• 11.07.2009, 19:50:58
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Licht und Schatten am Nanga Parbat

Linz (OTS) - Die Freude über die Gipfelerfolge am Nanga Parbat
währte nur kurz. Ein Teilnehmer der Alpenvereins-Expedition kehrte am
Freitagabend nicht ins Lager 4 zurück. Der Bergsteiger gilt als
vermisst. Man rechnet mit dem Schlimmsten.

Die Gipfelerfolge am Nanga Parbat (8.125 Meter) werden von einem
tragischem Ereignis überschattet: Wolfgang Kölblinger kehrte gestern
Abend nach Erreichen des Gipfels nicht ins Lager 4 zurück. Bei der
Suche konnte der Expeditionsleiter Gerfried Göschl einzig den
Rucksack finden. Von Kölblinger selbst fehlt jede Spur. Ein Absturz
gilt als wahrscheinlich.

Derzeit befinden sich die Kameraden von Kölblinger noch in Lager 4
auf ca. 7.300 Meter. Es handelt sich dabei um die Österreicher
Herbert Schütter, Sepp Bachmair, Hans Goger und den Expeditionsleiter
Gerfried Göschl sowie den Kanadier Louis Rousseau. Alle sind nach den
Strapazen erschöpft aber unverletzt und wohlauf. Morgen werden sie
gemeinsam den Weg Richtung Basislager fortsetzen.

Wolfgang Kölblinger, 55, aus Traunkirchen/Oberösterreich und Vater
einer erwachsenen Tochter, gilt als sehr erfahrener Höhenbergsteiger,
der bereits die Achttausender Shisha Pangma , Cho Oyu und Broad Peak
erfolgreich besteigen konnte. Er ist Teilnehmer jener internationalen
Alpenvereinsexpedition, die sich die Ersteigung des Nanga Parbat
(8.125 Meter) und anschließend des K2 (8.611 Meter) zum Ziel gesetzt
hat. Geleitet wird die Expedition vom Steirer Gerfried Göchl, dem in
den letzten Jahren große Erfolge im Höhenbergsteigen gelangen. So war
Göschl erfolgreich am Cho Oyu, Gasherbrum 2, Shisha Pangma, Mount
Everest und letztes Jahr am Broad Peak.

Die Alpenvereinsexpedition startete am 11. Juni und erreichte am
17. Juni das Basislager. Nach einer Akklimatisationsphase begann man
mit dem Aufstieg und dem Aufbau der Lagerkette. Lager 1 auf 4.600
Meter und Lager 2 auf 6.000 Meter wurden errichtet. Schlechtwetter
machte immer wieder die weiteren Aufstiegspläne zunichte. Am 6. Juni
kamen dann gute Wetterprognosen aus Innsbruck. Karl Gabl von der
Wetterdienststelle Innsbruck und Chef des Alpenverein-Wetterdienstes
stellt gute Chancen für ein Schönwetterfenster von mehreren Tagen in
Aussicht. Diese Schönwetterphase wurde von den Bergsteigern, die den
Aufstieg in zwei Teams über zwei verschiedene Routen planten,
genützt. Während der Expeditionsleiter sein Team über eine neue Route
zum Gipfel führte, war Kölblinger in jener Gruppe unterwegs die über
die sogenannte "Kinshofer-Route" aufstieg. (Toni Kinshofer gelang am
23. Juni 1962 zusamen mit Siegfried Löw und Anderl Mannhardt die
erste Besteigung des Nanga Parbat über die Diamirflanke und damit die
zweite Besteigung des Nanga Parbat überhaupt. Er ist Namensgeber für
den heutigen Normalweg auf den Nanga Parbat, die Kinshoferroute.)

Der Nanga Parbat gehört unter den Achttausendern zu jenen, die als
besonders anspruchsvoll eingestuft werden - und zu jenen, die immer
wieder für Bergtragödien gesorgt haben. Im letzten Jahr verlor der
Südtiroler Extrembergsteiger Karl Unterkircher bei einem Sturz in
eine Gletscherspalte sein Leben. Reinhold Messner verlor an diesem
Berg 1970 seinen Bruder Günther. Den Titel "deutscher Schicksalsberg"
erhielt der Bergriese, nachdem etliche Erstbesteigungsversuche in den
1930er Jahren fehlschlugen: Bei tragischen Katastrophen und
dramatischen Fehlschlägen in den Jahren 1934 und 1937 verloren elf
deutsche Bergsteiger, 17 Sherpa-Träger und drei Briten ihr Leben.
Eingang in die Alpingeschichte fand die spektakuläre Erstbesteigung
im Alleingang durch Hermann Buhl 1954.

Nähere Details zum Schicksal von Wolfgang Kölblinger erwartet der
Alpenverein in den nächsten Tagen. "Derzeit - so OeAV-Bergsport Chef
Michael Larcher - sind unser Mitgefühl bei der Familie von Wolfgang
Kölblinger und unsere Gedanken bei den noch am Berg befindlichen
Alpinisten, denen wir das Beste für den weiteren Abstieg wünschen."

Facts
> Der Alpenverein ist mit 360.000 Mitgliedern der größte
Bergsportverein Österreichs und hinter dem Deutschen Alpenverein der
zweitgrößte Alpinverband weltweit:
- 22.000 Mitarbeiter und Funktionäre
- 1,3 Millionen ehrenamtlichen Arbeitsstunden pro Jahr;
- 16.000 Veranstaltungen österreichweit in 197 Sektionen
- 241 Schutzhütten, 14.000 Schlafplätze
- jährlich 1 Million Besucher, größter Beherbergungsbetrieb
Österreich
- Betreuung von 40.000 km Wanderwegen.
> damit leistet der Alpenverein einen wesentlichen Teil zum Somer-
und Alpintourismus, aus dem die Tourismuswirtschaft jährlich ca. 1
Mrd. Euro lukriert.
> Klettersportler des Alpenvereins sind Weltspitze. Die Highlights
der letzten Saison: Gewinn des Gesamtweltcups durch Johanna Ernst
(Vorstieg), Kilian Fischhuber (Bouldern), Anna Stöhr
(Bouldern) und David Lama (Kombiwertung Vorstieg-Bouldern).
Europameistertitel durch Johanna Ernst (Vorstieg) und
Vize-Europameistertitel für Anna Stöhr und Killian Fischhuber
(Bouldern).
> Mit dem Magazin bergundsteigen schuf der Alpenverein eine
einzigartige und international anerkannte Fachzeitschrift für
Risikomanagement im Bergsport.

Rückfragehinweis:
Rückfragen: Heike Göschl, 0664 3136872
Michael Larcher, 0664 855 6423

Infos zur Expedition unter: http://www.gerfriedgoeschl.at/

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