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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wenn Opel wirklich pleitegeht, ist auch Guttenberg am Ende"
Ausgabe vom 25.05.2009 (Von Rainer Strunz)
Graz (OTS) - Für die deutsche Politik war die Angelegenheit bis
zum Wochenende fast "gegessen". Sie wollte den schwer angeschlagenen
Autokonzern Opel am liebsten in die Hände des
kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna legen, mit Fiat und
dem Finanzinvestor Ripplewood dürfte zuletzt nur noch pro forma
verhandelt worden sein. Die Regierungsspitzen in Berlin schienen sich
einig, ebenfalls drei der vier Ministerpräsidenten jener
Bundesländer, in denen Opel große Werke hat. Lediglich
Nordrhein-Westfalen sträubte sich gegen Magna, da offenkundig
durchgesickert war, dass das Astra-Werk in Bochum am stärksten vom
Sparkurs getroffen würde.
Generell ging es der deutschen Politik - und wer will ihr das
verübeln - wohl darum, dass der potenzielle Investor im eigenen Land
möglichst wenig Stellen streicht - wenn GM-Europa bluten muss, dann
in Großbritannien oder Belgien.
Seit gestern kann man diese leicht durchschaubaren Überlegungen
vergessen, der nicht nur hierzulande, sondern mittlerweile auch im
Norden geläufige Slogan "Magna mag man eben" scheint nicht mehr zu
gelten. Der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg
hat sich nämlich weit hinausgelehnt und lautstark via Bild-Zeitung
verkündet, nach dem derzeitigen Stand der Dinge sei eine Insolvenz
die bessere Möglichkeit.
Damit dürfte der fast schon entschiedene Dreikampf um Opel wieder
völlig offen sein. Die Zitterpartie um Opel geht weiter, ob
Guttenberg mit seiner Insolvenz-Variante den Poker nur neu eröffnen
wollte oder einen abgründigen Schachzug tat, wird sich erst weisen.
Viel Zeit bleibt der deutschen Politik indes nicht. Die von der
US-Regierung über die Opel-Mutter General Motors verhängte Schonfrist
läuft Ende Mai aus, in Berlin wird daher der 28. als jener Tag
genannt, bis zu dem eine Grundsatzentscheidung über Opel getroffen
werden muss. Und damit die Sache nicht allzu einfach wird, müsste GM
seinen Opel-Anteil noch in dieser Woche bei einem Treuhänder
"parken". Gelingt dies nicht, könnte Opel in die Wirren der
General-Motors-Pleite geraten, mit der in der nächsten Woche zu
rechnen ist.
Karl-Theodor zu Guttenberg hat mit seiner Pleite-Option so kurz vor
dem Ziel hoch gepokert. Ob seine Rechnung aufgeht und Magna oder Fiat
sich mit noch dickerer Brieftasche und noch üppigeren
Arbeitsplatzgarantien über den Tisch ziehen lassen, bleibt offen.
Verliert Guttenberg, ist das aber wohl nicht nur das Ende von
Opel.****
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