- 14.04.2009, 12:49:50
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Neue Studie: Mehr Todesfälle und erhöhtes Risiko für Patienten in Niederösterreichs Spitälern
Geheimstudie zeigt gravierende Mängel auf
Wien (OTS) - Laut Masterplan Gesundheit 2015/2020 des
internationalen Beraterkonzerns Roland Berger Strategy Consultants
haben Patienten an Niederösterreichs Spitälern bei Eingriffen an der
Gallenblase, bei Narben- oder Nabelbruchoperationen sowie bei
Lungenentzündungen im internationalen Vergleich ein erhöhtes
Sterblichkeitsrisiko. Außerdem - heißt es in dem Geheimpapier, das
dem Falter vorliegt - werden Operationen vielfach von Ärzten
durchgeführt, die für die Eingriffe nicht über die nötige Erfahrung
verfügen. Vielfach würden entsprechende Vorgaben aus dem
österreichischen "Strukturplan Gesundheit" ignoriert, wonach Ärzte
Operationen nur dann durchführen sollen, wenn sie dieselben in einer
bestimmten Häufigkeit durchführen, berichtet der Falter.
Wie die Experten feststellten, erreicht "nur eine Klinik der
Niederösterreichischen Landeskliniken-Holding im Jahr 2007 alle für
die Klinik relevanten Mindestfrequenzen". Es bestehe daher
"struktureller Optimierungsbedarf", weil der "Zusammenhang zwischen
medizinischer Ergebnisqualität und der Häufigkeit der Durchführung
einer Operation" durch Studien belegt sei.
Für das fachgerechte und risikoarme Einsetzen eines künstlichen
Hüftgelenkes etwa sind jährlich 100 Eingriffe nötig. Die Ärzte im
Krankenhaus Hainburg trauten sich den Eingriff zu, obwohl sie ihn
2008 nur 36-mal durchführten; in Melk waren es nur 15, in Stockerau
gar nur zwei derartige Operationen. Insgesamt kümmerte sich laut dem
im Falter zitierten "Masterplan" ein Drittel der Chirurgen nicht um
die Mindeststandards der Fallzahlen. Die Sterblichkeit nach solchen
Eingriffen liegt in Niederösterreich prompt um 70 bis 90 Prozent über
den vom Bundesinstitut für Qualitätssicherung angegebenen Sollwerten.
Die Hälfte der Kliniken in Niederösterreich muteten laut
vertraulicher Analyse ihren Patienten Schilddrüsenoperationen zu,
ohne die nötige Fallzahl von 30 zu erreichen. Mit 13 Prozent mussten
2007 in der Folge mehr als doppelt so viele Patienten nach dem
Eingriff auf die Intensivstation wie im österreichischen
Durchschnitt. 14 von 18 Kliniken kümmerten sich bei den extrem
schwierigen Bauchspeicheldrüsen-Operationen nicht um die
Mindestfallzahl von fünf Operationen - 13,6
Prozent starben an diesem Eingriff im Jahr 2007.
Roland Bergers Berater empfehlen den niederösterreichischen
Spitalsplanern, zumindest bis 2010 durch Zentralisierung und
Verlagerungen die Mindestfallzahlen einzuhalten, heißt es im Falter.
Rückfragehinweis:
Kurt Langbein 01/535-36-96
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