Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar: "Die Dehnbarkeit eines Begriffs" (von Daniela Gross)
Ausgabe, 29. März 2009
Klagenfurt (OTS) - In einem Wohlfahrtsstaat hat Solidarität
eigentlich keinen gesonderten Aufruf nötig - sie ist da.
Sozialversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pensionsversicherung -
überall schneidet ein anderer am selbst erwirtschafteten Kuchen mit;
dafür nascht man selbst wieder an anderen. Selbstverständlich.
Solidarisch.
Nun werden die Aussichten aber trübe, die Arbeitslosenzahl steigt,
die Konjunktur schwächelt. Die Zeiten werden hart; die Sinfonie in
Moll geschrieben. Verzicht scheint das Schlagwort, das auf die Krise
folgt. Aber wo fängt der eigene Verzicht an. Und vor allem: Wo hört
er auf?
Darf die Industrie, die auf Mega-Auftragsflauten zusteuert, von
ihren Mitarbeitern - aus Solidarität - eine Verschiebung der
Lohnrunde fordern? In Zeiten des kollektiven Zusammenhalts, im Namen
der Krise - vielleicht. Der Solidarität zuliebe. Wer aber hat das
Wort in den Mund genommen, als es - der Solidarität zuliebe - um die
Verteilung exorbitant hoher Gewinne gegangen ist?
Viktringer Ring 28
9020 Klagenfurt
Tel.: 0463/5866-509
E-Mail: daniela.gross@ktz.at













