- 20.03.2009, 10:39:30
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Club der kranken Häuser
Verantwortliche der NÖ Ärztekammer sind vom Ergebnis des Club 2 vom 18.03.2009 enttäuscht
Wien (OTS) - Bezugnehmend auf das Buch "Verschlusssache Medizin"
des Medizinjournalisten Kurt Langbein wurde eine Runde im Club 2 des
ORF zusammengestellt, um die Inhalte und damit aufgeworfenen Probleme
zu diskutieren. "Die Zusammenstellung der Diskutanten hat sich dem
dahinterliegenden grundlegenden Problem der "kranken" Krankenhäuser
leider nicht ausreichend genähert. Viele Detailprobleme wurden
angerissen, dem Kern des Problems blieb man allerdings in einem hohen
Maße fern", so Dr. Ronald Gallob, Kurienobmann der angestellten Ärzte
in Niederösterreich. "Aufgrund der Tatsache, dass die Krankenhäuser
der NÖ Landesklinikenholding mit Schwerpunkt im Buch angesprochen
werden, ist es verständlich, dass der medizinische Chef dieser
Holding anwesend war." Unverständlich ist für Dr. Gallob allerdings
die Tatsache, dass er als betroffener Kuriensprecher und somit
einziger legitimierter Vertreter der etwa 3.000 angestellten
Ärztinnen und Ärzte des Landes Niederösterreich nicht eingeladen war.
Abwanderung von Ärztinnen und Ärzten ist zu beobachten
"Um eine, wenn nicht sogar die wesentliche Diagnose hat sich die
Diskussion leider rasch vorbei manövriert", so Ärztekammerpräsident
Dr. Christoph Reisner. "Das Hauptproblem heißt Personalmangel. Die
Häuser der NÖ Landesklinikenholding haben heute einen Grad der
Inanspruchnahme erreicht, den das vorhandene Personal nicht mehr
bewältigen kann. Die Arbeits- und Lebenssituation der
Spitalsärztinnen und Spitalsärzte hat sich in den Jahren drastisch
verschlechtert, sodass eine Abwanderung von Ärztinnen und Ärzten aus
den Krankenanstalten zu beobachten ist", so Reisner weiter.
Der Personalmangel war bisher verdeckt, weil die Ärztinnen und Ärzte
eine hohe Bereitschaft für die Leistung von Überstunden zeigten. "Die
Tatsache, dass diese Überstunden einen wesentlichen Teil des Gehaltes
erzeugen, ist heute aufgrund der massiven Arbeitsverdichtung eine
untergeordnete und mehr und mehr schwindende Motivation."
Was wird wohl aus den chronisch kranken Krankenhäusern?
Es ist für Kurienchef Dr. Gallob jedenfalls dringend an der Zeit,
die eindeutige Diagnose Personalmangel offen auszusprechen und
schnell mit einer sinnvollen Therapie der "kranken Häuser" zu
beginnen. Dieses "Krankheitsbild" ist nicht auf Niederösterreich
beschränkt, sondern letztendlich in ganz Österreich zu finden.
"In einem Staat, in dem man über die 35-Stundenwoche nachdenkt und wo
die Diskussion über zwei Lehrerarbeitsstunden mehr die Volksseele zum
Kochen bringt, muss man doch die Frage stellen dürfen wie es möglich
ist, dass man seriös und verantwortungsbewusst Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmern bis zu 72 Stunden pro Woche zumutet." Für Dr. Gallob
ist Qualität mehr als ein Begriff, den man mit Hilfe moderner
Benchmarks, Registern und dergleichen theoretisiert. "Wir müssen
offen und ehrlich über die vorhandenen Probleme sprechen", fasst
Kurienchef Dr. Gallob zusammen.
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann, Pressesprecher
Tel. 0664/144 98 94, E-Mail: [email protected]
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