ÖIAT-Studie: Elektronische Zahlungsmittel viel besser als ihr Ruf
Wien (OTS) - Elektronische Zahlungsmittel spielen beim
Online-Shopping eine wichtige Rolle. Es gibt jedoch wesentliche
Unterschiede bei Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit, Service,
Akzeptanzstellen und Kosten. Damit ist eine große Verunsicherung der
Konsumenten verbunden. Das Österreichische Institut für angewandte
Telekommunikation (ÖIAT) hat jetzt erstmals die wichtigsten
Online-Zahlungsmittel Österreichs verglichen und im Praxistest unter
die Lupe genommen. Ergebnis: es gibt zwar einige Fallen und Anbieter
mit deutlichem Verbesserungsbedarf, grundsätzlich sind elektronische
Zahlungsmittel aber besser als ihr Ruf.
Elektronische Zahlungsmittel gewinnen durch das stete Wachstum des
Online-Shoppings immer mehr an Bedeutung. Beinahe die Hälfte der
Österreicher hat heute bereits zumindest einmal im Internet
eingekauft.
Vielfach gibt es aber Verunsicherung bei den Konsumenten und
Skepsis gegenüber dem Einsatz dieser neuen Zahlungsmittel. Daher hat
das durch Projekte wie den Internet Ombudsmann oder Saferinternet.at
bekannte Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation
(ÖIAT) die für den österreichischen Markt wichtigsten Zahlungssysteme
erstmals verglichen und im Rahmen eines Praxistests genau unter die
Lupe genommen.
Überprüft wurden folgende Anbieter: "ClickandBuy", die
Online-Überweisung "eps", Kreditkartenzahlungen mit und ohne
Online-Sicherheitssystem (am Beispiel des Markführers VISA bzw.
"Verified by VISA"), die Prepaid-Karte "paysafecard", die
Handy-Zahlung mittels "paybox" sowie der Anbieter "PayPal".
Verglichen und bewertet wurde in folgenden Kategorien:
Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit, Kundenservice, Akzeptanzstellen
und Kosten. Alle Tests wurden unter Einbeziehung von Konsumenten
durchgeführt, um von der Anmeldung bis zum tatsächlichen Einsatz der
Zahlungsmittel praxisnahe Rahmenbedingungen sicherzustellen.
Anmeldung zu elektronischen Zahlungsmitteln oft kompliziert
Die Benutzerfreundlichkeit eines Zahlungsmittels beginnt schon bei
der Anmeldung. Der Praxistest zeigte: Ist die Anmeldung zu
kompliziert oder zu zeitaufwändig, steigen die Kunden aus, verzichten
auf die Nutzung von Sicherheitsfunktionen, oder nutzen lieber andere,
einfachere Zahlungsmöglichkeiten, wie etwa Nachnahme-Rechnung oder
Vorauskasse per Überweisung.
Dazu Bernhard Jungwirth, Projektkoordinator ÖIAT: "Das optimale
Online-Zahlungsmittel ist schnell verfügbar, einfach zu bedienen und
trotzdem sicher. Die Benutzerfreundlichkeit, die Anmeldung und die
Erklärung aller Anwendungsmöglichkeiten und Sicherheits-Funktionen
sind daher besonders wichtig und sollten bei den meisten Anbietern
verbessert werden."
Konsumenten ist einfache Nutzung besonders wichtig -
Benutzerfreundlichkeit geht jedoch oft zu Lasten der Sicherheit
Testsieger in der Kategorie "Benutzerfreundlichkeit" wurden die
Shopping-Wertkarte "paysafecard" und "ClickandBuy" (je 34 von 40
Punkten), gefolgt von der klassischen Kreditkarte und der
Handyzahlung "paybox" (je 32 Punkte). Platz 3 belegt die Kreditkarte
mit 3D-Online-Sicherheits-System (am Bsp. "Verified by VISA") mit 30
Punkten aus unterschiedlichen Einzelwertungen.
"Es gibt mehrere sehr einfach zu nutzende Online-Zahlungsmittel am
Markt. Bedauerlich ist, dass gerade die sichersten Zahlungsmittel bei
einigen Aspekten der Benutzerfreundlichkeit Aufholbedarf haben. Das
gilt es zu verbessern, damit die Konsumenten diese auch wirklich
einsetzen", so Jungwirths Fazit über die Teilergebnisse der Kategorie
"Benutzerfreundlichkeit".
Testergebnis: Mit Kreditkarten online Zahlen bietet wenig Sicherheit
- Zahlungen per Handy, "PayPal" oder "eps" sind deutlich sicherer
In der Kategorie "Sicherheit" wurden alle in der Praxis für
Konsumenten sicherheitsrelevanten Faktoren überprüft: die Gefahr von
Phishing, die Möglichkeit der Mehrfachbelastung, die
Authentifizierung des Nutzers, die Sicherheit der Datenübertragung,
die Kontroll- und Sperrmöglichkeiten sowie die Haftung bei
Missbrauch.
Dazu Jungwirth: "Durch die genaue und erstmals gemeinsame
Überprüfung aller Faktoren, die in der Praxis für Konsumenten immer
wieder zu Problemen führen, sind wir in der Kategorie 'Sicherheit' zu
sehr aussagekräftigen, aber auch überraschenden Ergebnissen
gekommen."
Testsieger der Kategorie "Sicherheit" wurde das Bezahlen mit dem
Handy "paybox" mit 35 von 40 Punkten. Auf den Plätzen Zwei und Drei
finden sich "PayPal" (30 von 40 Punkte) und "eps" (26 von 40 Punkte).
Überraschender Weise kann die Kreditkarte (mit und ohne
"Verified"-Funktion) - obwohl bei den Nutzerzahlen klarer Marktführer
beim Online-Shopping - in der Kategorie "Sicherheit" mit den anderen
getesteten Online-Bezahlsystemen nicht mithalten. Mit nur jeweils 18
von 40 Punkten finden sich die beiden getesteten
Kreditkartenanwendungen (klassisch und 3D Secure) auf dem letzten
Platz in dieser Kategorie. Für die Kreditkarten sprechen jedoch das
gute Kundenservice der verschiedenen Anbieter, und dass im Schadens-
und Beschwerdefall Rückzahlungen relativ unbürokratisch erfolgen.
Dies hat auch der Praxistest des ÖIAT in der folgenden Kategorie
"Kundenservice" bestätigt.
Telefon-Hotlines mit Verbesserungspotenzial: "VISA" Testsieger beim
Telefonservice
Auch die Kunden-Information der verschiedenen Anbieter wurde genau
getestet. Bewertet wurden, neben den Gebühren der Service-Hotline,
die Wartezeit und die zeitliche Verfügbarkeit der Hotline. Weiters
wurde besonderes Augenmerk auf die inhaltliche Richtigkeit und den
Wahrheitsgehalt der Informationen gelegt.
Fazit: Verbesserungspotenzial gibt es bei allen getesteten
Kundenhotlines. Absolute Topwerte bei den möglichen Punkten erreichte
niemand, als Testsieger in dieser Kategorie am besten abgeschnitten
hat jedoch das Telefonservice der Kreditkarte "VISA" mit 28 von 40
Punkten. Die "paybox"-Hotline belegte dahinter mit 22,5 Punkten den
zweiten Platz, "eps" mit 18 Punkten den dritten. Abgeschlagen im
Kundenservice-Test sind "PayPal" und "ClickandBuy", bei denen sich
vor allem die langen Wartezeiten und die oft mangelnde Qualität der
Auskünfte negativ in der Punktewertung niederschlugen.
Große Unterschiede bei den Kosten von Internet-Zahlungsmitteln
Die Basis-Jahresgebühren elektronischer Zahlungsmittel variieren
zwischen 0 und über 20 Euro sehr stark. Die unterschiedlichen
angebotenen Leistungen und Tarifsysteme sind dabei selbst für
Experten nur schwer vergleichbar - auch das zeigte die Studie des
ÖIAT deutlich auf. Daher gibt es in dieser Kategorie keinen
eindeutigen Sieger.
Neben jenen Anbietern, die das Bezahlen vollkommen gratis
ermöglichen ("eps", "PayPal"), gibt es Dienste, die wiederum nur
fallweise Transaktionsgebühren verrechnen (z. B. "ClickandBuy" bei
Kreditkarteneinzahlungen auf das Konto) und solche, die nur bei
einigen speziellen Tarifmodellen fixe Jahresgebühren verrechnen.
Handy-Bezahlen mit "paybox" ist zum Beispiel dann kostenlos, wenn die
Einkäufe über die Handyrechnung bezahlt werden, bei Abbuchung vom
Konto fallen - wie auch bei den verschiedenen Kreditkartenanbietern -
unabhängig von der Transaktionsanzahl fixe jährliche Gebühren an.
"Im Zuge der Überprüfung der Kostenstruktur hat sich auch gezeigt,
dass bei den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) praktisch aller
Anbieter großen Erklärungs- und Verbesserungsbedarf haben. Selbst
wenn es rechtlich nur wenige Kritikpunkte gibt, sind die AGB meist so
kompliziert und unverständlich formuliert, dass Streitfälle in der
Praxis nur unter Einbeziehung von Experten zu lösen sind", so
Jungwirth abschließend.
Tipps der Studienautoren für Konsumenten
- Alle Sicherheitsfeatures - auch optionale - immer nutzen (z. B. Auswahl eines Passworts oder PIN-Codes).
- Zahlungsinformationen (Passwörter, Codes, etc.) immer sicher und getrennt voneinander aufbewahren - besser auswendig lernen.
- Regelmäßig die Transaktionen/Kontoauszüge kontrollieren.
- Daten im Internet nur über verschlüsselte Verbindungen eingeben (Adresse beginnt mit https://, Vorhängeschloss unten in der Browser-Statusleiste).
- Sichere Passwörter verwenden (mindestens acht Zeichen; Kombination aus Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen) und diese regelmäßig ändern.
- Über die technische Funktionsweise des Zahlungsmittels informieren. Nur so kann man mögliche Risken beurteilen.
- Vorab informieren, ob und wie das Zahlungsmittel bei Verlust/Diebstahl gesperrt werden kann (Kosten?), damit das im Ernstfall rasch erledigt werden kann.
- Vorsicht bei Phishing: Zahlungsmittelbetreiber fragen niemals per E-Mail nach persönlichen Zahlungsinformationen.
- Immer ein Antiviren-Programm und eine Firewall nutzen und Software-Updates ausführen.
Über die Studie
Getestete Zahlungsmittel: ClickandBuy www.clickandbuy.at, eps
Online-Überweisung www.stuzza.at, Kreditkarte (Bsp. VISA)
www.cardcomplete.at, Kreditkarte 3-D Secure (Bsp. Verified by VISA)
www.cardcomplete.at, paysafecard www.paysafecard.at, paybox
www.paybox.at, und PayPal www.paypal.at.
Zeitraum der Untersuchung: März/April 2009
Methode:
Die Zahlungssysteme wurden in den Kategorien "Sicherheit",
"Benutzerfreundlichkeit", "Kundenservice & Features", "Akzeptanz" und
"Kosten" getestet. Die Bewertung erfolgte vergleichend anhand von
Praxistests mit Konsumenten sowie durch weiterführende Recherchen und
Analysen (Konditionen, AGB, Funktionsweisen) der Experten des ÖIAT.
Die Gewichtung der Punktevergabe erfolgte praxisnah unter
Berücksichtigung der tatsächlichen Anfragen und Beschwerdefälle im
Rahmen der ÖIAT-Projekte Internet Ombudsmann, E-Commerce-Gütezeichen
und bei Saferinternet.at.
U. a. wurden folgende Praxistests durchgeführt:
- Transaktionskontrolle: Durchführung einer Zahlung und Messung der Zeitspanne bis zum Erhalt einer Zahlungsbestätigung; Überprüfung, ob es einen Zugang zu einer Gesamtübersicht aller Transaktionen gibt und Kontrolle, ob diese aktualisiert wird.
- Haftung bei Missbrauch durch Dritte: Tätigung eines Einkaufs und Meldung beim Zahlungsmittelanbieter, dass der Zahlungsvorgang durch einen unbefugten Dritten initiiert wurde. Dokumentation des Vorgehens des Zahlungsmittelbetreibers.
- Verständlichkeit des Zahlungsmittels vor Anmeldung: Einschätzung der Verständlichkeit durch Experten des ÖIAT und mit Hilfe von Usability-Tests unter Einbezug von Testpersonen.
- Dauer der Verzögerung der Anmeldung bis zum ersten möglichen Einkauf: Durchführung einer Anmeldung und Messung der Zeit bis zur ersten möglichen Verwendung des Zahlungsmittels.
- Qualität der Auskunft/Wartezeit: Kontaktaufnahme mit der Telefon- Hotline des Anbieters mit vorab definierten Testfragen zu relevanten Themen (z.B. Möglichkeit einer Sperre; was tun, wenn das Passwort/PIN verloren wurde, etc.).
Kategorie-Testsieger auf einen Blick:
Benutzerfreundlichkeit:
1. ex aequo: paysafecard, ClickandBuy
2. paybox, Kreditkarte (Bsp. VISA)
3. Kreditkarte 3-D Secure (Bsp. Verified by VISA)
Sicherheit:
1. paybox
2. PayPal
3. eps
Kundenservice:
1. Kreditkarte (Bsp. VISA),
Kreditkarte 3-D Secure (Bsp. Verified by VISA)
2. paybox
3. eps
Kosten:
Keine Gebühren bei "ClickandBuy" (Gebühr fällt an, wenn Einzahlung
auf das Konto über Kreditkarte erfolgt), "eps", "paysafecard",
"PayPal" und "paybox" (bei Bezahlung über die Handyrechnung).
Jahresgebühren bei Kreditkarte und "paybox classic".
Akzeptanzstellen:
Größtenteils sind keine Angaben von Zahlungsmittel-Anbietern zur
Verbreitung bei österreichischen Online-Shops erhältlich, weshalb
keine Wertung möglich war. Die höchste Verbreitung weist die
klassische Kreditkarte auf.
Über das ÖIAT
Das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation
(ÖIAT) wurde 1997 als unabhängiger und gemeinnütziger Verein mit
wissenschaftlichem Beirat gegründet. Ziel des ÖIAT ist es,
KonsumentInnen, Unternehmen, non-profit Organisationen und die
Öffentliche Hand beim sicheren und effizienten Einsatz von
Informations- und Kommunikationstechnologien zu unterstützen. Das
ÖIAT ist Mitglied des österreichischen Dachverbandes der kooperativen
Forschungseinrichtungen (ACR).
Mag. Bernhard Jungwirth
Tel: +43-1-595 21 12
E-Mail: jungwirth@oiat.at
http://www.oiat.at














