• 29.05.2009, 12:02:51
  • /
  • OTS0199 OTW0199

OVS174: IT-Prognosen im Realitäts-Check: Wo die Branchenkenner irrten... - BILD/VIDEO

...und wo sie recht behielten - Experten beleuchteten visionäre Vorhersagen und eklatante Fehleinschätzungen bei der 100. Veranstaltung der APA-E-Business-Community

Wien (OTS) - Wer erinnert sich noch an das große Potenzial, das
WAP und UMTS vorhergesagt wurde, an den durch die Bürgerkarte
erwarteten Boom von E-Government oder den Hype um Second Life? Was
wurde aus dem Siegeszug von Paid Content oder der digitalen
Konvergenz, die TV, Internet, Computer und Handy verschmelzen lässt?

Prognosen stellen sich - wie man aktuell auch an der laufenden
"Adaption" der Konjunktureinschätzung durch Wirtschaftsexperten sehen
kann - häufig als falsch heraus oder sind schon bald wieder überholt.
Bei den Auguren der IT- und Telekombranche ist das nicht anders. Wo
die Branchenkenner ins Schwarze trafen und in welchen Bereichen der
Blick in die Glaskugel eher getrübt war, haben Experten gestern,
Donnerstagabend, bei der 100. Veranstaltung der
APA-E-Business-Community (EBC) beleuchtet.

"Wir haben gute Prognosen gemacht, sind aber auch oft furchtbar
danebengelegen", erklärte Thomas Lutz, Unternehmenssprecher von
Microsoft Österreich. Wobei so manches gehypte Thema - wenn auch
verspätet - so doch noch am Markt angekommen sei. Als Beispiel nannte
er etwa das unter dem Begriff "Mietsoftware" bekanntere Application
Service Providing (ASP), das nun als Cloud Computing deutlich
erfolgreicher sei. Die "digitale Konvergenz" gebe es ebenfalls zum
Teil schon in Form des Media Centers, "das läuft aber noch etwas
holprig".

Internet ist "ein Hinterhof von Google"

Eine Fehleinschätzung der Branche sei auch gewesen, dass das
Internet als Garten gesehen werden könnte, den die User vor allem
durch Web-Portale betreten. "Heute ist das Internet ein Hinterhof von
Google", so Lutz. Und das, obwohl es laut Schätzungen 500 Mal mehr
Online-Inhalte gebe als von der Suchmaschine indiziert. Als nicht so
großen Erfolg sieht der Microsoft-Manager anscheinend auch den Kauf
von YouTube durch Google: "Was wurde bisher damit verdient?", fragte
er.

Dass bei vielen gehypten Entwicklungen das Geschäftsmodell
vollkommen unklar sei, bestätigte Rainer Friedl, CTO des Consulters
diamond:dogs: "Das sieht man auch bei FlickR oder MySpace." Außerdem
sei der richtige Zeitpunkt entscheidend. Lion.cc habe beispielsweise
bereits vor zehn Jahren Konzerte live im Internet übertragen,
allerdings wurde ein Erfolg durch die mangelhafte
Breitbandverbreitung verhindert. "Es hat viele Video-Plattformen
gegeben. Bei YouTube sind der richtige Zeitpunkt, ausreichend
Venture-Kapital und Glück zusammengekommen", so Friedl.

Suche nach "Killer-Applikation" oft gescheitert

Dadurch sei die Branche wachgerüttelt worden, ergänzte Thomas
Stern, Geschäftsführer des auf neue Medien spezialisierten
Unternehmens Braintrust: "Allerdings profitieren davon jetzt andere
und nicht YouTube." Generell sei die Suche nach einer
"Killer-Applikation" oft gescheitert, viele UMTS-Dienste hätten
einfach nicht funktioniert. "Die einzige ‘Killer-Applikation‘ ist das
Internet selbst und nicht eine einzelne Anwendung", so Stern. Denn
letztendlich stünde die Nutzung und nicht die technische Machbarkeit
im Vordergrund.

Bei YouTube gehe es dementsprechend auch um die Umwegrentabilität,
sagte Wolfgang Leindecker, Director Marketing & Consulting bei
NextiraOne Austria. Durch die Video-Plattform erhalte Google
Informationen über die User und profitiere von der Verwertung dieser
Daten. Der in diversen Internet-Videos prophezeite "Angriff auf die
die letzten Bastionen der Hoheit über Informationen" sei zwar eine
"dunkle Prognose". Diverse Google-Dienste würden aber schon in diese
Richtung gehen, so Leindecker bei der von APA-MultiMedia gegründeten
Veranstaltungsreihe.

Bürgerkarte enttäuschte die Erwartungen

Er selbst habe beispielsweise das Thema E-Government falsch
eingeschätzt. "Ich war der Meinung, dass bald jeder mit einer
Bürgerkarte mit digitaler Signatur ausgestattet ist und damit im
Internet einkauft", so Leindecker. Daneben gelegen sei er auch mit
der Erwartung, dass die Unternehmen schon bald die Bedeutung von
IT-Sicherheit als Wettbewerbsvorteil erkennen würden. Dennoch wagte
auch er eine Prognose: "Die Kommunikation läuft künftig
ausschließlich über IP-Netze."

Als Trend der Zukunft sieht Microsoft-Sprecher Lutz die Evolution
der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, "von der grafischen
Benutzerführung hin zu einer natürlichen Anwenderführung mit
Touchscreen, Handschrift, Spracheingabe, Gesten- und
Sprachsteuerung". Die "Killer Applikation" sei die Handhabbarkeit:
"Deshalb ist das iPhone so populär. Nicht weil es so ein tolles
Telefon oder so ein toller Computer ist", erklärte Lutz.

Leichter Dämpfer für Web 2.0

Generell werde viel probiert, darauf folge der große Hype,
anschließend ein Crash und dann die Rückkehr zur verbreiteten
Nutzung, erklärte Rainer Friedl. Ein Beispiel dafür sei das viel
zitierte Web 2.0. "Das hat eine Spitze erlebt und jetzt geht es
wieder etwas runter." Nun stünde der überlegte, sinnvolle Einsatz im
Vordergrund. Seine Prognose für die nächsten Jahre: "Video und Bild
werden zu großen Motoren der Entwicklung, egal ob am Handy oder zu
Hause."

Für Heiterkeit sorgte bei der Veranstaltung ein illustr(iert)er
Streifzug durch die Entwicklung der IKT-Branche seit 2001 - dem
Gründungsjahr der EBC - sowie ein Rückblick auf andere Meilensteine
und Skurrilitäten. In Szene gesetzt wurde der Showblock von
APA-Chefredakteur Michael Lang und Langzeit-EBC-Moderator Thomas
Stern. Bei Cocktails und einer Torte klang der Jubiläums-Event
schließlich charmant aus.

Service: Fotos des Events unter:
http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=200905&e=20090528_e&a=event

Anhänge zu dieser Aussendung finden Sie als Verknüpfung im
AOM/Original Text Service sowie im Volltext der Aussendung auf
http://www.ots.at .

Rückfragehinweis:
E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
mailto:[email protected]
Web: http://ebc.apa.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MMM

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel