• 12.03.2009, 13:18:35
  • /
  • OTS0212 OTW0212

Fünftes gemeinsames Seminar des Eurosystems und der russischen Zentralbank

Wien (OTS) - Am 11. und 12. März 2009 veranstalteten das
Eurosystem - d. h. die Europäische Zentralbank (EZB) und die
nationalen Zentralbanken der 16 Euro-Länder - und die Zentralbank der
Russischen Föderation (Bank von Russland) in Wien ihr fünftes
gemeinsames hochrangig besetztes Seminar. An dem bei der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) abgehaltenen Seminar nahmen
Zentralbankpräsidenten und hochrangige Vertreter des Eurosystems und
der Bank von Russland teil. Auch Vertreter der Europäischen
Kommission sowie des Regierungsbüros, des Parlaments und der
Ministerien der Russischen Föderation zählten zu den Teilnehmern.
Ziel des Seminars war es, den Dialog zwischen der russischen
Zentralbank und dem Eurosystem weiter zu stärken und die in den
letzten Jahren bereits intensivierten Beziehungen noch mehr zu
festigen. Das Seminar stand im Zeichen der jüngsten
gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen, der Auswirkungen der
Rohstoffpreisentwicklung auf die Inflation wie auch der
Finanzstabilität in Russland und im Euro-Währungsgebiet.

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny hieß die Teilnehmer willkommen und
hielt ferner eine Grundsatzrede über das Bankwesen und die
Finanzstabilität in Russland und im Euroraum. Dabei betonte er die
gemeinsame Herausforderung, in Zeiten großer Anspannung das Vertrauen
in die Finanzinstitutionen durch glaubwürdige
Rekapitalisierungsmaßnahmen und die Durchführung von
Wertberichtigungen wiederherzustellen sowie die Interbankenmärkte und
deren Widerstandskraft zu stärken. Zur Bewältigung der kurzfristigen
krisenbedingten Herausforderungen sei entschlossenes Handeln
vonnöten. Längerfristig, so Gouverneur Nowotny, ergeben sich aus dem
fortgesetzten Engagement europäischer Banken am russischen
Finanzmarkt beträchtliche Vorteile für beide Seiten.

Der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, betonte in seiner
Eröffnungsrede, dass sowohl der Euroraum als auch Russland von der
Finanzkrise betroffen seien. Angesichts der gemeinsamen
Herausforderungen sei es die vorrangige Aufgabe der politischen
Entscheidungsträger im Euroraum und in Russland, zur raschen und
umfassenden Bewältigung der Krise beizutragen. Präsident Trichet wies
abschließend darauf hin, dass im vergangenen Jahr die Beziehungen
zwischen dem Eurosystem und der Bank von Russland durch die Umsetzung
eines bedeutenden Kooperationsprogramms in den Bereichen
Bankenaufsicht und interne Revision (siehe Pressemitteilung vom 20.
März 2008) weiter gefestigt werden konnten.

Sergej M. Ignatiew, der Präsident der Bank von Russland, sprach in
seiner Grundsatzrede aktuelle geldpolitische Themen an. Als sich die
Wirtschaftslage gegen Ende des Jahres 2008 signifikant veränderte,
passte die Bank von Russland ihre Geldpolitik entsprechend an. Mit
dem Ziel, die Stabilität des Bankensektors zu bewahren, setzte sie
die Instrumente der Geldpolitik aktiv ein und ergriff zusätzliche
Maßnahmen, um die Liquiditätslage im Bankensektor zu verbessern. Auch
in Zukunft werde sich die Bank von Russland in erster Linie den von
der internationalen Finanzkrise ausgelösten Herausforderungen
stellen. Trotz der von den Finanzmarktturbulenzen ausgehenden
Probleme beabsichtigt die russische Zentralbank, allmählich wieder
einen Rückgang der Inflation herbeizuführen. Die Bank von Russland
strebt nach wie vor an, ihre Geldpolitik in Zukunft an einem
Inflationsziel auszurichten, und wird ihren Einfluss auf den
Preisbildungsprozess am Devisenmarkt weiter reduzieren, um so auf ein
System flexibler Wechselkurse umsteigen zu können. Mittelfristig
konzentrieren die Bank von Russland und die Regierung der Russischen
Föderation ihre Bemühungen auf die Gewährleistung geeigneter
Rahmenbedingungen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum.

Im Mittelpunkt der Diskussion unter den Seminarteilnehmern standen
folgende Themen:

Die jüngsten gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen
In der Diskussion über die neuesten makroökonomischen Entwicklungen
stellten die Seminarteilnehmer fest, dass sich die Weltkonjunktur
deutlich abgeschwächt hat. Sowohl im Euroraum als auch in Russland
ist die Auslandsnachfrage gesunken, und die Binnennachfrage wurde
durch das abnehmende Vertrauen und die verschärften
Finanzierungsbedingungen beeinträchtigt. Es herrschte Einigkeit
darüber, dass beträchtliche Abwärtsrisiken den Ausblick für die
Wirtschaft im Euroraum und in Russland überschatten; in diesem
Zusammenhang wurde aber auch darauf hingewiesen, dass die bedeutenden
wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die in den letzten Monaten im
Hinblick auf die Finanzmarktturbulenzen gesetzt wurden, die
Konjunktur unterstützen sollten.

Die Auswirkungen der Rohstoffpreisentwicklung auf die Inflation
Die jüngsten Entwicklungen der Rohstoffpreise an den Weltmärkten und
deren Auswirkungen auf die Verbraucherpreisentwicklung im Euroraum
und in Russland standen ebenfalls zur Debatte. Die Seminarteilnehmer
stellten fest, dass der bis Mitte 2008 zu beobachtende starke Anstieg
und der darauf folgende beträchtliche Rückgang der Rohstoffpreise -
insbesondere über die Energiekomponenten im Euroraum und die
Nahrungsmittel in Russland - einen deutlichen Einfluss auf die
Verbraucherpreise ausgeübt haben. Es herrschte Einigkeit darüber,
dass die fundierte Kenntnis der Struktur und Dauer dieser
Rohstoffpreisschwankungen sowie deren Auswirkungen auf die mittel-
bis langfristige Preisstabilität für die Durchführung der Geldpolitik
von zentraler Bedeutung sei.

Finanzstabilität in Russland und im Euroraum
Die Seminarteilnehmer tauschten sich auch über die Entwicklungen im
Bankensektor und die Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf die
Finanzstabilität im Euroraum und in Russland aus. Dabei wurde
angemerkt, dass sich das Umfeld für die Finanzstabilität - von
Unterschieden bei spezifischen Entwicklungen im Euroraum und in
Russland abgesehen - seit dem Auftreten der weltweiten
Finanzmarktturbulenzen deutlich verschlechtert habe. Schließlich
wurden auch die Aktionspläne der jeweiligen Regierungen zur
Eindämmung der Stabilitätsrisiken an den Finanzmärkten und zur
Wiederherstellung des Vertrauens in den Bankensektor erörtert.

Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: (++43-1) 404 20 DW 6666
http://www.oenb.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ONB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel