das chinesische Wachstum
daher zunächst einmal eine uneingeschränkt gute Nachricht: Wachstum
vermindert den Anstieg der Arbeitslosigkeit - und es hilft dem Rest
der Welt, die Rezession zu überwinden. Schon im Vorjahr trug China
ein Drittel zum Wachstum der Weltwirtschaft bei - heuer wird es noch
wesentlich mehr sein, ist China doch unter den Top Ten der
Weltwirtschaft das einzige Land, in dem die Wirtschaft wächst.
Längerfristig sind Sorgen aber durchaus angebracht. Etwa, wenn man
bedenkt, dass die Währungsreserven, die China angehäuft hat und
unermüdlich weiter anhäuft, mit 2,13 Billionen Dollar bereits um fast
die Hälfte höher sind als der gesamte Bargeldumlauf der USA - für die
Weltwirtschaft sind solche Ungleichgewichte alles andere als gesund.
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