• 14.01.2009, 09:30:00
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Allianz Ausblick auf das Börsejahr 2009: Bären stoppen Beutezug

Wien (OTS) - Europa und die USA befinden sich mitten in einem
Bärenmarkt. Das Börsejahr 2008 zählte zu den schlechtesten in der
Geschichte: Leitindizes führender Börsen verloren durchschnittlich
mehr als 40 Prozent. Auch 2009 werden die Bären an den Finanzmärkten
vorerst noch auf Beutezug gehen - allerdings nicht mehr in so starkem
Ausmaß wie 2008. Durch die konzertierte Aktion von Zentralbanken und
Regierungen seien Chancen auf weitere Kurserholung schon in diesem
Jahr zu erwarten, meint die Allianz.

"In Europa erwarten wir die Bodenbildung an den Finanzmärkten
bereits im ersten oder zweiten Quartal", erklärte Martin Bruckner,
Vorstand der Allianz Investmentbank, vor Journalisten. Grund für
diese Einschätzung seien insbesondere die Aktivitäten der Notenbanken
und Regierungen, die weltweit mit geld- und konjunkturpolitischen
Maßnahmen von historischem Ausmaß entschlossen gegen die Krise
antreten. Die US-amerikanische Federal Reserve (Fed) hat die Option
zur Zinssenkung mit Leitzinsen von 0 - 0,25 Prozent nach unten
ausgereizt. Die Europäische Zentralbank (EZB) zeigte sich bisher
zurückhaltender beim Senken der Leitzinsen - der Zinssatz liegt
aktuell bei 2,50 Prozent -, was ihr auch für das Jahr 2009 Spielraum
gewährt. Wegen der äußerst schwachen Konjunkturaussichten und einem
weiteren Absinken der Inflation sind somit in Europa weitere
Zinssenkungen zu erwarten. "Die massiven Zinssenkungen der
Notenbanken bedeuten zuerst eine Hilfe für den Kreditsektor, positive
Effekte auf die Realwirtschaft treten erst mit deutlicher Verzögerung
ein. In Kombination mit den enormen Konjunkturpaketen sollten
Depression und Deflation aber verhindert werden können",
prognostiziert Mag. Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz
Invest KAG.

Bärenmärkte im historischen Vergleich

Wirft man einen Blick auf die Geschichte von Bärenmärkten seit
1900, so lässt sich Folgendes festhalten: Europa befindet sich
aktuell im drittschlimmsten Bärenmarkt der Geschichte: In einem
Zeitraum vom 1. Juni 2007 bis zum bisherigen Tief vom 21. November
2008 sanken die Aktienkurse um 51 Prozent. Nur die Phasen zwischen
Februar 1929 und Juni 1932, als die Börsenkurse um 59 Prozent
einbrachen, sowie zwischen September 2000 und März 2003 (minus 58
Prozent), stellen den aktuellen Bärenmarkt in den Schatten.

In den USA waren lediglich die frühen 1930er Jahre von noch
deutlicheren Verlusten gekennzeichnet (minus 86 Prozent gegenüber
derzeit minus 52 Prozent). "Ob Weltwirtschaftskrise 1929, die Ölkrise
in den 1970ern oder das Platzen der IT-Bubble 2000: Die Dauer und das
Ausmaß von Bärenmärkten sind sehr unterschiedlich. Der aktuelle
Bärenmarkt hat bereits das Ausmaß der großen, strukturellen Krisen
erreicht. Die zeitliche Ausprägung ist jedoch noch
unterdurchschnittlich", erklärte Ramberger. Deshalb gebe es durchaus
Chancen für eine Bärenmarktrally.

Bärenrallys indizieren keinen Wirtschaftsaufschwung

Eine Analyse von Bärenmärkten zeigt, dass Krisen, die durch die
Kreditwirtschaft ausgelöst werden, meist besonders hartnäckig sind.
Aktienmärkte erweisen sich dabei stets als Vorlaufindikator für die
Entwicklung der Realwirtschaft. Das Low im Aktienmarkt fällt deutlich
vor den Tiefpunkt der Gewinndynamik, das Tief in der KGV-Bewertung
deutlich vor die Talsohle in der Wirtschaftsdynamik. Der US-Markt
führt dabei die anderen Volkswirtschaften und Börsen.

Diese Analyse bestätigt sich auch im aktuellen Bärenmarkt: Das in
Europa erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7 befindet sich 35
Prozent unterhalb des Durchschnitts seit 1973, d.h. die Gewinne
können um die Hälfte sinken, um das durchschnittliche KGV von 13,5 zu
erreichen. Auch die Dividendenrendite befindet sich absolut und
relativ zu den Bondrenditen auf dem höchsten Stand seit 1983.

Wirft man einen Blick auf die aktuelle Wirtschaftsdynamik, zeigt
sich, dass sich die Abschwächung in der Realwirtschaft klar
fortsetzt: "USA, Japan, UK und Euroland befinden sich bereits in
einer Rezession. Wir erwarten deutlich negative Wachstumsraten, im
laufenden Jahr 2009 sollte aber die Talsohle erreicht werden",
prognostiziert Ramberger. Bei den Konjunkturindikatoren ließen sich
dramatische Einbrüche feststellen, teilweise auf historische
Tiefststände. "Wir erwarten, dass die Unternehmensgewinne deutlich
fallen", so Ramberger. Der US-Arbeitsmarkt verschlechtere sich
zusehends, Europa dürfte zeitverzögert folgen.

Die Risikoaversion an den Aktienmärkten zeige sich im Höhenflug
von Spreads und Volatililtäten. US High Yield Spreads indizierten
einen massiven Anstieg der Insolvenzen. Der Risikoaufschlag bei US
Investmentgrade Bonds erreichte sogar ein neues Allzeithoch.
Risikoaufschläge drückten auf die Aktienmärkte, wo die Volatilität
sprunghaft anstieg und mit 80 Prozent Höchstwerte seit den 1980er
Jahren erreichte.

Chancen für Anleger

Renditen von Staatsanleihen befinden sich auf sehr tiefen Niveaus,
sind jedoch von der Zins- und Inflationsentwicklung unterstützt.
Wirtschaftsentwicklung und Unternehmensgewinne befinden sich auf
Talfahrt, die allgemeine Stimmungslage zeigt extremen Pessimismus und
Risikoaversion. Aktienmärkte diskontieren bereits die kommenden,
negativen Entwicklungen. Als Risiken lassen sich laut Bruckner neben
Deflation und Depression auch ein massiver Einbruch der
Wirtschaftsentwicklung in China sowie steigende geopolitische
Spannungen charakterisieren.

"Wir starten neutral in den Markt", erklärte Bruckner.
Grundsätzlich empfehlen die Allianz Anlageexperten, bei der Asset
Allocation Anleihen und Aktien neutral zu halten. Chancen zum
Einstieg bieten US-Aktien, da die Fed die aggressivste Geld- bzw.
Reflationspolitik führt, die USA sich am längsten im Abschwung
befinden und am Arbeitsmarkt flexibler agieren. Außerdem könnte auch
der neue US-Präsident Barack Obama kurzfristig eine Stimmungswende an
den Märkten auslösen. Bei Euroland Anleihen bieten deutlich
angestiegene Spreads bei Pfandbriefen und Unternehmensanleihen im
Investment-Grade Segment gute Kaufgelegenheiten, wobei der Fokus auf
höchsten Bonitäten bleiben sollte.

"Für das Gesamtjahr 2009 sind wir durchaus positiv. Wir sehen das
Licht am Ende des Tunnels - und es wird kein entgegen fahrender Zug
sein", so Bruckner abschließend.

Rückfragehinweis:

Dr. Marita Roloff
   Unternehmenskommunikation
   Allianz Gruppe in Österreich
   Hietzinger Kai 101-105
   1130 Wien
   Tel: 01/878 07 - 80726, Fax: - 40261
   E-Mail: [email protected] 
   Internet: http://www.allianz.at

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