Schlingensief: "Ich habe keinen Bock auf den Himmel"
An Krebs erkrankter Regisseur hat noch nicht genug vom Leben. Er plant ein Opernhaus in Afrika
Linz (OTS) - Im Interview mit der Rundschau am Sonntag erzählt der
an Lungenkrebs erkrankte Regisseur Christoph Schlingensief von seiner
Liebe zum Leben, obwohl der Gedanke an die Krankheit ihn wie eine
Zwangsjacke einenge: "Ich habe mir geschworen, dass ich mein Leben
nicht selber beenden werde. Das ist absolut indiskutabel für mich,
weil ich auf der Erde noch was zu erledigen habe. Ich habe keinen
Bock auf den Himmel." Derzeit geht es Schlingensief gut, die über 100
Metastasen in dem noch verbliebenen Lungenflügel sind verschwunden.
"Der Arzt weiß selbst nicht so genau, warum."
Offenbar spreche er auf neue Medikamente und eine
Ergänzungstherapie mit Mistel und Selen sowie auf die mentale
Unterstützung gut an. Kritik übt der Regisseur im Gespräch mit der
Rundschau am Sonntag an der Katholischen Kirche: "Die hat mir
überhaupt nicht geholfen, im Gegenteil. Ich finde, Gott darf nicht zu
dem Bild verkommen, dass er wie ein Gerichtsmensch da oben sitzt und
nichts Besseres zu tun hat, als uns zu fragen, ob wir Abends gesoffen
oder betrogen haben. Und es darf nicht sein, dass die
Altherrengesellschaft rund um den Papst die Vertreter Gottes sein
sollen."
Er habe tief in sich das Bedürfnis, "mit meinen Händen etwas zu
schaffen, das anderen Leuten in der Zukunft helfen kann. Ich will
eine Schule und ein Festspielhaus in Burkina Faso initiieren." Und
seine Freundin Aino will Schlingensief noch heuer heiraten: "Darauf
freue ich mich."
Chefredakteur der Rundschau am Sonntag
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