Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Der Mohr und der bittere Kaffee (von Daniela Gross)
Ausgabe 3. April 2009
Klagenfurt (OTS) - Einhundert Millionen Euro Kaution für Julius
Meinl. Kaum ausgesprochen, schon bezahlt. Aus der Portokasse. Ohne
Wimpernzucken.
Einhundert Millionen Euro, 1,376 Milliarden Schilling - dafür könnte
man auch 3918 und einen halben (!) VW Golf kaufen, oder sich zwei
Boeing 717 in den Garten stellen. Durchschnittsösterreicher Max
Mustermann müsste mit 28.226 Euro Bruttojahreslohn 3542 Jahre dafür
arbeiten - so er sie erleben würde.
Noch in Ehrfurcht vor der Summe ist nicht auszurechnen, um was
Anleger geprellt wurden, als der aufgehende Stern von Meinl European
Land zu verglühen drohte; als Milliarden in die Karibik gescheffelt
wurden; als Aktien heimlich rückgekauft wurden - von der Mohr´schen
Schuldigkeit wohl weit entfernt.
Dass der Richter Meinl noch eine Nacht in der U-Haft schmorren lässt
- eine Genugtuung? Schon - aber sie schmeckt schlecht, so schlecht
wie bitterer Kaffee.













