- 07.05.2009, 13:41:52
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Euphorie über elektronische Krankmeldung ist verfrüht
NÖ Ärztekammer sieht zweifelsohne sinnvollen Ansatz, wesentliche Punkte für die Umsetzung sind aber noch ungeklärt
Wien (OTS) - "Die Jubelmeldungen seitens des Hauptverbandes der
Sozialversicherungsträger über die am 5. Mai eingeführte Möglichkeit
der elektronischen Krankmeldung kommt verfrüht", so Dr. Christoph
Reisner, Ärztekammerpräsident in Niederösterreich. "Derzeit läuft ein
freiwilliger Betrieb, die Rahmenbedingungen sind für die Ärztinnen
und Ärzte jedoch noch völlig unklar."
"Im Prinzip sind solche Ansätze durchaus als sinnvoll und
notwendig zu bezeichnen, doch müssen vor der Einführung die
vertraglichen Rahmenbedingungen mit den Ärzten geklärt werden, was in
diesem Fall nicht passiert ist", so der Kurienobmann der
niedergelassenen Ärzte Dr. Johann Jäger. "Der Hauptverband hat den
Ärztinnen und Ärzten eine den Arbeitsablauf behindernde Software für
die Abwicklung zur Verfügung gestellt. Wenn der Hauptverband - wie er
selbst in einer Aussendung betont - den geringeren Verwaltungsaufwand
bei der elektronischen Arbeitsunfähigkeit für sich selbst als großen
Vorteil sieht, soll auch er die Investitionen dafür tragen. Für die
Ärzteschaft bedeutet die elektronische Arbeitsunfähigkeit keine
administrative Erleichterung, sondern sie belastet die Ordinationen
mit Zusatzkosten für den Erwerb einer effizienten Software mit bis zu
1.200 Euro. Es kann nicht sein, dass Ärzte einen finanziellen und
administrativen Mehraufwand haben und sich der Hauptverband dadurch
ein Vielfaches an Kosten spart", so Jäger.
Für Präsident Dr. Reisner stellt dieser Vorstoß wieder einmal nur
eine Arbeitserschwernis durch Verbürokratisierung der Ordinationen
dar, die unter dem Deckmantel des Nutzens für Patientinnen, Patienten
und Sozialversicherungsträger der Öffentlichkeit als positiv verkauft
wird. "Dass unsere Vertragsärztinnen und -ärzte zunehmend durch
solche Belastungen auch wirtschaftliche Existenzprobleme bekommen,
wird beharrlich von den politischen Verantwortungsträgern ignoriert."
Der Ärztekammerpräsident ist jedoch generell für alle Maßnahmen
offen, die echtes Optimierungspotenzial aufweisen.
Für Kurienobmann Dr. Jäger ist klar, dass zunächst einmal "die
vertraglichen Rahmenbedingungen und die Finanzierung geklärt" werden
müssen, bevor die Ärztekammer eine Empfehlung für den Betrieb des
entsprechenden EDV-Moduls gibt. "Erst dann kann eine schnelle
Umsetzung erfolgen." Die NÖ Ärztekammer bleibt daher bis auf weiteres
bei der Empfehlung, Module zur elektronischen Krankmeldung vorerst
nicht zu kaufen beziehungsweise nicht zu verwenden.
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Niederösterreich, Mag. Birgit Jung
Tel.: 01/53751-623, E-Mail: [email protected]
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