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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Kein Wunder in solchen Zeiten: Rette sich als Hackler, wer kann" (von Wolfgang Simonitsch)
Ausgabe vom 11.04.2009
Graz (OTS) - Ein alter Dauerbrenner flackert wieder auf. Wieder
erregt die "Hacklerregelung" die Gemüter. Weil nach dem Geschmack
diverser Kritikaster zu viele Ältere davon Gebrauch machen, nach 40
Versicherungsjahren als Frau oder 45 als Mann in Pension zu gehen.
Interessanterweise zieht neuerlich etwa jener Professor Theodor
Tomandl dagegen als "viel zu teuer" vom Leder, der bei früheren
ÖVP-Pensionsreformen Pate stand und jüngst beim Höchstgericht mit
einer Verfassungsklage in eigener Sache abgeblitzt ist, auch
Pensionen über 7000 Euro im Monat jährlich aufzufetten. Für diesen
Luxus wäre ihm kein Geld der Welt zu schade gewesen.
Das zeigt wieder einmal in erschütternder Klarheit, dass auch den
Pensionsexperten das Hemd näher ist als der Rock und bei allem
Sachverstand nur die eigene Betroffenheit Standpunkt und Handeln
bestimmt.
Dies führte uns auch schon der große Pensionsreformer Wolfgang
Schüssel jüngst vor: Der war nie müde geworden, Arbeiten bis 65 Jahre
zu predigen - ist aber selbst dann schon als 63-Jähriger in die
Frühpension geflüchtet, weil sie mehr bringt als sein
Nationalratsjob.
Doch zurück zur eigentlichen Debatte. Der jüngste Run auf die
Hacklerpension kommt ungefähr so überraschend wie der Osterhase am
Sonntag: Nämlich gar nicht. Auch die jetzt beklagten Mehrkosten bis
2013 von 800 Millionen Euro sind nicht neu. Außerdem: Wer wundert
sich denn überhaupt, dass sich in Krisenzeiten und stark steigender
Arbeitslosigkeit über die Hacklerregelung rettet, wer kann?
Und das zu Recht: Wer 40 oder 45 Jahre lang Versicherungsbeiträge
bezahlte, hat sich derzeit seine Pension nahezu gänzlich selbst
finanziert. Dass Bundesbeamte nach 40 Jahren und ab 60 auch fleißig
"Hackler" sind, hat deren Gewerkschaft besorgt. Das ließe sich leicht
ändern. Wirklich auszutrocknen drohen die Pensionstöpfe aber erst ab
2016/17, wenn die Hacklerregelung wie jetzt bestehen bliebe. Davon
ist eh keine Rede. Die Regierung hat ein Auslaufmodell in Auftrag
gegeben.
Gleichzeitig sollen auch Ungerechtigkeiten zwischen abschlagsfreier
Hacklerpension und der für Betroffene viel ungünstigeren
Invaliditätspension und Schwerarbeiterpension - die ein Flop ist -
abgemildert bis beseitigt werden. Selbst wenn der Verteilungskampf
wegen leerer Kassen immer härter wird: Bis 2013 wird die
Hacklerregelung trotz neuer Aufgeregtheit weiter bestehen. Dafür
braucht man kein Prophet zu sein. Sondern bloß daran erinnern, dass
ohne massiven Druck der ÖVP-Arbeitnehmer die Koalition sie nie bis
dahin verlängert hätte.****
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