- 04.05.2009, 12:31:58
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Reporter ohne Grenzen: Medien in globaler Krise
Tendenzen der eingeschränkten Pressefreiheit auch in Österreich erkennbar, materielle Basis der Pressefreiheit wird schmäler
Wien (OTS) - Mit dem Internationalen Tag der Pressefreiheit wird
jedes Jahr am 3. Mai auf Verletzungen der Pressefreiheit sowie auf
die Bedeutung der freien Berichterstattung aufmerksam gemacht. "In
den letzten 15 Jahren wurden 600 Journalisten getötet. In
Kriegsgebieten gelten Journalisten als Feinde und werden Ziel des
Militärs", so Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen
Österreich, im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gabriele
Eschig, Generalsekretärin der Österreichischen UNESCO-Kommission und
Franz C. Bauer, Präsident der Journalistengewerkschaft und
Stellvertretender Präsident von Reporter ohne Grenzen Österreich.
Möhring verwies auf jene Länder, in denen die Pressefreiheit am
stärksten beeinflusst sei: Afghanistan, Pakistan und Iran. "Aber auch
in Europa gibt es Behinderungen der Pressefreiheit - auf subtile Art
und Weise", so Möhring. Die Einschränkung des Menschenrechts
Pressefreiheit gehe vor allem auf die Terror-Anschläge vom 11.
September 2001 zurück. Gut zu beobachten seien diese Entwicklungen
etwa in Italien und Frankreich, "Tendenzen gibt es aber auch in
Österreich, wo es eine große Medien-Konzentration gibt", betont
Möhring.
Medien als vierte Gewalt - internationale Regelungen nötig
Die Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich ging in
diesem Zusammenhang auch auf die laufende Diskussion rund um den ORF
ein: Eines der wesentlichen Probleme sei die Tatsache, "dass die
Rundfunkgebühren nicht zu 100 Prozent an den ORF fließen, sondern nur
zu 60 Prozent". Im Sinne einer funktionierenden Unabhängigkeit könne
es auch nicht sein, dass die Vertreter in den Gremien nicht als
Bürgervertreter agieren, sondern viel mehr als Interessensvertreter
im Sinne der jeweiligen politischen Partei. Möhring sieht neben der
derzeitigen globalen Krise eine weltweite Medienkrise, "um die Medien
als vierte Gewalt und demokratische Säule zu sichern, sind
internationale Regelungen nötig".
Journalisten werden an Rand der Existenz gedrückt
"Die materielle Basis für die Pressefreiheit wurde in den letzten
Jahren schmäler", konstatierte Franz C. Bauer und ergänzte: Die
Wirtschaftskrise werde etwa dazu missbraucht, das Arbeitsrecht
auszuhebeln und Journalisten "an den Rand der Existenz zu drücken".
Der Druck auf die Journalisten sei massiv, Bauer sprach von einer
"Uniformierung in Österreich". Eine zunehmende Bedrohung der
Pressefreiheit ortet auch Gabriele Eschig. Die UNESCO setze daher
Standards (z.B. Preise), "die eine Hilfe für die Staaten darstellen
sollen". Bezüglich ORF-Diskussion meinte Eschig, es gehe der UNESCO
auch darum, die kulturelle Vielfalt zu fördern - "das ist die Basis
für eine pluralistische Gesellschaft".
Werbe-Kampagne mit "Fred Anchorman"
Abschließend ging Möhring auf die aktuelle Werbekampagne von
Reporter ohne Grenzen Österreich ein: "Die Kampagne mit 'Fred
Anchorman' läuft seit dem 3. Mai. Die Handpuppe spricht nicht, weil
er keine Informationen hat." In einer fiktiven Nachrichtensendung
treibt die Figur willenlos, inhaltslos und von unsichtbarer Hand
geführt, sein Unwesen in TV-Spots, Anzeigen und bei diversen
Online-Aktionen. "Eine Schreckensvision, die ohne schreckliche Bilder
auskommt. Dafür aber umso mehr der wachsenden Bedrohung der
Medienfreiheit durch Zensur, wirtschaftlichen Druck oder politischen
Missbrauch ein Gesicht gibt, das zum Nachdenken und Diskutieren
anregen soll. Ist doch Pressefreiheit ein Bürgerrecht, das uns alle
betrifft", so Möhring.
Über Reporter ohne Grenzen Österreich (ROG)
Reporter ohne Grenzen Österreich setzt sich weltweit für die
Medienfreiheit und Freiheit der Reporter ein und unterstützt bei
Inhaftierung und Ermordung deren Familien. Die unabhängige
Organisation mit Sitz in Paris, Niederlassung in Österreich und mehr
als hundert Korrespondenten in aller Welt fordert aktiv den Respekt
vor den Menschenrechten und beruft sich auf den Artikel 19 der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: Die Freiheit zu informieren
und informiert zu werden.
Die Pressearbeit von Reporter ohne Grenzen Österreich erfolgt in
Kooperation mit dem Presse- und Informationsdienst (PID) der Stadt
Wien.
Rückfragehinweis:
Pressestelle von Reporter ohne Grenzen Österreich ikp Wien PR und Lobbying GmbH Mag. Gerhard Auer Tel: 01-5247790-15 mailto:[email protected] Oder an die Büroleitung von Reporter ohne Grenzen Österreich Mag. Hanna Ronzheimer Reporter ohne Grenzen Österreich Tel: +43 1 5810011 mailto:[email protected]
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