OTS0315   14. Mai 2009, 16:47

Ein trauriges Jubiläum: 30 Jahre Abtreibung am Fleischmarkt



Offener Brief an pro:woman Geschäftsleiterin Elke Graf

Linz (14.05.2009, JfdL-tb).

Sehr geehrte Frau Graf,

Ihre Pressemeldung vom 13. Mai 2009 über Ihre Klinik am
Fleischmarkt möchte ich zum Anlass nehmen, die in Ihrem Haus gelebte
Praxis der Abtreibung zu hinterfragen.

Erschreckend ist die Tatsache, dass gerade der Anteil der jungen
Frauen, die eine Abtreibung vornehmen lassen, in den letzten Jahren
so stark gestiegen ist. Sie kritisieren in diesem Zusammenhang die
mangelnde Aufklärung über Verhütung und Sexualität. Als junger Mensch
muss ich Ihnen entgegenhalten, dass gerade in den Schulen und in den
Jugend-Medien (z.B. Bravo) sehr viel und sehr umfassend über die
Verwendung von Verhütungsmitteln aufgeklärt wird. Ich habe alle diese
Aufklärungskampagnen über mich ergehen lassen und die
Verhütungstechniken sind mir alle bekannt.

Meine weitere Entwicklung führte dazu, dass ich die menschliche
Dimension der Sexualität erkannte. Zur biologischen Dimension der
Fortpflanzung gehört untrennbar die menschliche Dimension der Liebe.
Eine reine Verhütungsmentalität führt dazu, dass man die
Schwangerschaft als Risiko empfindet und Abtreibungen damit
rechtfertigt, dass dadurch unsichere Verhütungsmittel kompensiert
werden.

Daher behaupten Sie auch, dass sich Abtreibungen nie vermeiden
werden lassen. Daraus schließe ich, dass Sie Abtreibungen nicht
deswegen durchführen, weil Sie es gerne tun, sondern weil Sie
Abtreibungen für notwendig erachten. Warum diese Resignation vor dem
Leben? Haben Sie etwa Angst vor einer Gesellschaft, in der alle
ungeborenen Kinder gewollt sind und mit Freude erwartet werden? Es
ist freilich nicht leicht, an einer solchen Gesellschaft zu arbeiten.
Aber ist das Leben das nicht wert? Wollen wir nicht endlich eine
Gesellschaft, in der das Recht auf Leben gänzlich geachtet wird?

Eine reine Verhütungsmittelmentalität führt aber leider dazu, dass
sich die Menschen fragen, was sie tun müssen, um bloß keine Kinder in
die Welt zu setzen. Die menschliche Frage wäre aber: Mit wem kann ich
es mir vorstellen, Kinder zu haben? Fortpflanzung ist nichts
Schlechtes, es ist schön, dass Kinder geboren werden.

Ich bin in diese Welt, in der Abtreibungen ganz selbstverständlich
durchgeführt werden, einfach hineingeboren worden. Ich kann von Glück
sprechen, dass ich nicht abgetrieben wurde. Aber ich kann nicht mit
ansehen, wie einfach weiter abgetrieben wird, so als wäre es eine
Errungenschaft der Moderne, einen ungeborenen Menschen umzubringen.
Das hat man vor mehr als zweitausend Jahren auch schon versucht und
praktiziert. Heute wird getan, als wäre Abtreibung eine medizinische
Errungenschaft, genau genommen ist aber nur das Verfahren des
Absaugens und das Verfahren mit Mifegyne ein Novum des 20.
Jahrhunderts. Das klinisch saubere Verfahren täuscht vor, dass es
sich um einen medizinischen Eingriff handelt, in Wahrheit wird aber
niemand geheilt, sondern ein Menschenleben ausgelöscht. Auch für die
Frau bleibt die Abtreibung das, was sie schon vor 40 Jahren war: eine
schwere Verletzung des Muttermundmuskels.

Sicherlich ist ein Kind nicht immer geplant und "erwünscht" - das
ist die Realität, vor der ich die Augen nicht verschließe. Als
Gesellschaft können wir einer Frau, die ein Kind erwartet, Hilfe
anbieten und ihr Mut zu einem gemeinsamen Leben mit ihrem Kind machen
oder wir bieten ihr eine Abtreibung an. Damit übergehen wir aber ihre
Probleme und ignorieren ihre Notlage, denn keine Frau will abtreiben.
Bitte denken Sie darüber nach, welchen "Beitrag" Sie leisten - oder
ob es nicht eher ein Zerstören und Vernichten ist, das aus
Hoffnungslosigkeit entsteht und in die Hoffnungslosigkeit führt.

Daher meine deutliche Forderung an Sie: Bitte schließen Sie Ihre
Klinik. Abtreibungen helfen niemandem. Die wahren Probleme liegen
nämlich ganz woanders. Gegen die Hoffnungslosigkeit im Leben
allgemein und insbesondere im Schwangerschaftskonflikt können wir
gemeinsam sehr viel tun: Das beginnt mit der Erkenntnis, dass das
Leben ein zu wertvolles und zu hohes Gut ist, um Abtreibungen einfach
zuzulassen.

Briefe ersetzen niemals das persönliche Gespräch. Gerne würde ich
mich mit Ihnen treffen, auch um eventuell aufgetretene
Missverständnisse auszuräumen.

Mit freundlichen Grüßen,

Tobias Beier
Vorsitzender von Jugend für das Leben

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OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0315 2009-05-14 16:47 141647 Mai 09 NEF0016 0658



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