• 27.06.2009, 09:42:50
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Österreich: Tierversuche abermals gestiegen - eine Schande für Wissenschaft und Politik

Wien (OTS) - Wie der Ende Juni im "Amtsblatt der Wiener Zeitung"
veröffentlichten Tierversuchsstatistik 2008 zu entnehmen ist, wurden
in Österreich im Vorjahr an 220 456 lebenden Wirbeltieren und an 247
erneut verwendeten Tieren qualvolle Experimente und Tests
durchgeführt. Dies stellt gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von
über 11% und gegenüber dem Jahr 1999, seit dem die Tierversuche in
Österreich wieder kontinuierlich ansteigen, eine Zunahme von fast 70%
dar.

"Diese Zahlen sind eine Schande für die Politik, die zuständigen
Behörden und die tiergestützte Wissenschaft, deren Beteuerungen der
Öffentlichkeit weis machen wollen, größtmögliche Anstrengungen zu
unternehmen, um die Tierversuche zu reduzieren", sagt Gerda Matias,
Präsidentin des "Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner"
(IBT), angesichts des erneuten Anstiegs der Tierversuche, der dem
Auftrag des Tierversuchsgesetzes, wonach Tierversuche zu verringern
sind, seit bald einem Jahrzehnt völlig zuwiderläuft.

Tatsächliche Anzahl um Vielfaches höher

Dabei ist die Situation der Versuchstiere ist in Österreich noch
weit schlimmer als die offizielle Statistik darlegt. Denn die Zahlen
der Tierversuchsstatistik entsprechen nicht der tatsächlichen Anzahl
der Tiere, die in den Labors umkommen.Dies deshalb, weil gemäß der
gesetzlichen Definition nur jene Wirbeltiere als Versuchstiere gelten
und zählen, an denen lebend die Experimente durchgeführt werden und
von denen der Experimentator annimmt, dass sie für die Tiere mit
großen Qualen, Schmerzen und Leiden verbunden sind.

Eingriffe an lebenden Wirbellosen, an eigens getöteten
Wirbellosen, an eigens etwa für Gewebeentnahmen getöteten
Wirbeltieren und an lebenden Wirbeltieren, von denen der
Experimentator meint, dass sie für die Tiere nicht mit großen Leiden
und Schmerzen verbunden sind, gelten überhaupt nicht als
Tierversuche: Sie müssen weder gemeldet noch genehmigt, geschweige
denn statistisch erfasst werden.

Trauriger Rekord an Mäusen

Einen traurigen Rekord bei den verbrauchten Tierarten hält nach
wie vor die Maus. Im Jahr 2008 wurden an 177.544 und an 61 erneut
verwendeten lebenden Mäusen, um über 19.000 mehr, Experimente
durchgeführt. An zweiter Stelle rangieren die Kaninchen mit 18.761,
gefolgt von den Ratten mit 9.928 und 20 erneut verwendeten, wobei es
bei diesen beiden Tierarten einen leichten Rückgang zu verzeichnen
gibt.

Der größte Zuwachs, fast 350 %, ist bei Hamstern und bei Schweinen
mit einem Plus von über 300 % auszumachen. Als neue Tierart für
Versuche scheint der Marder auf. Auch an Wachteln wurden wieder
Experimente durchgeführt. Nach wie vor wurden Meerschweinchen,
Fische, Rinder, Amphibien, Schafe, Pferde, Eseln, Hunde, Ziegen,
Reptilien und Katzen verwendet.

Die meisten Tierversuche, nämlich 83.174, wurden - wie schon im
Vorjahr auch - zur Forschung und Entwicklung für Produkte und Geräte
der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt, gefolgt von den
Tests an 70.428 Tieren zur Herstellung und Qualitätskontrolle von
Produkten und Geräten der Human- und Zahnmedizin, die sich gegenüber
dem Vorjahr fast verdoppelt haben. Für Biologische Untersuchungen im
Bereich der Grundlagenforschung mit 54.423 Tieren ist eine Steigerung
um fast 30 % auszumachen.

Zur Krankheitsdiagnostik wurden 1.297 Tiere eingesetzt und für die
Allgemeine und Berufliche Bildung mussten trotz ausreichender
Ersatzmethoden 1.931 Tiere leiden und sterben - um fast 12 % mehr als
im Vorjahr.

Bei Versuchen im Zusammenhang mit menschlichen Krankheiten wurden
für Krebserkrankungen 23.426, für Herz-Kreislauf-Erkrankungen 7.051
(das sind im Vergleich zum Vorjahr fast doppelt so viele) und für
Nervenleiden und Geisteskrankheiten 5.804 Tiere verwendet.
An 8.052 Tieren wurden, um 68 weniger als im Vorjahr, die immens
belastenden Toxizitätsprüfungen durchgeführt.

Einzig erfreulich: Es wurden keine experimentelle Eingriffe an
Affen (im Vorjahr wurden noch 75 Meerkatzen verwendet) und keine
Toxizitätstests an Tieren für Produkte bzw. Stoffe durchgeführt, die
als Lebensmittelzusatzstoffe, als Futtermittelzusatzstoffe, als
Kosmetika, im Haushalt, in der Landwirtschaft und in der Industrie
verwendet werden.

Zentrale Forderung: Keine Förderung von Tierversuchen

Die TierversuchsgegnerInnen verlangen die Durchsetzung von
Maßnahmen, die endlich eine Verringerung von Tierversuchen
herbeiführen können. Sie fordern, dass Projekte, die Tierversuche
beinhalten, nicht länger mir öffentlichen Mitteln unterstützt werden.
Denn so lange für die Finanzierung von Tierversuchen ein Vielfaches
von dem ausgegeben wird, was für die Entwicklung von Ersatzmethoden
zur Verfügung steht, kann es zu keiner wesentlichen Reduktion der
Tierversuche kommen.

Rückfragehinweis:
Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: 0676/583 67 62
mailto:[email protected]
Homepage: www.tierversuchsgegner.at

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