- 30.06.2009, 09:31:00
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Wirtschaft stabilisiert sich, Bären werden müde
Wien (OTS) - Europa und die USA befinden sich nach wie vor in
einer Rezession. Diverse volkswirtschaftliche Indikatoren sind
Spiegelbild eines auf lange Sicht vorsichtigen Optimismus, während an
den Finanzmärkten eine Stabilisierung der Kurse einsetzt. Die
Bärenmarktrallye neige sich langsam ihrem Ende zu, wobei die
Tiefststände der vergangenen Monate an den Börsen nicht mehr
unterschritten werden sollten, meinen die Allianz Experten.
"Das Stimmungstief der ersten Monate im Jahr 2009 ist einem
mittelfristig vorsichtigen Optimismus gewichen", beschreibt Martin
Bruckner, Vorstand der Allianz Investmentbank AG, am Dienstag den
Ausblick auf das kommende Quartal vor Journalisten.
Stimmungswandel: Vorsichtiger Optimismus kehrt zurück
Dominierte zu Beginn dieses Jahres noch die Furcht vor Deflation und
Depression im 1930er-Jahre-Stil, so kehren nun Inflationserwartungen
zurück. Die Angst vor einem ungebremsten Verfall der Immobilienpreise
in den USA sowie einem Einbruch des US-Konsums konnte eingedämmt
werden: Der US-Häusermarkt zeigt erste Anzeichen einer
Stabilisierung, das Vertrauen der Konsumenten kehrt langsam zurück.
Auch eine Verstaatlichungswelle der US-Banken blieb aus: Das
Bankensystem ist stabilisiert und rekapitalisiert, Investmentbanken
zahlen bereits Staatshilfe zurück. Massenarbeitslosigkeit trat nicht
ein, sehr wohl aber die Tendenz steigender Arbeitslosenzahlen. Auf
Unternehmerseite werden die Ergebnisse weiter nach unten revidiert,
die Rate der Revisionen hat jedoch abgenommen. Der Rohöl-Preis hat
sich von 40 US-$ je Barrel auf über 70 US-$ je Barrel beinahe
verdoppelt.
"Jo-Jo-Effekt": Finanzmärkte und Realwirtschaft vor Stabilisierung
"Wir befinden uns nach wie vor in einer tiefen Rezession,
allerdings können wir einen Aufwärtstrend bei den
volkswirtschaftlichen Indikatoren feststellen", so Mag. Christian
Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest KAG. In den USA deuten
Frühindikatoren wie z.B. der Einkaufsmanager-Index auf eine Erholung
hin, auch Europa befinde sich auf dem Weg der Stabilisierung. "Die
USA, welche den Ausgangspunkt der Krise darstellten, zeigen früher
Anzeichen einer Erholung, in Europa müssen wir noch etwas zuwarten",
erklärt Ramberger.
Wirft man einen Blick auf die Wirtschaftsentwicklung der einzelnen
Staaten, so ist ein "Jo-Jo-Effekt" zu beobachten: Ging es nach dem
Beginn der Finanzkrise auch in der Realwirtschaft rasch und steil
bergab - die schlechtesten Wachstumsraten der Staaten wurden für das
vierte Quartal 2008 und das erste Quartal 2009 beobachtet - so geht
der Trend nun langfristig deutlich nach oben. "Für 2010 rechnen wir
weltweit mit einem moderaten Wachstum von 2,4 Prozent, wobei Asien
und die Emerging Markets deutlich positiv sind", so Ramberger. An den
Finanzmärkten zeigten in den letzten drei Monaten unterschiedliche
Indizes im "year to date"-Vergleich eine außergewöhnlich gute
Performance. Bereits seit Ende des letzten Jahres sind die
Risikoerwartungen für Investmentgradeanleihen rückläufig, für High
Yield Anleihen seit Jahresbeginn. Auch die Volatilität am Aktienmarkt
sei im Vergleich zum Jahresbeginn deutlich zurückgegangen. "Das
negative Momentum hat sich verlangsamt", erklärt Ramberger, "das
stimmt uns positiv, dass sich die Erholung fortsetzt." Die
Bewertungen sind nicht mehr so gut wie vor drei Monaten, aber immer
noch auf lange Sicht sehr attraktiv: "Das Preis/Buchwert-Verhältnis
liegt in etwa auf dem Niveau der 1930er Jahre. Das bietet aktuell
einen sehr günstigen Einstiegszeitpunkt", erklärt Ramberger.
Chancen für Anleger
"Wir sind neutral im Markt, was Aktien und Anleihen betrifft",
erklärt Bruckner die Anlagestrategie der Allianz für das kommende
Quartal.
Auf der Aktienseite empfiehlt die Allianz, Europa neutral zu
halten: In Europa hat die EZB zuletzt nochmals die Leitzinsen gesenkt
und zusätzliche Maßnahmen beschlossen, der IFO-Index deutet auf eine
leichte Erholung hin. Die Bewertung europäischer Aktien ist
historisch gesehen sowie im Vergleich zu US-Aktien sehr attraktiv -
globale Investoren sind jedoch seit Mitte 2008 in US-Aktien
übergewichtet. In Japan leidet die Exportwirtschaft aufgrund des
starken Yen am stärksten unter dem Abschwung des globalen Handels.
Japanische Banken sind von der Finanzkrise kaum betroffen. Auch bei
den Emerging Markets lautet das Anlagevotum "neutral", da diese im
ersten Halbjahr 2009 eine deutliche Outperformance verzeichnen
konnten - begünstigt durch eine Erholung bei den
Rohstoffen -, deren Fortsetzung ungewiss erscheint. Langfristig
bieten die Schwellenländer und vor allem Asien das größte
Wachstumspotenzial.
Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Europa über- und die
USA unterzugewichten. Die EZB dürfte in ihrem Zinssenkungszyklus am
Ende angelangt sein. Ebenso ist eine Erholung auf der Spread-Seite -
insbesondere auf Länderebene - zu beobachten, dennoch gibt es
interessante Einstiegsniveaus in den Euro-Peripherieländern.
Attraktive Renditen gebe es bei Investmentgrade Corporates, hier sei
jedoch eine selektive Analyse und aktives Management notwendig, so
Bruckner. In den USA lässt die FED den Leitzins im Band von 0 bis
0,25 Prozent. Die Renditen haben einen Aufschlag zu Deutschland von
aktuell 20 Basispunkten im zehnjährigen Staatsanleihenbereich, jedoch
gegenüber dem Rest des Euroraumes deutliche Abschläge. Die positive
Entwicklung bei staatsgarantierten Mortgages dürfte weiter andauern.
Japan empfehlen die Allianz Experten unterzugewichten, da das
absolute Zinsniveau weiterhin unattraktiv ist. Die Leitzinsen sind
weiter bei 0,1 Prozent, die Headline-Inflation beläuft sich seit
geraumer Zeit um 0 Prozent. Anleihen aus den Emerging Markets sollten
neutral gewichtet werden: Diese konnten seit Jahresbeginn eine sehr
gute Rendite erwirtschaften, die Spreads gingen bereits deutlich
zurück. Innerhalb der Emerging Markets sind Länder mit hohen
Währungsreserven zu bevorzugen. Positiv sollten sich auch die
Interventionen von IWF, EBRD und der EU auswirken.
Für den Gesamtausblick auf das nächste Quartal rät die Allianz
weiterhin zur Vorsicht: Wie es nach den Entwicklungen der letzten
Monate weitergehe und inwiefern sich die Stabilisierung nachhaltig
manifestieren könne, sei sehr schwierig abzuschätzen, wenngleich
grundsätzlich der Optimismus zurückkehre: "Wir sind zuversichtlich,
dass wir die Lows der vergangenen Monate nicht mehr unterschreiten
werden", so Bruckner abschließend.
Rückfragehinweis:
Dr. Marita Roloff Unternehmenskommunikation Allianz Gruppe in Österreich Hietzinger Kai 101-105, 1130 Wien Tel: 01/878 07 - 80726, Fax: - 40261 E-Mail: [email protected] Internet: http://www.allianz.at
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