- 20.02.2009, 11:06:57
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Marcic-Preis 2009 an Gründler und Keglevic
Journalistenpreis für "Apropos-Redakteurinnen" / Preisverleihung am 13. März
Salzburg (OTS) - Die Preisträgerinnen des René-Marcic-Preises 2009
heißen Mag. Michaela Gründler und Mag. Anja Pia Keglevic. Dies hat
die Salzburger Landesregierung auf Vorschlag einer von ihr
eingesetzten Jury beschlossen. Die beiden Journalistinnen schreiben
und redigieren die Salzburger Straßenzeitung "Apropos"; Michaela
Gründler seit 1999, seit 2002 als Chefredakteurin, und Anja Pia
Keglevic seit 2005 als Redakteurin. Der Preis ist mit insgesamt 6.700
Euro dotiert und wird am 13. März von Landeshauptfrau Mag. Gabi
Burgstaller in der Max-Gandolph-Bibliothek der neuen Residenz
übergeben werden. Der Marcic-Preis besteht heuer seit 30 Jahren. Die
zwei Blattmacherinnen der Salzburger Straßenzeitung sind die 23.
Preisträger.
Der Vorschlag für die Preisverleihung an Michaela Gründler und
Anja Pia Keglevic stammt von einer von der Landesregierung
eingesetzten Jury unter dem Vorsitz des em. Univ.-Prof. Dr. Michael
Schmolke und den Mitgliedern ORF-Landesdirektor Prof. Siegbert
Stronegger, Redakteurin Doris Esser und Redakteurin Ilse Spadlinek.
Geschäftsführer ist Landespressebüro-Chefredakteur Dr. Roland
Floimair.
Die Begründung der Jury
"Für die Verleihung des René-Marcic-Preises 2009 schlägt die Jury
zwei junge Salzburger Journalistinnen vor: Michaela Gründler (geb.
1973 in Linz) und Anja Pia Keglevic (geb. 1970 in Salzburg). Ihr
publizistisches Arbeitsfeld liegt eher am Rande der öffentlichen
Aufmerksamkeit. Sie schreiben und redigieren die Salzburger
Straßenzeitung 'Apropos', Michaela Gründler seit 1999, seit 2002 als
Chefredakteurin, Anja Pia Keglevic seit 2005 als Redakteurin.
Was ist eine 'Straßenzeitung'? Ein Blatt, das sich mit der
Situation von Menschen befasst, die von Armut, Wohnungslosigkeit,
manchmal auch Obdachlosigkeit betroffen sind, ein Blatt aber auch,
das eine beachtliche Zahl dieser Menschen in seine Arbeit einbezieht,
die meisten als Straßenverkäufer, gar nicht wenige auch als
Autorinnen und Autoren. 'Apropos', gegründet 1997 unter dem Titel
'Asfalter', ist keine Gratiszeitung, sondern muss verkauft werden,
und lässt sich verkaufen. Zwei Euro kostet das Heft, ein Euro davon
geht an Verkäufer oder Verkäuferin. Dafür, dass das immer wieder
gelingt, sorgen die beiden Redakteurinnen. Für die zwei Euro bekommt
der Kunde eine echte Gegenleistung, sie sind keine milde Gabe. Das
Blatt trägt sich zu 60 Prozent selber. Das Land gibt seit Jahren
einen (bescheidenen) Zuschuss. Drei-Jahres-Verträge - Herausgeber ist
die Soziale Arbeit GmbH - geben Planungssicherheit. Die beiden
Redakteurinnen sind Profis und nicht Wohltäterinnen. Sie beziehen ein
Gehalt.
Wofür verdienen sie einen Preis?
Erstens: Die beiden machen ein gut zu lesendes und inzwischen auch
ansehnliches Blatt. Sie produzieren Schwerpunkthefte - in letzter
Zeit z.B. 'Was ist Arbeit?', 'Vom Gewinnen und Verlieren' - und
widerstehen dabei der Versuchung, sich auf Kosten des übergeordneten
Ziels selber zu verwirklichen. Sie halten an dem Prinzip fest, immer
auch Autorinnen und Autoren aus dem Milieu zu Wort kommen zu lassen
(Schreibwerkstatt). Das Produkt ist unprätentiös, unideologisch,
offen, und als Leitlinie gilt: kein Jammerjournalismus.
Zweitens: Michaela Gründler und Anja Keglevic leisten soziale
Arbeit, indem sie ihre Klientel in die Arbeit einbeziehen. Aus
Verkäufern und Verkäuferinnen ist nach und nach eine Gruppe
entstanden. Die Redakteurinnen beobachten den Erfolg: Die Zeit der
Menschen bekommt durch Arbeit eine Struktur, sie 'stabilisieren
sich', sie 'richten sich auf'. Einige finden in normale
Lebensumstände zurück.
Drittens: Die Blattmacherinnen nehmen und geben.
Beide haben an der Universität Salzburg studiert: Germanistik und
Publizistik die eine, Publizistik, Germanistik und Geschichte die
andere. Beide haben die Angebote des Kuratoriums für
Journalistenausbildung genutzt, beide haben in vielseitiger Weise die
Medienpraxis erlernt, mit deutlichen Schwerpunkten in Salzburg: SN,
SVZ, ORF, 'Der Österreichische Journalist' u.a.m. Andere
Medieneinrichtungen helfen ihnen heute ggf. kostenlos, z.B. wenn es
um eine Kampagne oder ein neues Layout geht. Umgekehrt vernetzt sich
die Redaktion, wenn sie selbst helfen kann: im Internationalen
Straßenzeitungsnetzwerk, im Netzwerk der Salzburger Medienfrauen und
- last but not least - durch Bereitstellung von Praktikumsplätzen für
Studierende der Kommunikationswissenschaft.
Michaela Gründler und Anja Pia Keglevic tun ihre Arbeit ohne viel
Aufhebens. Sie helfen Menschen. Sie zeigen‚ wie man Menschen helfen
kann, und auch, wie sich Menschen selber helfen. Sie betreiben einen
glaubwürdigen Journalismus nach einer Leitlinie, die einst für die
BBC formuliert wurde: public service. Dafür verdienen sie den
René-Marcic-Preis."
Michaela Gründler und Anja Pia Keglevic sind die 23.
Preisträgerinnen des René Marcic-Preises, der 1979 erstmals von der
Salzburger Landesregierung vergeben wurde und mit dem qualitätsvolle
Leistungen des Journalismus ausgezeichnet werden; die von Salzburger
oder in Salzburg wirkenden Journalisten erbracht werden.
Rückfragehinweis:
Landespressebüro Salzburg
Dr. Roland Floimair
Tel.: (0662) 80 42 / 23 65
mailto:[email protected]
http://www.salzburg.gv.at
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