OTS0161   26. Juni 2009, 11:40

Kleinbetriebe stehen E-Business noch skeptisch gegenüber - BILD

EBC-Podiumsdiskussion: Experten sehen Hürden, aber auch enorme Chancen - Branchengrößen erhöhen Druck auf KMU


Geschäfte von gestern: Warum Kleinbetriebe die Finger vom E-Business lassen vergrößern

Bei der APA-E-Business-Community am 25. Juni 2009 diskutierten Expertinnen und Experten über Chancen und Probleme von E-Business für Kleinunternehmen (v.l.n.r.): Harald Lakatha (IT Solution), Thomas Stern (Moderator/Braintrust), Marion Tschirk (seeyou 3.0), Peter Voithofer (oben, KMU Forschung Austria), Gerhard Laga (WKO) und Wolfgang Berger (Hewlett-Packard).

Wien (OTS) - Teure Berater, kostspielige Software und wenig Wissen
über Technik oder Einsatzmöglichkeiten: Der Einstieg ins E-Business
wirkt auf Klein- und Mittelunternehmen (KMU) oftmals abschreckend.
Besonders schwierig scheint die Situation für Kleinstbetriebe - also
Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern - zu sein. Und das sind
immerhin 90 Prozent der Unternehmen in Österreich.

"E-Business bietet Chancen, es gibt aber auch Probleme - oder
sagen wir Herausforderungen", erklärte Peter Voithofer,
stellvertretender Direktor der KMU Forschung Austria, bei einer
Podiumsdiskussion im Rahmen der APA-E-Business-Community gestern,
Donnerstagabend, in Wien. Viele Kleinbetriebe würden beim Einstieg
ins E-Business zögern, weil das notwendige IT-Know-how fehle, hohe
Aufwendungen notwendig seien oder einfach keine Relevanz für die
eigene Branche gesehen werde. Ein weiterer Grund könnte die
Altersstruktur der Unternehmer, die zum Großteil nicht mit Internet
und Co. aufgewachsen sind, sein. Allerdings stelle sich auch die
Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit, wenn auf aktuelle Entwicklungen
nicht reagiert werde.

Große Unterschiede beim Einsatz neuer Technologien gebe es
einerseits abhängig von der Branche, andererseits bei der
Betriebsgröße, so Voithofer. Denn rund ein Drittel der
Ein-Personen-Unternehmen (EPU) könnte als "Nebenerwerbsunternehmer"
bezeichnet werden, weil sie ihr Geschäft beispielsweise neben einem
anderen Arbeitsverhältnis betreiben. Die verschiedenen Spielarten des
E-Business würden dementsprechend unterschiedlich genutzt: Vom
Steuerberater, der vor allem mit Ämtern online kommuniziert, bis zum
Installateur, der über Nacht die aktuellen Preise des Großhändlers
eingespielt bekommt.

KMU profitieren von "Long Tail-Prinzip"

Einer der Vorteile des E-Business sei, dass bei der Distribution
von digitalen Gütern praktisch keine Lagerkosten entstünden. "Amazon
erzielt mit Liedern, die es im Handel gar nicht gibt, weil sie nur
selten verkauft werden, hohe Umsätze", sagte Gerhard Laga, Leiter des
E-Centers der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Von diesem
sogenannten Long-Tail-Prinzip - wonach man im Internet auch mit
Nischenprodukten Erfolge erzielen kann - würden auch KMU profitieren.

Viel Potenzial sieht der Experte auch bei der elektronischen
Rechnungslegung. Nachdem in diesem Bereich lange Zeit relativ wenig
passiert sei, würden die Großbetriebe den Kleinunternehmen inzwischen
keine Wahl mehr lassen und die Digital-Umstellung zur Bedingung für
ihre Lieferanten machen.

Hewlett-Packard (HP) akzeptiere inzwischen nur noch elektronische
Rechnungen, habe dadurch aber keine Lieferanten verloren. "Wenn Druck
da ist, ist das kein Problem", erklärte Wolfgang Berger von HP.
Generell sei derzeit eine massive Veränderung des Kundenverhaltens
feststellbar. "Viele Unternehmen reagieren darauf nicht und überleben
trotzdem. Aber wer die Käuferschicht der Zukunft haben will, muss
etwas tun", ist Berger überzeugt. Auch im IT-Bereich seien viele
Betriebe zu langsam gewesen und dadurch in die Pleite geschlittert.

"E-Business setzt ein Zusammenspiel von IT-Anbietern, Beratern und
Unternehmen voraus. Wenn das funktioniert, profitieren alle davon",
ergänzte Harald Lakatha, Geschäftsführer des Softwareanbieters IT
Solution. Denn mindestens ebenso wichtig wie die Technologie sei die
organisatorische Umstellung der Geschäftsprozesse.

Geschäftsmodelle müssen adaptiert werden

E-Business biete viele Möglichkeiten. Auch Handwerker könnten die
aktuell schwierigen Zeiten durchtauchen und beispielsweise bei
Ersatzteilen sparen, wenn sie auf Online-Beschaffungsplattformen
einkaufen würden. "Das Problem ist, dass viele E-Business-Modelle aus
dem Großkundenbereich kommen. Diese müssen entsprechend adaptiert
oder komplett neu entwickelt werden, um sie in den KMU-Markt
hineinzutragen", so Lakatha.

"Manche Betriebe brauchen E-Business nicht und wollen es nicht.
Aber die Chancen und Möglichkeiten sind enorm", pflichtete Marion
Tschirk, Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens seeyou 3.0, bei.
In den nächsten Jahren werde die Entwicklung in den KMU ankommen.
"Denn der Druck von Herstellern und Lieferanten weitet sich aus", so
Tschirk.

Generell sei es "reine Zeit- und Ressourcenverschwendung", wenn
Kleinunternehmen eine Software installieren, Foren, einen Chat oder
Bewertungsmöglichkeiten auf der Website integrieren, ohne sich zuvor
überlegt zu haben, wozu sie das brauchen beziehungsweise wie sie das
organisatorisch bewältigen. Technik alleine reiche nicht aus, weil
E-Business auch eine andere Organisationsform und Marktausrichtung
voraussetze, betonte Tschirk. Gefragt seien pragmatische Lösungen für
konkrete Problemstellungen.

Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:

- Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com
- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc
- economyaustria economyaustria.at
- Hewlett-Packard www.hp.com/at
- IT Solution GmbH www.itsolution.at
- Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net
- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria
- NAVAX Consulting AG www.navax.at
- NextiraOne www.nextiraone.at
- seeyou 3.0 www.seeyou.at
- Senactive www.senactive.com
- Telekom Austria www.telekom.at
- WirtschaftsBlatt Verlag AG www.wirtschaftsblatt.at
- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at
- APA-MultiMedia multimedia.apa.at

Rückfragehinweis:
E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
ebc@apa.at
Web: http://ebc.apa.at

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