- 14.01.2009, 11:04:25
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Ökumene: Große Aufgaben bei interreligiösem Dialog und Integration
Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Altbischof Sturm, nahm in "Kathpress"-Gespräch zur bevorstehenden "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" Stellung
Wien, 14.1.09 (KAP) Den interreligiösen Dialog und das Thema
Integration sieht der Vorsitzende des "Ökumenischen Rates der Kirchen
in Österreich" (ÖRKÖ), der lutherische Altbischof Herwig Sturm, als
die großen gemeinsamen Herausforderungen für die christlichen Kirchen
im Land. In einem "Kathpress"-Gespräch im Vorfeld der
"Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" (18. bis 25. Jänner)
hob Sturm vor allem die Beziehungen zum Judentum und den Dialog mit
dem Islam hervor. Er verwies auf den "Tag des Judentums", den die
Kirchen jedes Jahr am 17. Jänner begehen sowie auf eine Tagung im
kommenden April in St. Pölten, zu der Vertreter aller europäischen
Ökumenischen Räte geladen sind. Dabei werde es zu einer ausführlichen
Begegnung mit Vertretern der Islamischen Glaubensgemeinschaft in
Österreich kommen, kündigte Sturm an.
Zum Thema Integration wies der ÖRKÖ-Vorsitzende darauf hin, dass die
meisten christlichen Zuwanderer in Österreich bereits eigene
nationale bzw. muttersprachliche Kirchengemeinden vorfinden. Das sei
ein bedeutender Anknüpfungspunkt für eine gelungene Integration, so
Bischof Sturm.
An der traditionellen Weltgebetswoche für die Einheit der Christen
beteiligen sich weltweit Christen aus unterschiedlichen Konfessionen.
Höhepunkt der "Weltgebetswoche" in Österreich ist der traditionelle
Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ).
Dieser Gottesdienst steht heuer unter dem Motto "Damit sie eins
werden in deiner Hand" und wird am 23. Jänner um 18 Uhr in der
Altkatholischen Heilandskirche (Wien 15, Rauchfangkehrergasse 12)
gefeiert. Bischof Sturm leitet den Gottesdienst, die Predigt hält der
Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer, der jetzt gemeinsam mit
Kardinal Christoph Schönborn in der Österreichischen
Bischofskonferenz für die Ökumene zuständig ist. Bereits seit 1959
veranstaltet der ÖRKÖ in der "Weltgebetswoche für die Einheit der
Christen" einen Gottesdienst. Dabei lädt jedes Jahr eine andere
Kirche zu der Veranstaltung ein.
Ebenfalls am 23. Jänner bittet der scheidende Apostolische Nuntius in
Österreich, Erzbischof Edmond Farhat, Vertreter des ÖRKÖ zu einem
Empfang. Bischof Sturm würdigte im Gespräch mit "Kathpress" diese
Geste des päpstlichen Vertreters in Österreich.
Am Montag, 26. Jännern steht um 17 Uhr der Ökumenische Empfang des
Wiener Erzbischofs, Kardinal Christoph Schönborn, im Erzbischöflichen
Palais auf dem Programm. Themen beim Empfang sind u.a. die
ökumenischen Aspekte bei der Ausbildung an Theologischen Fakultäten
und Kirchlichen Pädagogischen Hochschulen, die Kontakte des ÖRKÖ über
die Grenzen Österreichs hinaus, die ökumenischen Aspekte bei der
Weltbischofssynode im Vorjahr und eine Bilanz des 50-Jahr-Jubiläums
des ÖRKÖ.
Aus Anlass der "Weltgebetswoche" findet auch die alljährliche
"Ökumenische Fachtagung" der Wiener Diözesankommission für
ökumenische Fragen statt. Referenten der Tagung am Freitag, 30.
Jänner, im Kardinal-König-Haus sind der katholische
Fundamentaltheologe Prof. Jürgen Werbick, der griechisch-orthodoxe
Theologe Anastasios Kallis und der evangelisch-lutherische Bischof
Michael Bünker. Die Tagung steht unter dem Titel "Dienen die Kirchen
der Welt und dem Reich Gottes?"
Trennung bei Eucharistie ist "tiefe Wunde"
Bischof Sturm nahm im "Kathpress"-Gespräch auch zu den großen
Problemfeldern des ökumenischen Dialogs Stellung. Als eine "ganz
tiefe Wunde" bezeichnete er die Tatsache, "dass wir bei der
Eucharistie noch immer getrennt sein müssen, obwohl wir beisammen
sein wollen". Vom Verständnis des Abendmahls und von der Auslegung
der biblischen Texte her bestehe weitgehende Übereinkunft unter den
Kirchen, so der ÖRKÖ-Vorsitzende, wenn er auch im Detail
unterschiedliche theologische Lehrmeinungen zu bestimmten Punkten
einräumte. Er persönlich verstehe nicht, "warum die Kirchen nicht
schon längst die Formel oder auch nur das betende Schweigen gefunden
haben, um einander am Tisch des Herrn gastbereit einzuladen".
Entschieden wandte sich Sturm gegen jede Kleingläubigkeit in Sachen
Ökumene und das gegenseitige Ausspielen von Kirchenbasis und
Kirchenleitung. Wer sich etwa in den Gemeinden mit Berufung auf die
Kirchenleitung ökumenischen Fortschritten verwehre, habe den Auftrag
und das Gebet Jesu um Einheit genauso wenig verstanden wie
Kirchenleitungen, die aus Angst vor Spaltungen der Kirche keine
weiterführenden Schritte unternehmen würden.
Als eine der ganz großen Herausforderungen für die Kirchen nannte der
ÖRKÖ-Vorsitzende auch das Bemühen um die Bewahrung der Schöpfung und
mehr soziale Gerechtigkeit. Hier müssten die Kirchen gemeinsam eine
Vorreiterrolle einnehmen, so Bischof Sturm.
Ökumenische Akzente in Oberösterreich
Die "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" wird
österreichweit mit Gottesdiensten und Veranstaltungen begangen. In
Oberösterreich etwa beteiligen sich neun christliche Kirchen an der
"Gebetswoche", darunter die katholische Kirche, die lutherische und
die reformierte Kirche, die koptisch-orthodoxe Kirche, die
methodistische Kirche, die rumänisch-orthodoxe und die
serbisch-orthodoxe Kirche. Gemeinsam feiern sie am 22. Jänner um
18.30 Uhr im Linzer Mariendom einen ökumenischen Gottesdienst. Die
Predigt wird Bischof Gabriel von der koptisch-orthodoxen Kirche
halten. (forts.mgl.)
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