- 12.02.2009, 12:44:37
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Reisner: Entschuldung der Krankenkassen erster positiver Schritt
Präsident der NÖ Ärztekammer fordert für eine umfassende Reform weitere Maßnahmen. Positiv sieht er die angekündigte enge Kooperation mit Ärztinnen und Ärzten.
Wien (OTS) - "Die jüngst beschlossenen Sanierungsmaßnahmen für die
Krankenkassen können nur eine kurze Verschnaufpause bewirken, wenn
nicht begleitend weitere Maßnahmen umgesetzt werden", kommentiert der
Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, die diese Woche
beschlossenen Maßnahmen zur Sanierung der Krankenkassen.
"Längerfristig wird die Regierung nicht darum herumkommen, die
versicherungsfremden Leistungen aus dem Bundesbudget zu bezahlen, wie
dies Gesundheitsminister Stöger erfreulicherweise gefordert hat, und
nicht weiterhin den Krankenkassen unterzujubeln. Sonst werden die
Krankenkassen trotz der angekündigten Finanzspritze nicht positiv
bilanzieren können."
Sämtliche Kassen sollen noch heuer 30 bis 50 Millionen Euro als
Überbrückungshilfe sowie ab 2010 in drei Tranchen 450 Millionen Euro
erhalten. Zusätzlich soll ab Anfang nächsten Jahres ein Fonds mit
jährlich 100 Millionen Euro dotiert werden, der die Entschuldung der
Kassen zum Ziel hat. Kritik kommt dazu von Dr. Reisner: "Auf den
ersten Blick klingt das sehr positiv, doch sind diese Zahlungen an
kostensenkende Maßnahmen in nicht definierter Höhe gebunden. Aus
vernünftigen Kostenreduktionen dürfen keinesfalls Leistungskürzungen
oder Verschlechterungen für Patientinnen und Patienten werden." Das
Sparpotenzial in Richtung Ärztinnen und Ärzte zumindest der
niederösterreichischen Gebietskrankenkasse ist schon ziemlich
eingeschränkt. "Die Honorarverhandlungen brachten lediglich eine
Erhöhung von 1,11 Prozent, das ist weit unter der Inflationsrate. Ein
weiteres Sparen würde zu Lasten der Patienten gehen, in dem sie auf
billigere Medikamente umsteigen oder auf medizinische Leistungen
verzichten müssten", so Dr. Reisner weiter.
Einsparpotenziale bei Medikamenten und im Krankenhaus vorhanden
Ein mögliches Einsparpotenzial sieht Präsident Dr. Reisner
dennoch bei den Arzneimitteln, aber auch bei den Krankenhäusern: "Wir
befürworten eine Arzneimittelsicherung durch den Arzt. Er sollte alle
Medikamente seiner Patientinnen und Patienten kennen, überprüfen und
nach Möglichkeit reduzieren. Auch lässt sich Österreich seine
Krankenhäuser sehr viel kosten. 41 Prozent der gesamten
Gesundheitsausgaben fließen in die stationäre Versorgung im
Krankenhaus - ein Spitzenwert innerhalb der EU. Die Bettendichte ist
enorm und mit 26 Spitalsaufnahmen pro 100 Einwohner hat Österreich
innerhalb der EU die höchste Aufnahmerate. Hier ist ein Umdenken
nötig. Reformen dürfen nicht auf den niedergelassenen Bereich
beschränkt bleiben, sie müssen den niedergelassenen und den
Krankenhausbereich gleichermaßen und vor allem zeitgleich betreffen."
Zu bedenken ist vor allem auch, dass ein einseitiges Auslagern von
Leistungen aus dem Krankenhaus zu den niedergelassenen Ärztinnen und
Ärzten ein weiteres Aufstocken des Budgets der Krankenkassen
verlangt.
Positiv sind in jedem Fall die Bemühungen der Regierung zu
werten, das Gesundheitsthema künftig nicht alleine behandeln, sondern
die Ärzteschaft von Beginn an einbeziehen zu wollen. (bj)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Niederösterreich
Mag. Birgit Jung,
Tel. 01-53 751-623
mailto:[email protected]
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