OTS0338 / 07.05.2009 / 20:29 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Budget / Parlament / Wissenschaft


Budget- Unterausschuss berät Kapitel Wissenschaft und Forschung Qualitätssicherung an Universitäten sowie in der Forschung =


   Wien (PK) - Sein Ziel sei es, bei der Finanzierung der Universitäten 
eine Trennung zwischen dem Budget für die Forschung und jenem für die 
Lehre herbeizuführen, betonte heute Bundesminister Johannes Hahn im 
Rahmen der Beratungen des Budgetunterausschusses zum Kapitel 
Wissenschaft und Forschung. Dies könnte den Wettbewerbscharakter in 
beiden Bereichen stärken, meinte er. Er wolle sowohl bei den 
Universitäten als auch bei Forschung und Entwicklung für die 
langjährige Dotierung ein gleichmäßiges Budget und somit 
Planungssicherheit gewährleisten und somit eine Linie der Stabilität 
und Nachhaltigkeit verfolgen. 
Der Budgetentwurf der Bundesregierung sieht im Bereich Wissenschaft 
und Forschung für das Jahr 2009 Ausgaben in der Höhe von 3,4 Mrd. € 
und für 2010 in der Höhe von 3,74 Mrd. € vor. Den größten Anteil 
daran haben die Universitäten inklusive Klinikaufwendungen mit 
2,6 Mrd. € für 2009 und 2,8 Mrd. € für das darauf folgende Jahr. Die 
zusätzlichen Mittel sollen der Stärkung der Universitäten dienen, wie 
in den Budgetunterlagen betont wird. Auswirkungen auf die 
Ausgabenseite hat auch das Generalsanierungsprogramm, die 
Hochschulraumbeschaffung und die im Zusammenhang mit Konjunktur 
fördernden Maßnahmen für Forschung und Entwicklung bereit gestellten 
Mittel für die Modernisierung der Geräte an den Universitäten. Durch 
die Übertragung des FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen 
Forschung) vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und 
Technologie in das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung 
sowie durch das Bestreben, die Forschungsquote weiter anzuheben, 
ergibt sich Anhebung der Ansätze für Forschungsvorhaben. Auch die 
Fachhochschulen können sich über eine Erhöhung der Fördersätze 
freuen. Die zusätzlichen Mittel für die Studienförderung sollen einer 
besseren Treffsicherheit, der Ausweitung des Bezieherkreises und der 
Erhöhung der Studienbeihilfen selbst dienen. 
Den Rückgang der Budgetausgaben von 2009 gegenüber 2008 begründete 
der Minister mit der Tatsache, dass ab diesem Jahr die 
Personalausgaben für BeamtInnen nicht mehr im Budget des Ressorts 
dargestellt werden. 
Hahn unterstrich einmal mehr die Bedeutung der Grundlagenforschung, 
um ein Land der Innovation zu bleiben und nicht zu einem Land der 
Immigration zu werden. Für die Grundlagenforschung würden derzeit 
0,41 % des BIP ausgegeben, das seien 17 % der gesamten 
Forschungsausgaben. Die Trennung zwischen Grundlagenforschung und 
angewandter Forschung würde aber zunehmend verschwimmen, was an sich 
richtig sei, meinte Hahn. Der Bundesminister gab zu bedenken, dass 
die Festlegung einer F&E-Quote am BIP durch die Entwicklung des BIP 
im Zuge der derzeitigen Wirtschaftskrise relativiert werde. Dennoch 
sei eine derartige Zielsetzung wichtig und er wolle den 
Forschungsanteil kontinuierlich steigern. Hahn machte darauf 
aufmerksam, dass dieses Bewertungskriterium kein österreichisches, 
sondern ein internationales sei, und informierte die Abgeordneten 
darüber, dass die Österreichische Akademie der Wissenschaften sich 
derzeit generell und umfassend mit der Frage der Bewertung 
wissenschaftlicher Leistungen beschäftige. Jedenfalls strebe man bis 
2020 einen Anteil von 4 % von F&E am BIP an, informierte er. 
Die Wirtschaftskrise führe auch dazu, dass sich der Anteil der 
Wirtschaft an den Forschungsausgaben, der derzeit bei 68 % liegt, 
wieder verringern werde. Er befürchtete, der öffentlichen Hand werde 
es nicht gelingen, die Bremseffekte in der Wirtschaft völlig 
auszugleichen. Dennoch zeichnete der Minister ein positives Bild der 
Zusammenarbeit mit der Wirtschaft in diesem Bereich. In den letzten 
Jahren sei vieles entstanden und vieles habe sich gut entwickelt. 
Die Frage nach Möglichkeiten, den Forschungsstandort Österreich noch 
attraktiver zu machen, beantwortete Wissenschaftsminister Hahn mit 
dem Hinweis auf seine Absicht, die Zusammenarbeit zwischen 
Unternehmen und Wissenschaft weiter auszubauen und weiterhin 
Schwerpunkte zu setzen, da sich - Beispiel Biotechnologie oder 
angewandte Mathematik - gezeigt habe, dass es leichter sei, 
hochkarätige Forscher nach Österreich zu bekommen, wenn man ihnen ein 
spannendes Umfeld bieten könne. Wichtig sei zudem auch eine 
entsprechende Präsenz Österreichs in internationalen Organisationen. 
Jüngste Berufungen von Spitzenforschern etwa aus den USA und die 
Berufung österreichischer Professoren an renommierte Universitäten im 
Ausland zeigt laut Minister Hahn, dass die Internationalisierung der 
österreichischen Wissenschaft und Forschung gut vorankomme. Er hielte 
es für schade, wenn vorhandene Förderungsmittel mangels Nachfrage des 
privaten Sektors nicht angenommen würden. In diesem Zusammenhang 
versprach er, deutliche Signale an alle Adressaten auszuschicken. 
Generell bemühe er sich um eine Verbreiterung des F&E-Begriffs, vor 
allem auch zugunsten innovationsorientierter KMU. 
Den Ausstieg aus der Mitgliedschaft beim CERN begründete Hahn mit dem 
Hinweis, dass der CERN 70 % des Budgets für internationale 
Mitgliedschaften gebunden habe und die EU in der Zwischenzeit über 
vielfältige Forschungsinfrastrukturprogramme verfüge, die einer 
wesentlich breiteren Zahl von WissenschafterInnen Perspektiven böten. 
Einen breiten Raum in der Debatte nahm auch die Entwicklung der 
Universitäten ein, wobei die Arbeit für die neuen 
Leistungsvereinbarungen, die ab dem Jahr 2010 gelten sollen, einen 
wesentlichen Aspekt darstellten. Als Schwerpunkte für diese 
Leistungsvereinbarungen nannte Hahn unter anderem die 
Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements, die Vereinbarkeit von 
Beruf und Studium, die stärkere Kooperation mit den Schulen 
hinsichtlich der Berufswahl, die Umsetzung der Bologna-Architektur, 
die Stellung der Frau in der Wissenschaft und die Mobilität der 
Studierenden. Auch die Novelle zum Universitätsgesetz 2002 diene dem 
Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten zu erhalten und 
auszubauen. Vor allem sollen die Berufungs- und 
Habilitationsverfahren beschleunigt werden. Befristete 
Dienstverhältnisse sollen in Hinkunft bis zu sechs Jahren möglich 
seien, was eine erhöhte Flexibilität sicherstelle, führte Hahn aus. 
Auch soll eine Datenbank für wissenschaftliche Arbeiten erstellt 
werden. 
Um eine bessere Abstimmung der Angebote in Lehre und Forschung zu 
erzielen, kündigte der Wissenschaftsminister die Entwicklung eines 
gesamtösterreichischen Hochschulplans an. Für die Arbeiten daran 
rechnete Hahn mit rund zwei Jahren. Dieser Hochschulplan soll auch 
Grundlage für künftige Leistungsvereinbarungen sein. 
Wenn Universitäten zu privaten Einnahmequellen werden, sei dies, so 
der Wissenschaftsminister, ein Thema für den Uni-Rat, der an diesem 
Thema arbeite und sich um klare Regelungen bemühe. Jedenfalls als 
einen Erfolg bewertete es Minister Hahn, dass die 
Drittmitteleinnahmen der Universitäten von 2003 bis 2007 von 258 Mio. 
€ auf 402 Mio. € gesteigert werden konnten. 
Abermals wurde die Frage einer vierten Medizinuniversität 
angesprochen. Dazu stellte der Bundesminister fest, laut aktueller 
Einschätzung, die auf drei umfangreichen Studien basiert, sei von 
einem durchschnittlichen Bedarf von zusätzlich 1.000 Ärzten im Jahr 
auszugehen. Das bedeute, dass die derzeitigen 1.350 Ausbildungsplätze 
für HumanmedizinerInnen und die 150 Ausbildungsplätze für 
ZahnmedizinerInnen ausreichend seien. Eine angedachte, moderate 
Aushebung der Ausbildungsplätze für HumanmedizinerInnen um 200 
Studierende könnten die bestehenden drei Medizinuniversitäten 
verkraften. Sollte sich die Notwendigkeit einer weiteren 
Medizinuniversität ergeben, dann stehe Linz an erster Stelle.
Grundsätzlich unterstrich Hahn den Bedarf, Verhandlungen über eine 
neue Festlegung des klinischen Mehraufwandes an den 
Medizinuniversitäten zu führen. Es sei davon auszugehen, dass derzeit 
zu viel an die Spitalserhalter gezahlt werde, merkte er an.
Minister Hahn zeigte sich zufrieden, dass die mehr als sechs Jahre 
dauernden Verhandlungen zum Kollektivvertrag abgeschlossen werden 
konnten. Es werde in Zukunft höhere Einstiegsgehälter und eine 
Verflachung der Einkommenskurve geben. Der Kollektivvertrag werde 
auch dazu führen, dass die MitarbeiterInnen planbare Karrierechancen 
vorfinden, sagte er. 
Auch für die Fachhochschulen kündigte Hahn einen weiteren 
Entwicklungsplan an, der 2011/2012 in Kraft treten soll. Im Herbst 
würden auch die Verhandlungen zu einem neuen Fachhochschulgesetz 
beginnen. Derzeit studieren an 276 Fachhochschulstudiengängen 33.600 
Studierende, man rechnet mit 36.000 Studierenden im Jahr 2012. Sowohl 
bei der Lehrplangestaltung als auch bei organisatorischen Maßnahmen 
werde man auf berufstätige Studierende Rücksicht nehmen. Ein 
Doktoratsstudium an Fachhochschulen sei nicht vorgesehen, betonte 
Hahn, es gehe aber in erster Linie darum, die Übergänge von den 
Fachhochschulen zu Doktoratsstudien an den Universitäten sicher zu 
stellen. 
Angesprochen auf eine gemeinsame Ausbildung aller LehrerInnen, machte 
der Bundesminister darauf aufmerksam, dass eine gemeinsame 
Arbeitsgruppe mit dem Unterrichtsministerium eingesetzt worden sei, 
die sich vor allem mit dem Bereich der Sekundarstufe befasst. Diese 
soll bei Wahrung der Schulartenvielfalt Vorschläge ausarbeiten. Dabei 
gehe es darum, in gemeinsamen Lehrgängen die Stärken der 
Universitäten einerseits und jene der pädagogischen Hochschulen 
andererseits zu nützen. In der geplanten Novelle zum 
Universitätsgesetz sollen Vorkehrungen für ein achtsemestriges 
Bachelorstudium getroffen werden, womit man Lehramtsstudien auch in 
den Bologna-Prozess eingliedern könne. Für wichtig hält es der 
Wissenschaftsminister, die pädagogischen Hochschulen sukzessive an 
den Autonomiestatus der Universitäten heranzuführen. 
In seiner Stellungnahme legte Bundesminister Hahn großen Wert darauf 
festzustellen, dass die Studieneingangsphase keine Selektion 
darstelle, sondern Teil des Studiums sei. Er wolle den freien 
Hochschulzugang sicherstellen, sagte er, aber die 
Studieneingangsphase soll, gekoppelt mit dem Studiencheck an den 
höheren Schulen zu einer Senkung der Drop-out-Quote führen und den 
Studienwechsel vermindern. Der Studiencheck, ein dreistufiges 
Beratungsverfahren, soll zur Reflexion über Berufs- und 
Studienwünsche anregen. Die Studie über die Drop-outs befinde sich in 
der Endredaktion. 
Was die Betreuungsrelationen betrifft, so appellierte der Minister, 
hier differenzierter vorzugehen. Bei 218.000 ordentlich Studierenden 
fielen auf jeden Professor bzw. jede Professorin 104 Studierende. 
Rechne man das Lehrpersonal ein, so betrage die Zahl 18,3. Gehe man 
von den 151.000 "prüfungsaktiven" Studierenden aus, so liege die 
Betreuungsrelation bei 73 bzw. 13 Studierenden. Diese Zahl schwanke 
aber wieder sehr stark unter den einzelnen Universitäten. 
Bundesminister Hahn wies auch auf das Bündel von Maßnahmen hin, um 
Jugendliche aus nichtakademischen Familien an die Universitäten zu 
holen. Auch für Behinderte gebe es spezielle Programme, fügte er 
hinzu. 
Im Bereich der Studienförderung sei eine Anhebung zu verzeichnen. Der 
Entfall der Studiengebühren mache 157 Mio. € aus, man könne aber noch 
nicht sagen, wie viele der 44.000 Studenten, denen Studiengebühren 
vorgeschrieben wurden, bis zum Ende der Frist im kommenden Dezember 
um eine Refundierung ansuchen werden. Der Aufwand der Refundierung 
sei weniger groß als zunächst befürchtet, teilte der Minister mit und 
nannte es einen Verhandlungserfolg, die Studienbeihilfen für die 
Studierenden erhalten zu haben. Probleme bei der Gewährung des 
Studienzuschusses für Studierende, die wegen eines Zweitstudiums die 
Mindeststudienzeit überschreiten, werde er sich anschauen, versprach 
der Wissenschaftsminister. 
Einen Sanierungsbedarf sah der Minister bei den Studentenheimen und 
kündigte zum Thema "Studentisches Wohnen" eine Enquete an. 
Zur Hebung des Frauenanteils an den Universitäten setzte der 
Bundesminister große Hoffnungen in den Plan, eine Quote von 40 % für 
Frauen in allen Universitätsgremien festzulegen. Das werde mehr 
bringen als die derzeit laufenden Programme, zeigte er sich 
überzeugt. Grundsätzlich hätten in den letzten Jahren die Frauen an 
den technisch-naturwissenschaftlichen Studienrichtungen aufgeholt. 
Ihr Anteil habe, wenngleich von einem niedrigen Niveau, um 50 % 
zugenommen. In manchen Studienrichtungen wie Physik, Chemie und 
Biotechnologie hätten Frauen bereits gleichgezogen bzw. die Männer 
überholt. Lediglich bei den klassisch naturwissenschaftlichen Fächern 
verlaufe noch immer alles nach den alten Mustern. Die Einführung von 
Bachelorstudien könnte hier eine Verbesserung bringen, weil dadurch 
vielen die Angst vor langen Technikstudien genommen werde. 
Ein Vergleich von Akademikerquoten verschiedener Länder sei 
problematisch, so Hahn, weil Ausbildungen, die in Österreich nicht 
zum tertiären Sektor zählten - HTL und Kindergartenpädagogik etwa - 
anderswo als akademisch gelten. Als Voraussetzungen für eine 
Steigerung der Akademikerquote in Österreich nannte der Minister eine 
größere Zahl an Maturanten und die Definition von Ausbildungen als 
tertiär, die bisher nicht zum tertiären Sektor zählten. 
Bundesminister Hahn beantwortete damit die zahlreichen Detailfragen 
der Abgeordneten Andrea Kuntzl, Elmar Mayer, Heidrun Silhavy, Laura 
Rudas, Sabine Oberhauser, Elisabeth Hakel, Christine Muttonen (alle 
S), Beatrix Karl, Karin Hakl, Martin Bartenstein (alle V), Walter 
Rosenkranz, Andreas Karlsböck, Anneliese Kitzmüller, Gerhard Deimek, 
Gerhard Kurzmann (alle F), Rainer Widmann, Robert Lugar, Kurt List 
(alle B), Kurt Grünewald, Ruperta Lichtenecker und Wolfgang Zinggl 
(alle G). (Schluss) 
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