• 14.05.2009, 13:12:10
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FTI-Strategie 2020 des Forschungsrates will Korrektur der "Innovations-Schieflage" in Österreich durch Wettbewerb, Flexibilisierung und Evaluierung

Wien (OTS) - "Österreich steckt überdurchschnittlich viele
Ressourcen in Forschung, Technologie und Innovation - und generiert
damit im Vergleich nur einen unterdurchschnittlichen Output. Diese
Schieflage im heimischen Innovationssystem müssen wir korrigieren."
Mit diesen Worten bringt der Vorsitzende des Rates für Forschung und
Technologieentwicklung, Knut Consemüller, die Zielsetzung der
FTI-Strategie 2020, die als Arbeitsentwurf Donnerstag in Wien
vorgestellt wurde, auf den Punkt.

Österreich, so Consemüller, weise trotz einiger Schwächen - z.B.
mangelnde Verfügbarkeit von Risikokapital oder Defizite im Bereich
der tertiären Ausbildung - hervorragende Ausgangsbedingungen auf.
"Wir sind derzeit unter den Top Ten und besitzen gute Chancen auf
einen Stockerlplatz im EU-Innovations-Ranking. Und diese Chancen
sollten wir auch wahrnehmen, denn Forschung und Entwicklung stellen
die Basis unserer künftigen Wettbewerbsfähigkeit dar und müssen daher
gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verstärkt gefördert
werden. Rund zwei Drittel des realen Wachstums in Österreich werden
durch Forschung und Qualitätsverbesserung der Produktionsfaktoren,
also etwa Höherqualifizierung der Arbeitskräfte, erzielt. Dies wissen
wir aus der umfassenden Analyse des Rates zur Entwicklung der
Humanressourcen in Österreich."

Die Steigerung der F & E-Ausgaben des Bundes von 2,337 Millionen
Euro im Jahr 2008 auf 2,566 bzw. 2,780 Millionen Euro in den Jahren
2009 und 2010 wertet er als "Signal des guten Willens"; nach
derzeitiger Budgetplanung kommt es jedoch ab 2011 zu einem Rückgang.
Laut den bisherigen Vorschlägen blieben bis 2013 im Mittel 2,595
Millionen Euro jährlich. "Wir nähern uns zwar dem angestrebten Ziel
von 3% F&E-Anteil am BIP an, (aktuell: 2,73%, also deutlich höher als
der OECD- oder EU-Durchschnitt) werden es aber nicht erreichen.
Schlimmer noch ist, dass wir den Zielpfad von 8-10% Steigerung pro
Jahr beim F&E-Aufwand verlassen." Daher muss auch die in der
Regierungserklärung genannte 4%-Forschungsquote als Ziel für 2020
angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einer neuen
Bewertung unterzogen werden.

Die FTI-Strategie 2020 sieht als Leitprinzipien u.a. eine
Fokussierung der österreichischen Forschungs-, Technologie- und
Innovationspolitik auf die bereits bestehenden Stärkefelder sowie
generell mehr Wettbewerb bei der Vergabe von Geldern/Fördermitteln
vor. Das bedeutet, "dass schwache Gebiete mittelfristig auslaufen und
neue Themen nur angegangen werden, wenn darin kurz- bis mittelfristig
eine Spitzenstellung Österreichs erlangt werden kann. Konkret heißt
das beispielsweise eine Kürzung der Mittel des General University
Funds (GUF) sowie eine Budgetsteigerung für den FWF", erläuterte
Consemüller. "Wir müssen die Frage nach der Hebelwirkung der
eingesetzten Gelder immer wieder stellen, wir müssen Instrumente der
Evaluierung entwickeln, und wir müssen diese Frage immer wieder aufs
Neue beantworten", betonte der Ratsvorsitzende in diesem
Zusammenhang. Auch die Stimulierung zusätzlicher privater
Investitionen, etwa über Stiftungen "als FTI-Förderer und nicht nur
als Steuersparmodelle", kann sich der Rat vorstellen.

Darüber hinaus sieht die Strategie 2020 ein Hauptaugenmerk auf
Aus- und Weiterbildung als "Kapital einer wissensbasierten
Gesellschaft" ebenso vor wie die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit
und gesellschaftlicher Relevanz als übergeordnete Motive für
Forschung, Technologie und Innovation. "Eine global vernetzte Welt
verlangt auch nach einer Internationalisierungsstrategie hier in
Österreich", erläuterte der Ratsvorsitzende weiters. Dafür wiederum
müssen die österreichischen FTIStrukturen "deutlich flexibler"
werden, um in dieser globalisierten Welt auch effizient agieren und
reagieren zu können. Dazu gehört u.a. auch die Nutzung der im
öffentlichen Dienst möglichen Vertragsstrukturen, um Anpassungen in
der Aufgabenstruktur der MitarbeiterInnen zu ermöglichen. "Wir
erfüllen mit unseren Vorschlägen nicht nur unseren gesetzlichen
Auftrag - wir sind auch die einzige Institution, die frei von
Eigeninteressen eine objektive Diskussionsplattform einrichtet",
hielt Consemüller abschließend fest.

"Wir schlagen Schwerpunkte für die mittel- bis langfristige
Strategie 2020 vor, die Österreich noch weiter nach vorne in Europa
bringen", so der stellvertretende Ratsvorsitzende Günther Bonn.
Insgesamt acht Elemente wurden auf Basis von Studien und Analysen als
wesentliche Bestandteile der Strategie entwickelt: Menschen;
Wissenschaft/FTI und Gesellschaft; FTI-Mittel Input/Output;
Schwerpunkte; Infrastruktur; Instrumente; Governance;
Internationales. Diese Auswahl dient der Strukturierung der
Diskussion - im Zusammenspiel von Mensch, Ressourcen und inhaltlichen
Schwerpunkten auf jeweils regionaler, nationaler und internationaler
Ebene. Die Empfehlungen des Rates reichen dabei von einer gemeinsamen
Nutzung von FTI-Infrastrukturen durch mehrere wissenschaftliche
Organisationen (z.B. auch als Bewertungskriterium für Förderungen)
bis hin zur Abkehr von der derzeit dominierenden programmorientierten
Betrachtungsweise hin zu einem anhand von Nutzenindikatoren
gewichteten bedarfsorientierten Zugang bei FTI-Projekten. Deren
unabhängige Evaluierung wird, wie auch vom Rechnungshof angeregt, der
Rat in Auftrag geben. Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten
sollen "ambitionierter" gestaltet werden, wobei es für Erreichung
bzw. Nichterreichung der Ziele entsprechende Honorierungen bzw.
Sanktionen geben muss.

Als "Novum in der österreichischen scientific community" stellte
der Geschäftsführer des Rates, Ludovit Garzik, den Wiki-Prozess vor,
mit dessen Hilfe der vorliegende Arbeitsentwurf im Zeitraum von 14.
Mai bis 7. Juni 2009 "erweitert und abgerundet" werden soll. Unter
www.forschungsstrategie.at können in einem webbasierten
Diskussionsprozess die Vorschläge des Rates von der scientific
community sowie der interessierten Öffentlichkeit durch gezielte
Inputs bereichert werden. Zu diesem Zweck wurden alle für das
österreichische Forschungssystem Verantwortung tragenden Player
persönlich eingeladen, sich daran zu beteiligen.

Rückfragehinweis:
DI Dr. Ludovit Garzik, MBA
Tel.: +43 1 7131414 10
E-Mail: [email protected]
Homepage: www.rat-fte.at
Strategieprozess online: www.forschungsstrategie.at

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