• 26.01.2009, 10:09:26
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Reformen sollten im Sinne der Medizin statt Bürokratie fördernd sein

Der Präsident der NÖ Ärztekammer kritisiert die Vorschläge des neuen Hauptverbandsvorsitzenden

Wien (OTS) - Der Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph
Reisner zeigt sich erstaunt über den Vorstoß des neuen
Hauptverbandsvorsitzenden Dr. Hans Jörg Schelling, der offenbar zwei
der als unbrauchbar erachteten Themenbereiche der so genannten
Gesundheitsreform vom vergangenen Jahr wieder aufwärmen will. So
scheint die Qualität im Kassenbereich ein Problem zu sein, weshalb
Schelling das derzeit bestehende Qualitätssicherungssystem
kritisiert.

"Wer an der Qualität der niedergelassenen Kassenärztinnen und
Kassenärzte zweifelt, sollte sich die Zahlen und Fakten ansehen. Wir
haben in Niederösterreich die Situation, dass etwa einmal bei einer
Million ambulanten Behandlungen ein Behandlungsfehler bewiesen oder
außergerichtlich anerkannt wird. Diese hohe Qualität unserer
Ärztinnen und Ärzte wird somit von keiner anderen Branche erreicht",
so Ärztekammerpräsident Dr. Reisner.

Medizinisch fragwürdig und ohne Einsparpotenzial

Ebenso scheint für den Hauptverbandsvorsitzenden die Aut-idem
Regelung wieder aktuell zu sein, nach der letztendlich in der
Apotheke nicht das von der Ärztin/dem Arzt speziell für den Patienten
verordnete Medikament, sondern ein anderes, nämlich das Billigste,
abgegeben wird. "Unsere Ärztinnen und Ärzte verschreiben ohnehin
schon außerordentlich ökonomisch. Eine weitere Erhöhung des
Generikaanteils würde aus meiner Sicht keine Kosteneinsparungen nach
sich ziehen", so Präsident Dr. Reisner. "Arzneimittelpreise werden in
Österreich nämlich nicht ausverhandelt oder am Markt gebildet,
sondern vom Hauptverband diktiert. Das führt dazu, dass nach Ablauf
des Patentschutzes innerhalb weniger Monate kaum ein preislicher
Unterschied zwischen Original und Generikum besteht. In einigen
Fällen sind Generika sogar teurer als die Originale."
Enorm sind jedoch die medizinischen Probleme, die sich in
Einzelfällen aus der Aut-idem Regelung ergeben können: "Nicht immer
hat es aus medizinischer Sicht Sinn, unseren Patienten eine
Medikamentenlotterie durch eine Apothekenhilfskraft zuzumuten. Wo es
medizinisch vertretbar ist, werden ohnehin schon Generika
verschrieben."

Aufgeblähter Verwaltungsapparat muss reduziert werden

Aus Sicht von Präsident Dr. Reisner ist beim Vorstoß des
Hauptverbandes ganz genau eine bestimmte Gesinnung zu erkennen, die
exakt in die Entwicklung der vergangenen Jahre passt. "Bei solchen
Vorschlägen kann es nicht um die Optimierung der öffentlichen
Gesundheitsleistungen im Sinne der Patientinnen und Patienten gehen.
Beide Maßnahmen sind aus medizinischer Sicht sinnlos bis
kontraproduktiv und beschäftigen nur den ohnehin schon aufgeblähten
Verwaltungsapparat", so der Ärztekammerpräsident.
Echte Reformansätze würden Optimierungsvorschläge im Sinne der
Patientinnen und Patienten beinhalten und gleichzeitig die höhere
Lebenserwartung und den medizinischen Fortschritt mit einbeziehen.
"Wer reformiert, sollte im gleichen Atemzug Verwaltungsbürokratie ab-
statt aufbauen. Gerade diese Bürokratie kostet Unmengen an Zeit und
Geld. Beides fehlt bei der Behandlung unserer Patientinnen und
Patienten immer mehr", fasst Ärztekammerpräsident Dr. Reisner
zusammen.

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann, Pressesprecher
Tel. 0664/144 98 94
mailto:[email protected]

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