• 09.04.2009, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Die Netze reißen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe bvom 10.04.2009

Wien (OTS) - Globalisierung, Outsourcing, Just-in-time-Lieferung:
Das waren die Schlagworte, an denen sich die meisten Konzernchefs in
den letzten Jahren orientierten.
Globalisierung: Das hieß, weltweit dort zu produzieren, wo es am
billigsten ist.
Outsourcing: Durch Ausgliederung von Produktionen an Sublieferanten
mit niedrigen Lohnkosten wird Geld gespart.
Just in time: Die Subunternehmer müssen Einzelteile auf die Stunde
genau bei den Förderbändern der Auftraggeber anliefern. Das erspart
teure Lagerhaltung.
In der Krise werden die Risiken dieser weltweiten Vernetzung merkbar.
Besonders deutlich wird das am Beispiel der Autoindustrie.
Die Konzerne mussten die Produktion zurückfahren. Als Folge gerieten
buchstäblich binnen Stunden ihre Zulieferer in Not. Umgekehrt kommen
Konzerne ins Schleudern, wenn ein hochspezialisierter Lieferant
zusperrt.
Jetzt steht die Weltwirtschaft an einem Wendepunkt. Kommt es heuer
noch zur Trendwende, kann das Spiel wie bisher weiter gehen. Dauert
die Krise länger, wird das zur gravierendsten Umstrukturierung seit
Jahrzehnten führen.
In Österreich werden die Folgen vor allem in Oberösterreich und der
Steiermark deutlich. Dort sind die meisten "Autocluster" daheim.

Als Zulieferbetriebe der internationalen Autoindustrie haben sie
jahrelang gut verdient. Entsprechend laut wurde ihre Entwicklung von
der Politik bejubelt. Jetzt sind diese Regionen die "Cluster" mit der
höchsten Arbeitslosigkeit.
Für Österreichs Wirtschaft bedeutet das gleichermaßen enormes Risiko
und beachtliche Chancen. Die Gefahr besteht darin, dass Unternehmen
mit ihren Auftraggebern untergehen, weil sie die notwendige
Umstrukturierung nicht schnell genug schaffen.

Eine Chance ergibt sich für jene Betriebe, die sich schnell neu
orientieren können. Energiesparende Techniken, aber auch die
Lebensmittelindustrie und andere krisenresistente Branchen werden in
den nächsten Jahren boomen.
Österreich hat schon mehrfach bewiesen, dass es dank hoch
qualifizierter Techniker, gut ausgebildeter Facharbeiter und
flexiblem Management international konkurrenzfähig ist.
Auch die Regierung muss sich neu orientieren. Statt todgeweihte
Branchen über Wasser zu halten, müssen zukunftsträchtige
Arbeitsplätze gefördert werden.
Dort gehört investiert - auch um den Preis, dass anderswo
Arbeitsplätze verschwinden. Ein wenig Geduld ist allerdings
angebracht: Viele Unternehmen haben derzeit einfach noch keine
Ahnung, womit sie in zwei oder drei Jahren ihr Geld verdienen werden.
Solange das nicht geklärt ist, sind gezielte Umschulungsmaßnahmen
schwierig.

Sobald sich die Nebel gelichtet haben, darf es aber keine Ausrede
mehr geben: Ohne Weiterbildung sollte Kurzarbeit vom AMS nur in
Ausnahmefällen aus Steuergeld finanziert werden.

Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten
Chefredaktion
Tel.: 0664/80588382

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