- 27.03.2009, 19:50:50
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Gehaltsverzicht und Nullrunden sind Gift für die Konjunktur" (von Wolfgang Simonitsch)
Ausgabe vom 28.3.2009
Graz (OTS) - Was haben unsere Wirtschaftsforscher stets mit
monotoner Regelmäßigkeit von Gebetsmühlen über die Unlust der
Konsumenten gejammert, ihr Geld nicht auf den Kopf zu hauen. Jetzt,
da die Krise zumindest bei neuen Arbeitslosen und Kurzarbeitern
angekommen ist, sind diese Herrschaften voll des Lobes: Zum Glück
lassen nicht auch noch die Konsumenten aus, verhindert wenigstens
deren Lust am Geldausgeben, dass die Konjunktur vollends wegbricht.
Während alle üblichen Verdächtigen für das Wirtschaftswachstum wie
der Export, Handel und Investitionen jetzt in Prognosen der
Wirtschaftsforscher ein dickes Minus vor sich hertragen, ragen die
erwarteten Ausgaben für den heurigen Privatkonsum wie ein Leuchtturm
aus trister Umgebung hervor: Sie allein dürften trotz der Rezession
wachsen, um immerhin noch 0,4 Prozent.
Günstig für diese einzig verbleibende Konjunkturstütze, den
Privatkonsum, ist die heuer prächtige Erhöhung der Reallöhne um 3,6
Prozent, die den Lohnsteigerungen und der ab Mai im Geldbörsel
spürbaren Steuerentlastung zu verdanken ist. Die stärkste Erhöhung
der Massenkaufkraft seit vielen Jahren kommt wie gerufen. Sie
entschärft die aktuelle Wirtschaftskrise in Österreich wirksamer, als
dies dem Rest Europas gelingen dürfte.
Wie lange uns der Privatkonsum durch die Not tragen wird müssen, ist
unklar wie die Dauer der Krise, die dafür aber wesentlich ist.
Deshalb gilt es derzeit, besonders Obacht zu geben auf seine Basis -
die Masseneinkommen. Kommt doch der Konsum vor allem von unten.
Kleinverdiener ticken gezwungenermaßen ganz anders. Sie und deren
Familien stecken ihr gesamtes Einkommen in den Konsum, können nicht
sparen und geben praktisch jeden Euro zum Leben aus.
Das allerbeste Konjunkturprogramm ist also die Löhne zu erhöhen.
Freilich wird dieser Wunsch von der heuer weit verbreiteten Realität
gebremst werden, dass sich zu viele Firmen dies nicht werden leisten
können. Trotzdem: Man wird sich ein kleines Plus, das zumindest die
erwartete Inflation von 0,6 Prozent ausgleicht, wenigstens wünschen
dürfen.
Eigentlich muss man darauf bestehen und auch der Regierung gleich auf
die Finger klopfen. Sie hat mit ihrem beifallsheischend inszenierten
Verzicht auf die heurige Gehaltserhöhung den Boden für allerlei kecke
Pläne aufbereitet, die auch die letzte Konjunkturstütze wegzusprengen
drohen: wie die Lust von Magna, einen einjährigen Gehaltsverzicht
ihrer Beschäftigten von 20 Prozent herbei zu reden.****
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