- 30.01.2009, 11:27:50
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Experten: Den "gläsernen" Internet-User gibt es bereits
Leichtsinniger Umgang mit Daten - TU-Professor Maurer: "Zielgenaue Werbung ist gefährlicher, als wir alle glauben"

Wien (OTS) - Österreichs Internet-Benutzerinnen und -Benutzer,
aber auch die Unternehmen, gehen mit ihren Daten im weltweiten Netz
heute meist zu sorglos um, den "gläsernen" User gibt es bereits.
Dafür sorgen eigene Analyse-Programme, die neben der Ausforschung der
IP-Adresse auch versuchen, automatisch Profile zu erstellen. Diese
könnten dann für Werbemaßnahmen, aber auch für missbräuchliche
Anwendungen eingesetzt werden, stellten Experten im Rahmen der
APA-E-Business-Community gestern, Donnerstag Abend, in Wien fest.
Einer der größten Kritiker in diesem Bereich, TU-Graz-Professor
und Computerexperte Hermann Maurer, sieht das Hauptproblem in dem
Umstand, dass viele Nutzer-Daten auf "fremden" Servern liegen, wo sie
sich der Kontrolle des Einzelnen entziehen. Dass diese Daten
lediglich Marketing-Zwecken dienen, glaubt der Computerwissenschafter
nicht: "Zielgenaue Werbung ist viel gefährlicher, als wir alle
glauben." Programme zur Profilerstellung, etwa "Google Analytics",
könnten auch für politische und erpresserische Zwecke verwendet
werden. Der Benutzer wüsste oft nicht, was mit seinen Profil-Daten
geschehe, "das ist leichtsinnig", so Maurer.
Der Professor machte keinen Hehl daraus, dass ihm die
Quasi-Monopolstellung von Google im Bereich der Suchmaschinen ein
Dorn im Auge ist. "Google gehört zerschlagen", lautete die harte
Forderung. Ziel sei, dass die User jederzeit sein Profil einsehen und
gegebenenfalls auch löschen können sollte. Zudem sollten die Server,
auf denen die Daten lagern, "in einem Land unseres Vertrauens
liegen".
Die Möglichkeit, dass ein User im WWW selbst unterschiedliche
Profile verwaltet, hält wiederum Harald Lakatha, Geschäftsführer von
IT Solution, für nicht zielführend. Sinnvoller sei es,
unterschiedliche Profile je nach Kontext zu erstellen. Bei der
Verknüpfung von Analyseprogrammen und Datenschutz erwartet sich
Lakatha ein Statement der Politik. Er verwies in diesem Fall auf das
positive Beispiel der Bürgerkarte, wo der Staat viele Anstrengungen
unternommen habe, um missbräuchlicher Datenverwendung vorzubeugen.
Das Hauptproblem im Umgang mit Daten sieht Walter Karban vom
inMotion Verlag darin, dass Software leicht zu manipulieren ist.
Besser wäre es, sich im Internet andere Identitäten zuzulegen. Im
Allgemeinen ist es für ihn aber problematisch, wenn einige wenige
Unternehmen wie etwa Google zu viel über einzelne Personen wissen.
Dort würden die User quasi mit Daten für eine Dienstleistung zahlen,
ohne dies zu wissen. Aus diesem Grund will er IP-Adressen als
persönliche Daten verstanden wissen.
Für Microsoft-Sicherheitssprecher Gerhard Göschl ist das bewusste
Anmelden auf einer Homepage mit der Auswahl eines Profils eine
Möglichkeit für mehr Datenschutz. Für "normales" Surfen sei dies aber
zu kompliziert. Auch die Trennung zwischen privatem und beruflichem
Internetgebrauch ist für ihn in der Praxis schwierig, da es hier oft
Überschneidungen gebe.
Michael Engel, Security Manager bei Nextira One, hielt fest, dass
die Userin und der User "schon heute sehr gläsern" sind. Man
hinterlasse - auch unbewusst - viele Datenspuren, und das nicht nur
im Internet, sondern auch mit dem Handy oder der Kreditkarte. Das
Bewusstsein über die Vielzahl von hinterlassenen Spuren im Internet
müsse nicht nur bei den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern gestärkt
werden: "Awareness gilt auch für die Unternehmen." Die Antwort, wer
überprüft, wie Firmen mit Daten umgehen, "fehlt zur Gänze", stellte
Engel fest.
Für die Zukunft plädierte Karban für einen bewussten Umgang mit
Daten, Ziel seien "mündige" Bürgerinnen und Bürger. Dass dies derzeit
noch mangelhaft ausgeprägt ist, unterstrich auch Engel. Für Lakatha
ist hingegen das bewusste Setzen von Datenspuren vorrangig. Göschl
verwies seinerseits auf die enge Zusammenarbeit von Microsoft mit der
Artikel-29-Kommission (Datenschutzgruppe) auf EU-Ebene.
"Das Produkt Google ist heute nicht mehr gut", kritisierte Maurer,
der sich vor allem an der nicht vorhandenen "Vergessenheitsfunktion"
stößt. In Suchmaschinen gebe es oftmals Treffer, die schon einige
Jahre alt seien. In diesem Feld würden sich daher Chancen für neue
Anbieter und Technologien auftun.
Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:
- ANECON Software Design und Beratung GmbH / www.anecon.com
- Capgemini Consulting Österreich AG / www.at.capgemini.com
- diamond:dogs webconsulting GmbH / www.diamonddogs.cc
- DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH / www.dimoco.at
- Dialog Marketing Verband Österreich / www.dmvoe.at
- economyaustria / www.economyaustria.at
- Gentics Software GmbH / www.gentics.com
- Hewlett-Packard / www.hp.com/at
- IT Solution GmbH / www.itsolution.at
- Kapsch CarrierCom AG / www.kapsch.net
- Microsoft Österreich / www.microsoft.com/austria
- NAVAX Consulting AG / www.navax.at
- NextiraOne / www.nextiraone.at
- SER Solutions Österreich / GmbH www.ser.at
- Telekom Austria / www.telekom.at
- WirtschaftsBlatt / www.wirtschaftsblatt.at
- Wirtschaftskammer Österreich / www.wko.at
- APA-MultiMedia / http://multimedia.apa.at
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Rückfragehinweis:
E-Business-Community
Judith Stöckl
Tel.: +43/1/360 60-5740
mailto:[email protected]
Web: http://ebc.apa.at
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